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Jan Stölben aus Manderscheid: Exot aus Eifel hoch hinaus im Wintersport

Wintersport : Der Exot auf zwei Brettern will’s wissen

Skilangläufer Jan Stölben aus Manderscheid musste bei seinem Weltcup-Debüt in Dresden zwar Lehrgeld bezahlen, aber als Mitglied des zweithöchsten Nationalkaders darf der 20-Jährige zumindest ein bisschen mit den Olympischen Spielen – spätestens denen im Jahr 2026 – lieb­äugeln.

Etwas Lehrgeld habe er bei seinem Weltcup-Debüt am vierten Advents-Wochenende bezahlen müssen, gibt Jan Stölben unumwunden zu. Etwas mehr als den 60. Platz im Einzelstartrennen und den 27. im Team-Sprint beim Skilanglauf-Weltcup am Dresdner Elbufer (TV berichtete bereits kurz) hätte sich der 20-Jährige aus Manderscheid bei seinem ersten Auftritt in der weltweit höchsten Rennserie aber schon gewünscht.

Auf den zwölf Runden (zu je knapp 700 Meter Länge) habe er sich zusammen mit seinem Staffelpartner Marius Kastner zwischenzeitlich bis auf den sechsten Platz gearbeitet. „Kurz vor dem letzten Wechsel ist vor uns jemand gestürzt, wodurch wir einige Positionen verloren haben“, berichtet Stölben. Die Möglichkeit als einer der „Lucky Loser“ (bei Platz fünf und sechs der beiden Halbfinalläufe zählten die Zeiten), war damit vergeben. Am Ende sei er froh, dass er nicht gestürzt sei. Die Bandagen, mit denen beim Weltcup gekämpft werden, seien um einiges härter als alles, was er bisher erlebt habe. Dass er besagtes Lehrgeld bezahlen musste, ist für Stölben nicht tragisch: „Das gehört bei den ersten Weltcup-Einsätzen wohl dazu.“

Was schon impliziert, dass er auf weitere Starts hofft. Dabei ist der in Manderscheid aufgewachsene Stölben beim Weltcup in Dresden und in der Nationalmannschaft in gewisser Weise ein Exot. Nicht nur, weil die Eifel für ein kontinuierliches Skilanglauf-Training zu schneearm ist und die Teamkollegen eher aus den südlichen und östlichen Bundesländern kommen. In der Jugend hatte Stölben nie zu einem der nationalen Nachwuchskader gehört. „Bis vor zwei Jahren war ich in keinem Kader und hatte noch keinen internationalen Start“, verdeutlicht Stölben seinen steilen Aufstieg. Nachdem er als Schlussläufer der deutschen Sprintstaffel bei den U-20-Weltmeisterschaften im Februar das deutsche Team auf den fünften Platz führte und dem zehnten Platz im Einzelrennen erzielte, erhielt Stölben einen Platz im Perspektivkader des Deutschen Ski-Verbands (DSV), eine Stufe unter dem Olympiakader (zusammengenommen zehn Kaderplätze). Nicht nur wegen des bestandenen Abiturs am Sportgymnasium Winterberg im Sauerland, an das der ehemalige Schüler des Dauner Geschwister-Scholl-Gymnasiums 2017 wechselte, hat sich für Stölben damit seit dem Sommer alles verändert. Er lehnte ein Stipendium an einem US-College in Michigan ab und trainiert stattdessen am Bundesstützpunkt in Oberstdorf. Zudem bekam er eine Stelle in der Sportfördergruppe der Bundeswehr und ist nun Sportsoldat.

„Das Training ist intensiver geworden, aber die Umfänge haben sich gegenüber 2020 bei mir nicht erhöht“, sagt der Vulkaneifeler. Während des ersten Corona-Jahres und den Schul- und damit auch Internatsschließungen trainierte er im heimischen Manderscheid nach selbst ausgetüfteltem Plan wie besessen. Etwa 1100 Stunden habe er auf den Brettern, meist Rollerski, gestanden. „Ich glaube, das war mehr, als alle A-Kader-Athleten gemacht haben.“ Der Trainingsschub brachte ihm die U-20-WM-Nominierung, war aber auch ein Tanz auf Messers Schneide. Er habe schon ein bisschen Glück gehabt, dass er seine Form bis zur WM habe halten können. Die Wettkämpfe im finnischen Vuokatti kamen keinen Tag zu früh.

Nach seinem Weltcup-Debüt stellt sich auch die Frage nach den Olympischen Spielen in Peking. Doch die DSV-Sprinter auf Langlaufski laufen international momentan hinterher. „Wenn vier Sprinter nach Peking mitgenommen werden, dann ist das realistisch“, meint Stölben, sagt aber auch: „Ich glaube, Olympia kommt für mich generell ein Jahr zu früh, dann lieber in Italien 2026.“ Seinen Fokus richtet er erst einmal auf die U-23-Weltmeisterschaft Ende Februar im norwegischen Lygna und vielleicht noch den ein oder anderen Weltcup-Einsatz beispielsweise bei der Tour de Ski.

Weihnachten bei seiner Familie in Manderscheid wird es für Jan Stölben in diesem Jahr deshalb wohl nicht geben. „Hier in Oberstdorf gehe ich aus dem Haus und habe 60 Meter bis zur Loipe“, erzählt er. In der Eifel ist unterdessen kein Schnee in Sicht.