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Interview Henry Maske​: Sir Henry, die Mosel und ein Herz für Kinder​

Interview Henry Maske : Sir Henry, die Mosel und ein Herz für Kinder

Fortwährende Unterschiede zwischen Ost und West, der Ukraine-Krieg, Hilfe für Benachteiligte: Im TV-Gespräch nimmt die Box-Legende vor ihrem Auftritt in der Wallfahrtskirche in Klausen am Freitag Stellung zu aktuellen Themen.

Vor rund 30 Jahren hat er den Boxsport in Deutschland nach langer Zeit wieder hoffähig gemacht und die Menschen bei seinen Kämpfen an die Fernseh-Bildschirme gezogen. Henry Maske, ein Kind des Ostens, war zu Wendezeiten mehr eleganter ,Faustfechter‘ als ,stupider Klopper‘ im Ring. Sein damaliger Manager: Werner Heinz aus Trier. Nach der aktiven Karriere schuf sich ,Sir Henry‘ unter anderem ein Standbein als Fernsehkommentator. Er ist bis heute Gast bei vielen Events.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kultur in der Wallfahrtskirche“ spricht der 58-Jährige am Freitag, 8. Juli, 19.30 Uhr, in Klausen zum Thema „Nur wer aufgibt, hat verloren.“ (siehe Info-Box).

Sie haben in den 1990er Jahren einen neuen Typus in Ihrer Sportart begründet, den des ,Gentleman-Boxers‘. Eigentlich zwei Begriffe, die sich nur schwer miteinander vereinbaren lassen. Sie haben damals einen wahren Box-Boom ausgelöst und erhielt den Beinamen ,Sir Henry‘. Was bedeutet Ihnen dieses Ansehen bei den Fans – auch heute noch, 30 Jahre später?

Maske: Ich war ungefähr 27 Jahre lang Boxer, aber ich bin jetzt schon vier Jahre länger kein Boxer mehr. Aber selbstverständlich ist es am Ende immer deutlich angenehmer, eine positiv besetzte Erinnerung bei vielen interessierten Menschen auszulösen.

Ihr Verdienst war es damals, durch Ihre Kampfführung, durch gepflegtes Auftreten und Ihre Redegewandtheit den Boxsport in Deutschland aus der Schmuddelecke geholt zu haben. Wie steht der Boxsport in Deutschland heute Ihrer Meinung nach im öffentlichen Ansehen da?

Maske: Glücklicherweise ist er nicht wieder dorthin zurückgekehrt. Boxen wird heute als das bewertet, was es ist – Sport. Und die aktuellen Akteure haben alle eine faire Chance, sich die gewünschten und auch notwendigen Resonanzen zu erarbeiten.

Anfang der 1990er Jahre waren Sie zudem eine politische Integrationsfigur des wiedervereinigten Deutschlands. Aber Begriffe wie ,Ossi‘ und ,Wessi‘ sind auch heute noch aktuell. Renten und Löhne werden im Osten und Westen immer noch verschieden erhöht und angepasst. Sind die Deutschen auf dem Weg zur Weiterentwicklung und zur Vollendung der Wiedervereinigung in den Köpfen irgendwo stehen geblieben?

Maske: Warum es nach wie vor diese Unterschiede gibt, haben die Personen zu beantworten, die dafür zuständig sind und es auch waren. Ansonsten blicke ich auf die vielen Zugewinne und positiven Effekte dieser für einen Großteil der Deutschen selbstverständlichen Gemeinschaft. Für mich ist es immer noch, auch nach dieser langen Zeit, im höchsten Maße beeindruckend, was seinerzeit geschah.

Sie haben in dem Buch ,Ready to Rumble‘ gesagt: „Wenn es Gewinner der deutschen Einheit gibt, gehöre ich auf jeden Fall dazu.“ Wie viel an Ihrem erfolgreichen Weg nach dem Sport war das Glück der Umstände und wie viel war persönliches Geschick und Durchsetzungswille?

Maske: Kann ich an dieser Stelle eine Antwort geben, die sich zweiteilt? Einerseits werde ich im Zusammenhang mit meiner Entwicklung immer auch von Glück sprechen. Andererseits stellt sich die Frage, wie häufig ist ,Glück‘ zufällig geschehen? Ich bin sehr dankbar, dass mein Trainer Manfred Wolke und ich den Mut hatten, einen komplett neuen Weg einzuschlagen. Einen Weg, von dem auch wir nicht sicher wussten, wo er uns hinführen würde. Eines hatten wir: Vertrauen in uns selbst. Und das ist mir auch später nicht abhanden gegangen.

Durch ihren damaligen Manager Werner Heinz haben Sie eine persönliche Beziehung zur Region und zu dem Menschenschlag hier. Sie waren öfter an der Mosel. Gibt es Begegnungen oder Ereignisse, an die Sie sich besonders gern erinnern?

Maske: Vor sehr vielen Jahren wurde ich in Trier vom Bürgermeister empfangen, und ich habe mich in das Buch der Stadt eintragen dürfen. Diese Begegnung ist bei mir nach wie vor sehr präsent und in bester Erinnerung. Insgesamt haben die Mosel und Trier so vieles Schönes zu bieten.

Als Olympiasieger, Profi-Weltmeister und Sportler mit Filmschauspieler-Attitüde waren Sie quasi die einzig mögliche Besetzung für die Verfilmung des Lebens von Max Schmeling. Wie haben Sie damals die Begegnungen mit ihm empfunden? Und was konnten Sie davon für sich mitnehmen?

Maske: Max Schmeling war ganzheitlich eine sehr besondere Persönlichkeit. Ihn kennenlernen zu dürfen, ihn auch in seinem ihm vertrauten Umfeld zu erleben, das war groß, sehr groß für mich.

Vitali Klitschko, der den Boxsport ähnlich wie Sie gesellschaftsfähig gemacht hat, kämpft heute als Bürgermeister von Kiew gegen die russischen Invasoren. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie das sehen?

Maske: Mir geht es wie vielen anderen Menschen auch. Es ist furchtbar, was seit Ende Februar in der Ukraine geschieht. In diesem Zusammenhang immer wieder auch Wladimir und Vitali zu erleben, bewegt mich persönlich zusätzlich.

Sie ,vermarkten‘ ihren Namen und ihr Ansehen als Sportsmann heute vor allem als Botschafter ihrer Stiftung für benachteiligte Kinder. Warum liegen Ihnen die Jüngsten der Gesellschaft so sehr am Herzen? Und was können wir alle besser machen, damit junge Menschen mit schlechten Startbedingungen eine faire Chance für ein würdiges Leben bekommen?

Maske: Die jungen Menschen sind die in unserer Gesellschaft, die tatsächlich in Abhängigkeit Anderer stehen. Früher oder später werden sie ihr Leben meistern, meistern müssen. Ob es gelingt, hängt von so Vielem ab. Manch einem fehlt es leider schon zu Beginn an fairen Chancen und sozialer Teilhabe.

Wir können mit unserem Einsatz über die Stiftung nicht wirklich viel Einfluss nehmen. Aber am Ende könnte auch unser Beitrag für Einzelne der Zugang zum Bewusstsein sein, dass man immer noch selbst sehr viel Einfluss auf seinen Werdegang nehmen kann.