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Mit abgeklebter Wattanzeige ins Ziel des Cape Epic

Mountainbike : Mit abgeklebter Wattanzeige ins Ziel des Cape Epic

Der Trierer Radsportler Peter Schermann hat mit zwei Jahren Verspätung zusammen mit dem herztransplantierten Elmar Sprink die Tour de France der Mountainbiker, die Etappenfahrt Cape Epic in Südafrika bewältigt.

(teu) Es war in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Rennen für Peter Schermann. Bereits im Frühjahr 2020 wollte der Radsportler aus Trier zusammen mit Elmar Sprink an der Mountainbike-Etappenfahrt Cape Epic in Südafrika teilnehmen. Das Acht-Tages-Rennen über insgesamt rund 700 Kilometer mit mehr als 15 000 Höhenmetern gilt als die Tour de France für Mountainbiker. Gefahren wird in Zweier-Teams. Die Startplätze für Amateure werden verlost. 2020 mussten Schermann und Sprink aber unverrichteter Dinge wieder nach Hause fliegen. Wegen der Corona-Pandemie wurde das Kultrennen erstmals in knapp zwei Jahrzehnten abgesagt. Mit zwei Jahren Verspätung haben sich Schermann und Sprink den Traum nun erfüllt.

Das Team belegte als 214. und knapp 400 Mannschaften, die das Ziel erreichten, einen Mittelfeldplatz. In einer Hinsicht war Schermann und Sprink aber ein Siegerteam. Denn der 50-jährige Salzkottener lebt seit zehn Jahren mit einem Spenderherz. Schermann erlitt vor fünf Jahren einen Schlaganfall. Es war das wohl ungewöhnlichste Duo am Start des Rennens in Südafrika.

Schermanns Rolle war dabei die des Helfers. „Physisch war es für mich an sich kein Rennen“, sagt der 34-Jährige, der sich nach seiner Erkrankung wieder ins Leben und den Sport zurück gekämpft hat und Deutschland bereits dreimal in der Profi-Kategorie bei Mountainbike-Marathon-Weltmeisterschaften vertreten hat. Schermann war derjenige, der Verpflegung sowie Ersatzteile mitführte und derjenige, der die Wasserflaschen an den Verpflegungsstationen auffüllte. Und der darauf achtete, dass sie nicht aus dem Zeitlimit fielen. Bei der Geschwindigkeit, mit denen das Duo unterwegs war, durften sie sich keinen schwerwiegenden Sturz oder Defekt leisten.

Das Material hielt. „Ich glaube, es gibt nur wenige Leute, die ohne Defekt durch den Cape Epic kommen“, sagt Schermann ein wenig stolz. Die Zeitlimits auf den einzelnen Etappen waren am Ende auch kein Problem. Als Schermann und Sprink nach den ersten beiden Etappen ihren Rhythmus gefunden haben, lief es gut.

Auch, weil Schermann seinen auch im Triathlon aktiven Partner überlistete. „Ich habe Elmar die Wattanzeige abgeklebt“, erzählt der gebürtige Wittlicher. Denn Sprink habe zu sehr darauf geachtet, wie viel Kraft er aufwende. In einem Rennen sei es aber oft ökonomischer, an einer Gruppe dran zu blieben, auch wenn man dafür ab und zu kurzzeitig den optimalen Wattbereich verlasse. Der Erfolg: Zwar waren Schermann und Sprink mit mehr als 46 Stunden Nettofahrzeit eineinhalb Tage länger unterwegs als das deutsche Siegerteam Georg Egger und Lukas Baum (27:44:07 Stunden), aber mehr als 13 Stunden schneller, als die langsamste Mannschaft.