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Historische eSport-Rad-Weltmeisterschaft in der Studentenbude

Radsport : Historische Weltmeisterschaft in der Studentenbude

Hannah Ludwig und Miguel Heidemann gehören am kommenden Mittwoch (9.12.) zur deutschen Nationalmannschaft bei der ersten eSport-Rad-WM.

Die Studentenbude wird zur WM-Arena. Wenn Miguel Heidemann am kommenden Mittwoch (9. Dezember) bei der eSport-Radsport-Weltmeisterschaft startet, sitzt er auf seinem auf einem Smarttrainer („Rolle“) montierten Fahrrad in seiner Studentenwohnung in Darmstadt. Der aus Hockweiler stammende 22-Jährige vom Team Leopard Pro Cycling zählt zur fünfköpfigen Auswahl der Männer des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR) bei der erstmals ausgetragenen WM. „Endlich kommt ein kleines Radrennen ins Haus“, freut sich der Europameister mit der deutschen Mixed-Staffel. U23-Zeitfahr-Europameisterin Hannah Ludwig aus Traben-Trarbach gehört dem sechsköpfigen deutschen Frauen-Team an.

Zeit- und Bergfahrspezialist Heidemann (deutscher U-23-Meister 2019 und 2020) glaubt, dass seine Mannschaft gut aufgestellt ist. „Ich denke, wir haben ein paar ganz gute Jungs dabei“, sagt Heidemann und denkt dabei unter anderen an den ehemaligen Ruder-Weltmeister Jason Osborne aus Mainz. Für ihn selbst sei der Parcours auf der Online-Plattform Zwift über den „Figure 8 Reverse“-Kurs in der fiktiven Welt Watopia zu flach. „Es geht ein bisschen zu wenig bergauf“, sagt der Wirtschaftsingenieur-Student (Fachrichtung: Maschinenbau). Auf insgesamt rund 50 Kilometer sind 480 Höhenmeter zu bewältigen. Im gemeinsamen, virtuellen Training habe sich die Nationalmannschaft gut mit der Strecke vertraut gemacht. „Wir werden uns ähnlich verhalten, wie im Straßenrennen“, erklärt Heidemann. Durch „Knopf im Ohr“ sind alle mit dem Teamleiter und untereinander verbunden, um auch taktisch agieren zu können.

Praktisch nur noch „auf der Rolle“ und auf der WM-Strecke hat Hannah Ludwig in den vergangenen vier Wochen trainiert. „Ich denke, dass es ein Ausscheidungsrennen werden wird“, sagt die zweimalige U-23-Europameisterin. „Den letzten Kilometer geht es berghoch. Das wird entscheidend“, glaubt Hannah Ludwig, dass auf dem etwa fünfprozentige Schlussanstieg die ersten virtuellen Weltmeistertrikots (für die jeweiligen Avatare) vergeben werden.

Die Traben-Trarbacherin, die für das Team Canyon-Sram startet und schon im Sommer an der virtuellen Tour de France der Frauen teilgenommen hat, geht „relativ entspannt“ in die erste eSport-Rad-Weltmeisterschaft. Dabei werden sie und Heidemann laut Michael Rogers einen historischen Moment erleben. Der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister (2003-05) aus Australien übernimmt beim Radsport-Weltverband UCI ab kommenden Jahr offiziell den Posten den Innovations-Manager.

Das Fahrgefühl auf den neusten Smart-Trainern komme schon sehr nahe an das in der Natur heran, sagt Hannah Ludwig. Die Intensität bei Zwift-Rennen sei allerdings eine andere. „Draußen gibt es mehr Ons und Offs. Im Feld hat man dann schon öfter das Gefühl, man könne noch schneller“, erzählt die 20-Jährige. In der virtuellen Welt fahre man trotz des über die Software implementierten virtuellen Windschattens immer relativ nah am Limit.

Große Bedenken, dass bei virtuell ausgetragenen Wettbewerben betrogen werde, haben Hannah Ludwig und Miguel Heidemann nicht. Jeder WM-Teilnehmer hat einen versiegelten, kalibrierten Smarttrainer erhalten. Dieser kann den jeweiligen Sportlern anhand der Seriennummer zugeordnet werden. Die Ermittlung ihres Gewichts (wichtig für die realistische Widerstandseinstellung) müssen die Fahrer nach einem detailliert festgelegten Verfahren per Video dokumentieren. Während des gesamten Rennens müssen sie außerdem gefilmt werden, um Manipulationen zu vermeiden. „Es wird viel getan, damit es fair zugeht“, sagt Miguel Heidemann, weiß aber auch: Hundertprozentige Sicherheit vor Betrügereien gibt es nie.