| 16:04 Uhr

Rudern
Quantensprung für Ruder-Standort Trier

Begutachten das neue Bootshaus-Projekt des RV Treviris Trier: Benedikt Schwarz, Richard Schmidt, Caroline Meyer, Matthias Woitok, Lätizia Loch, Annika Elsen, Katharina Bauer und Ulrich Steinfurth.
Begutachten das neue Bootshaus-Projekt des RV Treviris Trier: Benedikt Schwarz, Richard Schmidt, Caroline Meyer, Matthias Woitok, Lätizia Loch, Annika Elsen, Katharina Bauer und Ulrich Steinfurth. FOTO: TV / Mirko Blahak
Trier. Der RV Treviris plant einen rund 4,5 Millionen Euro teuren neuen Bootshauskomplex, mit dem sich die Trainingsbedingungen enorm verbessern sollen. Ein entscheidender Schritt steht noch aus: die Finanzierung. Von Mirko Blahak
Mirko Blahak

Vor 20 Jahren war die Lage beim Ruderverein Treviris Trier ziemlich düster. Der Club hatte nach Aussage des aktuellen Vorsitzenden Matthias Woitok rund eine halbe Million Euro Schulden. Die Zahl der Mitglieder lag unter 100. Die Zukunftsfrage wurde gestellt.

Seitdem ist viel passiert. Weil die schon damals intensive Jugendarbeit trotz schwieriger personeller Voraussetzungen Früchte trug. Laut Woitok hat der RV Treviris seit 2001 bis heute 60 nationale und 20 internationale Medaillen gewonnen – vor allem dank Richard Schmidt, aber auch durch andere Ruderer. Die aktuelle Mitgliederzahl liegt bei rund 300.

Seit 2012 ist Trier neben Koblenz und Speyer sogenannter regionaler Landesstützpunkt. Die infrastrukturellen Bedingungen im Bootshaus des RV Treviris an der Luxemburger Straße sind aber nicht optimal. Im Kraftraum, in dem manches notdürftig zusammengestellt worden ist, haben maximal 30 Athleten Platz. Er dient zudem als Gemeinschaftsraum – ohne Rückzugsmöglichkeit. Der gesamte Gebäudekomplex ist laut Bootshauswart Thomas Thielen zudem nicht ordentlich gegründet, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „auf Sand gebaut“. Die Folge: Große Setzrisse in den Wänden. Eine Sanierung sei nicht möglich. In der an den Kraftraum angrenzenden Halle mit den Bootsplätzen klebt über den bis zu 20 000 Euro teuren Booten der Rost an den Stahlträgern.

Im aktuellen Kraftraum behilft sich der Club teilweise mit Stuhl und Bierkisten.
Im aktuellen Kraftraum behilft sich der Club teilweise mit Stuhl und Bierkisten. FOTO: TV / Mirko Blahak

Das soll sich ändern. Auf dem Gelände ist ein neuer Bootshauskomplex geplant – mit einer weitaus größeren Kapazität an Boots-Lagerplätzen (225 statt bislang knapp 150), neuen Umkleiden, neuem Kraftraum, Gemeinschaftsräumen mit Küche und Zimmern zum Übernachten. Das alles auf teilweise mehreren Etagen. Einzig der aktuelle Kraftraum soll erhalten und künftig als Werkstatt genutzt werden. Integriert in den Komplex werden zudem vier Eigentums-Wohnungen.

„Die Bauvoranfrage ist positiv beschieden worden. Wenn die Finanzierung steht, könnten wir morgen beginnen“, sagt Woitok. Der Sporttrakt schlage mit rund drei Millionen Euro Kosten zu Buche, zuzüglich der Wohnungen komme so ein Gesamt-Volumen von rund 4,5 Millionen Euro zusammen. Der RV Treviris will sich mit 25 Prozent an den Kosten beteiligen – laut Woitok durch Eigenleistungen und dem Verkauf der vier Wohnungen. Darüber hinaus hofft der RV auf eine 50-prozentige Förderung durch das Land sowie der Übernahme des verbleibenden 25-Prozent-Anteils durch die Stadt Trier.

In der Bootshalle klebt an den Stahlträgern über den bis zu 20 000 Euro teuren Booten der Rost.
In der Bootshalle klebt an den Stahlträgern über den bis zu 20 000 Euro teuren Booten der Rost. FOTO: TV / Mirko Blahak

Würde das Projekt realisiert, wäre es laut Woitok ein „Quantensprung“ für den Ruder-Standort Trier, den der Vorsitzende des Ruderverbands Südwest, Ulrich Steinfurth, als „wichtig für das Flächenland Rheinland-Pfalz“ bezeichnet.

Am Stützpunkt trainieren viele Athleten, die noch zur Schule gehen. „Sie absolvieren pro Woche zehn, elf Trainingseinheiten. Das neue Gebäude wird helfen, die Zeit dazwischen besser zu nutzen als bislang“, sagt Benedikt Schwarz, Trainer beim RV Treviris und gleichzeitig Landestrainer. Zurzeit wird beispielsweise im Kraftraum gegessen, einen ruhigen Ort zum Hausaufgabenmachen gibt es gar nicht. All diese Probleme können mit dem Neubau gelöst werden. Schwarz ist überzeugt: „Die Infrastruktur hilft, die Zeit besser zu nutzen und so die Sportler noch besser als bisher weiterzuentwickeln.“

Die bisherige Halle soll einem neuen, teils mehrstöckigen Komplex mit vielfältigen Räumlichkeiten weichen.
Die bisherige Halle soll einem neuen, teils mehrstöckigen Komplex mit vielfältigen Räumlichkeiten weichen. FOTO: TV / Mirko Blahak

Auch Ruderern von (kleineren) Vereinen aus der Region sollen durch die Bereitstellung von Übernachtungsmöglichkeiten im Bootshaus-Komplex bessere Trainingsmöglichkeiten – beispielsweise übers Wochenende – ermöglicht werden.

„Ich bin von dem Projekt positiv überrascht. Der ganze Verein hofft, dass es realisiert werden kann. Wer international erfolgreiche Athleten haben will, braucht das entsprechende Umfeld“, sagt Schmidt, der im Deutschland-Achter kürzlich sein fünftes WM-Gold gewonnen hat. Ähnlich sieht es Caroline Meyer, die bei der WM im Leichtgewichts-Doppelvierer Bronze ergatterte: „Die neuen Möglichkeiten wären ein zusätzlicher Anreiz für den Ruder-Nachwuchs.“ Die größeren und besseren Trainingskapazitäten müssten personell unterfüttert werden – Woitoks Wunsch ist die Schaffung einer zweiten hauptamtlichen Trainer-Stelle.

Sofern die geplante Finanzierung klappt, rechnet Woitok mit einer Bauzeit von rund eineinhalb Jahren: „Es wäre natürlich super, wenn wir zu unserem 100-jährigen Vereinsbestehen 2021eine Einweihungsparty machen könnten.“