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Jugendmeisterin Hanna Kaiser mit Diskus von der Mosel an Nahe und Rhein

Leichtathletik : Mit dem Diskus von der Mosel an Nahe und Rhein

Die Deutsche Jugendmeisterin Hanna Kaiser wechselt von der LG Bernkastel-Wittlich zum TuS Kirn und nicht nach Mainz, wo sie studiert. Das gute Verhältnis zu ihrer Trainerin war ausschlaggebend.

Diskuswerfer zeigen dem Publikum während ihrer Drehung im Wurfring abwechselnd Rücken und Gesicht. Wenn die Deutsche Diskuswurf-Jugendmeisterin Hanna Kaiser mit dem neuen Jahr den Wechsel von der LG Bernkastel-Wittlich zum TuS Kirn vollzieht, kehrt die 19-Jährige ihrer Heimat damit nicht ganz den Rücken. Sie bleibe natürlich weiterhin Mitglied im LG-Stammverein TSV Bullay-Alf. „Der Verein ist immer für mich da gewesen. Ich bekomme auch weiterhin Unterstützung vom TSV und der Gemeinde Bullay. Das ist einfach ein gutes Verhältnis“, sagt Kaiser.

Dass sie mit dem Sprung in die Aktiven- und U-23-Klasse den Verein wechseln würde, hatte sich allerdings bereits abgezeichnet. Seit Oktober studiert die bisher einzige Deutsche Jugendmeisterin, die aus der LG Bernkastel-Wittlich hervor ging, in Mainz Mathematik und Sport auf Lehramt. Doch weder der renommierte USC noch der TSV Schott Mainz konnten Hanna Kaiser ins Trikot der Landeshauptstadt locken. Sie zieht es zum Verein von Jennifer Müller, den TuS Kirn. Die langjährige Wurf-Verbandstrainerin hatte Kaiser nach deren Trennung von Trainer Daniel Steup beraten und betreut. Nun ist sie offiziell ihre Trainerin.

„Es hat sich schon alles seit 2020 angedeutet. Da bin ich ja schon zu Jenny nach Kirn ins Training gefahren“, erzählt Hanna Kaiser. Über mehr als ein Jahr hinweg baute sich so eine vertrauensvolle Trainer-Athlet-Beziehung auf. „Ich komme mit Jenny gut parat. Sie weiß, wo meine Prioritäten liegen“, erzählt Kaiser. Auch wenn sich die Abiturientin mehr als ein Jahr lang selbst trainiert hat, „Jenny hat einen einen Riesenanteil am deutschen Meistertitel“, betont sie und fragt: „Warum das aufgeben und woanders wieder ganz bei Null anfangen?“

Zumal Kaisers Prioritäten nicht allein auf dem Leistungssport liegen. Sie gibt auch im Studium Gas. In der Erwartung, dass sie nicht in allen praktischen Sportkursen einen Platz würde ergattern können, hatte sich Kaiser auch in einigen sportheoretischen Kursen für höhere Semester angemeldet. Dann rutschte sie doch noch in die Praxiskurse für Turnen, Schwimmen und Leichtathletik - und hat nun ein strammes, aber wie sie betont interessantes Programm. „Wir hatten tatsächlich eine Vorlesung, in der es nur über Diskuswurf ging. Das war für mich natürlich super.“

Ausschlaggebend für Kaisers Wechsel zum TuS Kirn waren letztendlich praktische Überlegungen. „Knackpunkt war, dass Jenny als Kadertrainierin aufhört“, erzählt sie. Somit stellte sich die Frage nach der versicherungstechnischen Absicherung, wenn sie weiterhin bei Jennifer Müller, die nun nur noch Vereinsübungsleiterin ist, trainiert.

Wenn ihr Studium es zeitlich zulässt, pendelt Kaiser nun per Zug von Mainz die Nahe entlang nach Kirn. Ein weg etwa eine Stunde wie zuvor mit dem Auto von der Mosel über den Hunsrück. „Das Techniktraining in Kirn ist wichtig. Beim Krafttraining brauche ich nicht unbedingt jemanden, der daneben steht“, sagt sie. So stemmte die junge Frau an Weihnachten im zum Kraftraum umgebauten Keller ihrer Eltern Gewichte. In Mainz hat sie mit Hilfe von Stefanie Kaul, der Mutter von Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul, eigene Trainingszeiten im Kraftraum.

 Die Deutsche Jugendmeisterin im Diskuswurf Hanna Kaiser wechselt von der LG Bernkastel-Wittlich zum TuS Kirn.
Die Deutsche Jugendmeisterin im Diskuswurf Hanna Kaiser wechselt von der LG Bernkastel-Wittlich zum TuS Kirn. Foto: Paul Kaiser

Das Training laufe momentan gut, „auch wenn mit mein Arm fast abfällt, so viele Schleuderballwürfe machen wir“, sagt Hanna Kaiser lachend. Sie würde zwar gerne noch mehr Zeit in den Sport investieren, aber das Studium genieße Priorität. Sie müsse in der neuen Lebenssituation auch erst einmal richtig ankommen. Anfang Februar stehen die ersten Klausuren an. In der anschließenden vorlesungsfreien Zeit hofft Kaiser, sich mehr auf die Saisonvorbereitung konzentrieren zu können. Ihren Bundeskaderstatus hat sie für 2022 verloren. Um gut einen Meter verpasste sie mit ihrem Rheinland-Pfalz-Jugendrekord von 49,85 Meter die Norm (51,00). Die Ein-Kilo-Scheibe über die 50-Meter-Markierung und am besten weiter als 53 Meter zu werfen, das sind Kaisers ambitionierten Ziele für 2022. Das wäre dann neuer Landesrekord bei den Frauen (aktuell: 50,81 Meter). Auch wenn Hanna Kaiser dann das TuS-Kirn-Trikot trägt, den würde man bei ihrem Stammverein an der Mosel ebenso feiern.