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Konz/Wittlich: Fußballtrainer beschäftigt Sorge vor (zu) hohen Hürden

Region : Fußballtrainer beschäftigt Sorge vor (zu) hohen Hürden

2G-Regel für Sport unter freiem Himmel: Wo es Ausnahmen für Übungsleiter und Schiedsrichter gibt, und wo sich Probleme auftun könnten.

Von der Option, die ursprünglich für Dezember angesetzten Spiele ins neue Jahr hinein zu verlegen, machen auch an diesem Wochenende die meisten Clubs auf Verbandsebene Gebrauch: In der Rheinland- und der Bezirksliga findet jeweils nur eine Partie statt (Vorschauen links unten). Der Fußballverband Rheinland hatte seinen Vereinen Ende der Vorwoche aufgrund zu erwartender organisatorischer Probleme eingeräumt, nach der kurzfristigen Bekanntgabe der nun auch im Freiluftsport greifenden 2G-Regel vor der Winterpause nicht mehr spielen zu müssen.

Schon vor rund zwei Wochen gab es Vereine, die angesichts steigender Corona-Zahlen ein Zeichen setzen und ein eventuelles Ansteckungsrisiko minimieren wollten. So ließ der SV Konz in seinem jüngsten Bezirksliga-Heimspiel gegen den SV Lüxem (2:2) bereits aus eigenen Stücken keine Zuschauer zu. „Klar hätte man die 100 oder 200 Zuschauer, die normalerweise  ins Saar-Mosel-Stadion kommen, auch mit genügend Abstand zueinander gut verteilen können. Aber der Vorstand hatte sich nach intensiven Beratungen dazu entschieden, und das mussten wir als Mannschaft und Trainerteam so akzeptieren“, sagt der Konzer Trainer Thomas Berens im Rückblick. Vor leeren Rängen zu spielen sei nicht gerade stimulierend gewesen. „Andererseits ist es ja sonst auch nicht so, als ob uns 500 Leute mit Pauken und Trompeten anfeuern“.

Die neuerliche Verschärfung der Corona-Regeln Ende vergangener Woche und die 2G-Vorgabe selbst bei Außenveranstaltungen überraschte Berens: „Draußen kann doch kaum etwas passieren. Das bestätigen ja auch schon länger die Aerosol-Experten.“ Der 45-jährige Familienvater kritisiert bei aller Sorge um die (weitere) Ausbreitung des Coronavirus, dass „hier Hürden aufgebaut werden, die teilweise übers Ziel hinausschießen, dem Amateursport schaden und im Extremfall zu einer Spaltung unserer Gesellschaft führen könnten“.

Erst vor knapp fünf Jahren wurden die Sportfreunde Lok Wengerohr-Belingen gegründet. Ein Mann der ersten Stunde ist Jan Kohlei. Zunächst Trainer der Senioren, die aktuell in der Mosel-Kreisliga B II spielen, konzentriert sich der Sportliche Leiter momentan auf die Förderung des Nachwuchses. Zwischen den Bambini und den D-Junioren schickt der Club aus dem Wittlicher Stadtteil aktuell fünf Teams ins Rennen, ein sechstes ist in Planung. Gleich vier Mannschaften trainiert Kohlei.

Als Ungeimpfter kann jemand wie Kohlei grundsätzlich auch weiter seine Schützlinge betreuen, wie der Landessportbund (LSB) Rheinland-Pfalz nach Rücksprache mit dem Land Rheinland-Pfalz klarstellt. Auf TV-Anfrage sagt LSB-Geschäftsführer Christof Palm: „Nicht nur haupt-, sondern auch ehren- oder nebenamtliche Übungsleiter – sofern ungeimpft – können im Rahmen der 3G-Regel weiter ihrer Tätigkeit nachgehen, wenn sie sich nicht selbst sportlich betätigen. Aber natürlich benötigen sie dafür einen tagesaktuellen Test.“ Diese Regelung gelte im Übrigen auch für Kampf- und Schiedsrichter. Palm betont, dass sich die Tätigkeit des Trainers indes auf Hilfestellungen bei Übungen und das Erteilen von Anweisungen beschränken müsse: „Das ist grundsätzlich noch unter 3G vertretbar. Übungen vorzumachen, fällt dagegen zweifellos unter eine eigene sportliche Betätigung. Hier greift also 2G+.“ Der LSB plädiere dafür, „bei einer hohen Infektionslage die Regelungen der Corona-Bekämpfungsverordung im Zweifel eher eng auszulegen“.

Kohlei bezeichnet sich selbst keinesfalls als generellen Impfgegner, habe aber vor einiger Zeit nach einer Spritze gegen Tetanus wegen einer allergischen Reaktion ins Krankenhaus gemusst. Unsicherheit spiele bei ihm eine große Rolle: „Mir fehlt leider aktuell immer noch das Vertrauen in den Corona-Impfstoff.“ Zudem kann er Zweifel bei Menschen verstehen: „Aussagen aus der Politik sind ja nicht immer unbedingt nachvollziehbar und haben oft nur eine kurze Halbwertzeit.“

Dass er grundsätzlich seine Kids bei den Sportfreunden Lok wenn auch mit Einschränkungen noch coachen darf, ist für den 36-Jährigen eher ein schwacher Trost: „Es gibt jetzt so viele Hürden, wie etwa Einlasskontrollen und die Überprüfung der Eltern, wenn sie ihren Kindern zuschauen. Gerade auf unserem Sportplatz in Ürzig, der nicht umzäunt ist, wird das fast unmöglich.“

Der Jugendtrainer setzt darauf, dass „der Fußball als unser großes Hobby auch weiterhin von allen uneingeschränkt ausgeübt werden muss, unabhängig vom Impfstatus“. Er hofft auf Lockerungen im Frühjahr – „im Sinne der Kids, die mit dem Sport doch auch etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Das ist doch gerade in der aktuellen Zeit wichtiger denn je“.