Massenhafter Abschied von den Trierer Miezen

Frauenhandball : Massenhafter Abschied von den Trierer Miezen

Mit dem letzten Saisonspiel am Samstag gegen Harrislee verlässt fast die gesamte Mannschaft die MJC Trier.

Sie wollen sich bei den Fans ordentlich aus der 2. Liga verabschieden, aber für die meisten Spielerinnen, die am heutigen Samstag (Anwurf 18 Uhr) für die Miezen gegen Nord Harrislee auflaufen, wird es auch ein genereller Abschied aus Trier sein. „Das Gros der Mannschaft wird den Verein verlassen“, sagt MJC-Trainerin Elena Vereschako, die für sich noch keine Entscheidung über ihre Zukunft getroffen hat. Kommenden Mittwoch wird sie sich mit dem Vereinsvorstand treffen, um die Lage zu sondieren.

Laut Vereschako war der Abschied von drei Spielerinnen schon lange geplant, bevor die Miezen Insolvenz anmelden mussten. „Die beiden Torfrauen Melanie Eckelt und Aleksandra Baranowska sowie Spielmacherin Maja Zrnec hatten dies schon zu Saisonbeginn angekündigt“, sagt Vereschako. Eckelt laboriert seit Monaten an Rückenproblemen, und obwohl nun auch noch eine Wadenzerrung hinzukam, will sie am heutigen Samstag unbedingt auflaufen. „Mellie ist eine echte Kämpferin“, lobt die Trainerin ihre Nummer eins. Baranowska will sich auf ihren Beruf in einem Steuerbüro konzentrieren, A-Lizenz-Inhaberin Zrnec will nun eine Trainerkarriere einschlagen.

Daneben hat auch Rückraumspielerin Gabriella Szabo ihr Karriere-Ende angekündigt. Gleiches gilt nach Aussage von Vereschako für Kreisläuferin Andrea Czanik, die dienstälteste Mieze. Die Slowakin wird der MJC aber als Jugendtrainerin erhalten bleiben, ihre Tochter Nina, die in der C-Jugend der MJC spielt, gilt als Riesentalent.

Andere Spielerinnen werden ihr Glück woanders suchen: Nachdem Vesna Tolic bereits in der Vorwoche ihren Wechsel zum Zweitligisten Berlin angekündigt hat, werden sich wohl auch Kreisläuferin Angela Petrovska (Ziel noch unbekannt) und Dovile Ilciukaite aus Trier verabschieden. Die Litauerin hat nach TV-Informationen ein Angebot vom Drittligisten Allensbach vorliegen. Blieben noch Hannah Sattler und Linsey Houben, die sich offiziell noch nicht geäußert haben. Einen Vertrag über die Saison hinaus hatte ohnehin keine Spielerin, durch das Insolvenzverfahren hätten aber auch diese ablösefrei wechseln können.

Aus der zweiten Mannschaft wird nach derzeitigem Stand keine Spielerin aufrücken, einige wie Hannah Braun verlassen Trier aus Studiengründen, andere wollen sich die zusätzlichen Trainingseinheiten und weiteren Fahrten in der 3. Liga nicht antun. Stand heute liegt also noch keine Zusage für die kommende Saison vor. Vonseiten des Vereins werden die scheidenden Spielerinnen heute ebenso verabschiedet wie vom Fanclub.

Lob für die aktuelle Mannschaft gibt es indes von dem, der das wirtschaftliche Schicksal der Miezen in Händen hält: Insolvenzverwalter Professor Thomas B. Schmidt: „Das Team hat in den letzten Spielen gezeigt, dass sich trotz der Insolvenz alle hochmotiviert dem Handballsport verpflichtet fühlen. Die Spielerinnen haben eine unglaubliche Solidarität gegenüber dem Verein gezeigt, was gleichzeitig auch ein großer Ansporn ist, den höherklassigen Frauenhandball in Trier langfristig und sicher wieder auf die Beine zu stellen.“

In einer Mitteilung der Kanzlei Schmidt heißt es weiter: „Einem Neustart in der 3. Liga steht aus Sicht der Insolvenzverwaltung nichts entgegen. Alle Beteiligten arbeiten daran, die Voraussetzungen hierfür zu schaffen. Derzeit wird durch den Insolvenzverwalter und sein Team ein Insolvenzplan vorbereitet, der den Fortbestand des Vereins und eine Lösung für die Gläubiger beinhaltet.“

Im Hintergrund haben sich einige aktuelle und ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder zusammengefunden, um ebendiesen Fortbestand anzugehen. Auch gab es wohl schon Gespräche des Zweitliga-Zwangsabsteigers mit potenziellen Neuzugängen.

Der heutige Gegner aus der Nähe von Flensburg gehört zu den positiven Überraschungen der Saison, denn als Aufsteiger steht man vor dem letzten Spieltag auf Rang acht. Merle Carstensen (26) und Janne-Lotta Woch (22) haben zusammen über 320 Treffer erzielt. „Bei Harrislee geht alles über den Rückraum. Zudem gibt diese Mannschaft nie auf. Ich denke, wir sind heute der Außenseiter“, sagt Vereschako.

DJK/MJC Trier (Kader): Eckelt, Baranowska - Sattler, Zrnec, Tolic, Szabo, Petrovska, Czanik, Simon-Varga, Ilciukaite, Houben

Mehr von Volksfreund