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Kegeln: Die Charmantgen Olewig - Wenn’s um mehr als „alle Neune“ geht

Kegeln : Die Charmantgen Olewig: Wenn’s um mehr als „alle Neune“ geht

Die Kegler im Trierer Stadtteil Olewig feiern das 100-jährige Bestehen ihres Vereins. Was die „Charmantgen“ so besonders macht, was Boxlegende Max Schmeling mal mit ihnen zu tun hatte, und was ihr großer Wunsch für die Zukunft ist.

100 Jahre alt und jede Menge Geschichten geschrieben: Neben dem Sportverein blicken auch die Kegler der Charmantgen Olewig auf dieses seltene Jubiläum zurück. Die eigentliche Gründung des Kegelclubs geht sogar auf das Jahr 1920 zurück, eingetragen ins Register wurde der Verein dann aber erst 1921.

Erst kurz ist der TV-Berichterstatter vor Ort, und schon sind einige Male „alle Neune“ gefallen beim Kegelabend der Charmantgen. Immer donnerstags treffen sich die Mitglieder zum clubinternen Wettkampf in der Kegelsporthalle Heiligkreuz. Doch das Spiel „in die Vollen“ ist nicht der Höhepunkt des Abends. Das ist die „Rheinische Partie“, und das war schon immer so in der nun 100-jährigen Geschichte des vermutlich ältesten Kegelclubs der Region.

Bei der „Rheinischen“ wird auf zwölf verschiedene Bilder gekegelt, auf die man jeweils zwei Kugeln spielt. Um dieses Spiel wettkampfmäßig austragen zu können, wurde 1951 der Keglerverband Trier-Stadt und -Land ins Leben gerufen, bei dem die „Charmantgen Olewig“ von Anfang an dabei waren. In den Meisterschaftsrunden kegelten die Olewiger fortan meist in der oberen Verbandsklasse. Sportliche Höhepunkte in der Clubgeschichte waren Verbandsmeisterschaftstitel und auch Endspielsiege im Verbandspokal.

Kegeln: Die Charmantgen Olewig - Wenn’s um mehr als „alle Neune“ geht
Foto: Charmantgen Olewig

Vor vier Jahren wurde der Verband allerdings wegen stark rückläufiger Mitgliedsvereine aufgelöst, seither werden die Meisterschaftsspiele nicht mehr ausgetragen (siehe Infokasten). Den Anstoß zur Gründung der Charmantgen Olewig gaben im Jahr 1920 die Gebrüder Hans und Matthias Kaipinger. 1921 wurde der Verein dann offiziell bei der Bürgermeisterei Olewig angemeldet und ins Vereinsregister eingetragen. Gekegelt wurde am Wochenende im Gasthaus Kuhn (dem späteren Gasthaus Gauer) – auf einer Bahn im Freien.

Die Kegel wurden seinerzeit von Hand aufgestellt. Dafür brauchte man Kegeljungen. Der erste in Olewig war Baptist Bettendorf. Schon im Gründerjahr wurde der erste Wettkampf im Gasthaus Minn in Lampaden ausgetragen. Laut Vereinschronik gewannen die Olewiger damals ein Preisgeld von 100 Mark. 1933 wurde dann das Gasthaus Cordel neue Spielstätte und Vereinslokal, denn dort war zuvor eine neue Kegelbahn verlegt worden. Der Vereinsname Charmantgen hat übrigens nichts mit charmant zu tun. Mit Charmantgen bezeichnete man seinerzeit einen Handkranz beim Kegeln.

Nach den Kriegswirren (Lokal und Kegelbahn waren 1944 von Bomben zerstört worden) ging es nach dem Wiederaufbau der Bahn Ende 1949 wieder weiter. 1971 konnte man mit dem Verbandspokalturnier und einem Sport- und Preiskegeln das 50-jährige Bestehen feiern. In der Festschrift gratulierte sogar Boxweltmeister Max Schmeling mit einer persönlichen Widmung den Olewigern zum Jubiläum.

 Charmantgen Olewig
Charmantgen Olewig Foto: Charmantgen Olewig

Einschneidend war für den Kegelclub die Schließung des Gasthauses Cordel Anfang der 2000er Jahre. Eine neue Spielstätte außerhalb von Olewig musste gefunden werden. Mit dem Ortswechsel war auch ein Rückgang der Mitgliederzahlen zu verzeichnen. Ursprünglich waren es 15. Nun gehören lediglich noch acht aktive und ein inaktives Mitglied dem Club an. Als echte Olewiger sind Arno Greif und die Brüder Andy und Eddy Hubertz aktiv dabei.

Zuletzt musste Herbert Justen, das älteste und langjährigste Mitglied, krankheitsbedingt passen. Er ist nur noch inaktiv dabei. Inzwischen sind die Charmantgen Olewig schon lange in der Kegelsporthalle im benachbarten Stadtteil Heiligkreuz zu Hause. Ein Pokalturnier, wie etwa zum 50-jährigen Bestehen 1971, werden sie zum Hundertsten nicht mehr organisieren, aber eine interne Feier ist schon geplant.

„Unser Vater hat schon in diesem Club gekegelt. Wir sind alles leidenschaftliche Kegler, und wir werden die Tradition des Clubs so lange wie möglich aufrechterhalten“, betonen die beiden Hubertz-Brüder Eddy und Andy.

„Schade, dass allgemein das Interesse am Kegelsport nachgelassen hat. Wir würden uns über neue Mitglieder sehr freuen. Interessierte, auch Anfänger, können gerne donnerstags ab 20 Uhr vorbeischauen. Jeder Gast ist herzlich willkommen“, hofft Arno Greif auf eine Trendwende – und darauf, dass die Charmantgen Olewig noch lange weiter bestehen.