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Landesstützpunkt in Trier: Ruderer schuften bald mit Moselblick

RV Treviris Trier : Ruderer schuften bald mit Weitblick

Mithilfe der Wissenschaft sind die Kosten für den Neubau des Bootshauskomplexes des RV Treviris Trier so weit gedrückt worden, dass nun auch eine öffentliche Förderung möglich ist. Bei der Planung geht’s in den Endspurt.

Wer es positiv formulieren möchte, spricht von einem morbiden Charme, den der Bootshauskomplex des RV Treviris Trier in der Luxemburger Straße versprüht. Die Wahrheit ist aber auch: An den Stahlträgern im Lagerraum für die Boote hängt der Rost, einige Wände sind mit Rissen durchsetzt, mancherorts liegen Leitungen frei. Und die Fundamente geben nach.

Beim RV Treviris ist ein Ruder-Landesstützpunkt angesiedelt. Bundes- und Landeskaderathleten schuften im Kraftraum und auf der Mosel. Die Erfolge mit mehreren nationalen und internationalen Medaillen in den vergangenen Jahren können sich sehen lassen. 

„Wir haben einen Top-Bootspark, Top-Trainer, sehr gute Trainingsbedingungen vor der Tür und Erfahrung in der Organisation von Regatten. Was uns fehlt, ist eine gute Infrastruktur“, beschreibt der Treviris-Vorsitzende Matthias Woitok den Status Quo. Um auch künftig als Landesstützpunkt anerkannt zu werden, braucht es bauliche Veränderungen. Geplant ist der komplette Neubau des Bootshauskomplexes. Stehen bleiben soll lediglich der jetzige Kraftraum, der künftig aber nur noch als Werkstatt und Lagerraum genutzt werden soll. Der Trainingsraum wandert im Neubau in den ersten Stock und erhält eine Galerie. Durch große Fenster eröffnet sich den Sportlern ein Weitblick auf die Mosel.

„Für uns ist das der Wendepunkt“, ordnet Matthias Woitok das Projekt in die oberste Schublade ein. Die Planungen laufen bereits seit einiger Zeit. 2012 wurden in einem ersten Entwurf knapp sechs Millionen Euro für das Projekt angesetzt. Im Zuge der weiteren Planung reduzierte sich diese Summe 2016 auf rund drei Millionen Euro. Aber auch mit diesem Volumen war absehbar, dass eine öffentliche Förderung vom Land Rheinland-Pfalz und von der Stadt Trier wohl kaum zu bekommen wäre.

Foto: TV/Mirko Blahak

Also musste weiter der Rotstift angesetzt werden – mit Hilfe der Wissenschaft. In Kooperation mit der Hochschule Biberach wurde die Planung für den Bootshauskomplex einem sogenannten „Building Information Management“ unterzogen. Frei übersetzt heißt das: Jedes Bauteil wurde begutachtet und kam auf den Prüfstand. Einsparpotenziale wurden simuliert. „Im Zuge dessen wurden der geplante Clubraum und Besprechungsräume zusammengeführt sowie Standards in den Räumen für die Unterbringung der Sportler heruntergeschraubt“, nennt Thomas Thielen, Boothauswart beim RV Treviris, zwei Beispiele. Insgesamt führte die computergestützte Komplettüberarbeitung zu einer Halbierung der Bausumme auf nun rund 1,5 Millionen Euro für den Sporttrakt, der aber weiterhin wie ursprünglich geplant 225 statt bislang 150 Bootslagerplätze und Unterkünfte für bis zu 15 Sportler bereithalten wird.

Die Folge: Die Stadt Trier stellt einen Zuschuss in Höhe von 150 000 Euro in Aussicht. Das Land signalisiert, das Projekt mit 600 000 Euro zu unterstützen. Die Treviris-Macher wollen demnächst einen entsprechenden Antrag stellen. Der Verein hofft, dass in der zweiten Jahreshälfte alle finanziellen Zusagen vorliegen und mit dem Bau im kommenden Jahr begonnen werden kann.

Die andere Hälfte der Kosten trägt der RV Treviris. Indem er im hinteren Bereich des Komplexes an der Luxemburger Straße vier Wohnungen mit jeweils rund 100 Quadratmetern bauen lässt, die er dann vermietet oder verkauft, soll das nötige Geld in die Kasse kommen. Das gesamte Projekt fügt sich in den Masterplan Trier-West zur Stadterneuerung ein.

Foto: RV Treviris/privat

Benedikt Schwarz, Trainer beim RV Treviris und gleichzeitig Landestrainer, ist davon überzeugt, dass die Qualität der Nachwuchsarbeit unter den künftigen Bedingungen weiter verbessert wird. Gleichzeitig sagt Woitok: „Der Neubau dient nicht nur dem Leistungssport, sondern ist ein Vereinsprojekt. Wir wollen für alle Bereiche optimale Bedingungen schaffen.“