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Leichtathletik
Jetzt will Fitwi ins Nationaltrikot

FOTO: TV / Holger Teusch
Bremen/Stadtkyll. Ein Unbekannter ist Samuel Fitwi Sibhatu in der nationalen Läuferszene nicht mehr. Spätestens seit dem überlegenen Sieg in der U-23-Junioren-Wertung der deutschen Crosslauf-Meisterschaften im März hat die Konkurrenz den 22-Jährigen von der LG Vulkaneifel (LGV) im Blick. Von Holger Teusch

Bei den letzten großen nationalen Titelkämpfen des Jahres im Straßenlauf über zehn Kilometer hatte Fitwi deshalb nicht den Überraschungseffekt auf seiner Seite – und wurde trotzdem in Rheinlandrekordzeit von 29:27 Minuten Vizemeister und Titelträger der Unter-23-Jährigen (der TV berichtete).

„Es ging langsam los, so im Drei-Minuten-Schnitt pro Kilometer“, berichtet er vom DM-Rennen in Bremen. Fitwi hielt sich in der großen Führungsgruppe taktisch klug zurück. Der Gewinner des Schweicher Fährturmlaufs, Tobias Blum (LC Rehlingen), sorgte nach der ersten Hälfte in 15:07 Minuten mit einer Tempoverschärfung dafür, dass nur noch ein Quartett auf den letzten Kilometer ging. Blum bog zwar als Erster auf die Zielgerade ein, aber Jannik Arbogast (LG Region Karlsruhe/29:24) und Fitwi hatten mehr Körner gespart, um gemeinsam um den Sieg zu sprinten.

Damit ist Fitwi traumhaft in den abschließenden Teil seiner letzten U-23-Saison gestartet. Der Höhepunkt der Bahnsaison verlief nicht so wie erhofft. Bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg belegte er über 5000 Meter in 14:23,31 Minuten den neunten Platz. Ein ernüchterndes Resultat, nachdem er im Frühjahr als erst fünfter Läufer eines Leichtathletikvereins der Region die 14-Minuten-Schallmauer geknackt (13:56,12) und auch über 1500 Meter (3:50,14 Minuten) und 3000 Meter (8:03,88 Minuten) hochkarätige persönliche Bestzeiten aufgestellt hatte.

Nach der Nürnberger Stadion-DM pausierte Fitwi zwei Wochen, um frühzeitig in die Herbstvorbereitung zu starten. „Er ist jetzt in der vierten Trainingswoche“, erklärt Yannik Duppich. Der 28-Jährige betreut Fitwi seit Jahresbeginn. Mit dem Laufen begonnen hatte Fitwi, der vor vier Jahren aus Eritrea übers Mittelmeer nach Deutschland geflüchtet war, nachdem er bei einem Ausdauertest im Internat in Neuerburg überdurchschnittlich gut abgeschnitten hatte. LGV-Trainer Willy Oelert nahm ihn unter seine Fittiche, bevor er zu Duppich wechselte. Seit Jahresbeginn hat Fitwi einen deutschen Pass.

Deshalb rückt ein Start im Nationaltrikot schon bei der Crosslauf-Europameisterschaft am 9. Dezember in Tilburg (Niederlande) in greifbare Nähe.

Zur Vorbereitung möchte Fitwi im Oktober in den Niederlanden erstmals einen Halbmarathon (21,1 Kilometer) laufen. Aber noch nicht mit letztem Einsatz, wie er betont. Denn für die ganz langen Strecken ist trotz nahezu täglichen Trainings noch Luft nach oben. Um sich ein zweites Standbein aufzubauen, absolviert Fitwi zurzeit eine Ausbildung zum Maler und Lackierer in Lissendorf. „Wenn wir nach Köln zum Arbeiten fahren, müssen wir um 6 Uhr morgens los“, berichtet er. Sein Chef unterstütze ihn sehr. So habe er nun zweimal pro Woche die Möglichkeit, zwei Trainingseinheiten zu absolvieren – damit das Nationaltrikot kein Traum bleibt.