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Mitglieder im Sportbund Rheinland: Bei Kindern sieht’s dramatisch aus

Mitgliederentwicklung im Sportbund Rheinland : Bei den Kindern sieht’s dramatisch aus

Die Folgen der Corona-Pandemie machen sich in der Mitgliederstatistik der Vereine im Sportbund Rheinland negativ bemerkbar – vor allem in zwei Alterssegmenten. Welche Auswirkungen das hat, und wie der Sportbund gegensteuern möchte.

Auf den ersten Blick klingt die Zahl gar nicht so aufsehenerregend. Die mehr als 3000 Vereine im Sportbund Rheinland (SBR) haben im Jahr 2020 im Schnitt 3,5 Prozent ihrer Mitglieder verloren – in absoluten Zahlen sind das 22 000. Und dennoch spricht die SBR-Präsidentin Monika Sauer von einer „dramatischen Entwicklung“. Und auch der SBR-Geschäftsführer Martin Weinitschke erachtet den Einschnitt als „drastisch“.

Warum? Weil einerseits manche vor allem durch die Corona-Auflagen gebeutelte Sportarten bis zu 30 Prozent (Fechten), 20 Prozent (Boxen) oder bis zu acht Prozent (Schwimmvereine) Mitglieder verloren haben. Und weil es sportartenübergreifend vor allem in zwei Altersgruppen keine guten Entwicklungen gibt.  Die Zahl der bis sechs Jahre alten Mitglieder ist um 17,31 Prozent gesunken, die der Sieben- bis 14-Jährigen um 8,31 Prozent. Und das muss noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Sauer geht davon aus, dass die Zahlen für 2021 noch unerfreulicher aussehen werden. Hinzu kommt die Furcht, dass die ganz junge Generation nach der Pandemie nicht zwingend den Weg in den Sportverein (zurück-)findet. „Wenn wir das nicht ausgleichen können, wird sich das Problem in den Statistiken der Folgejahre gewissermaßen fortpflanzen“, sagt Weinitschke.

Was tun? Der SBR will mit einer breiten Palette an Angeboten zielgenaue Unterstützung bei der (Wieder-)Gewinnung von Mitgliedern leisten. Voraussetzung dafür ist aber, dass jeder Verein erstmal weiß, wo er steht – mit seinen Angeboten, mit seiner Mitgliederstruktur. Verlässliche Aussagen dazu soll das sogenannte „Vereinsdash­board RLP“ liefern, das der SBR mit der Hochschule Koblenz (Lutz Thieme, Sören Wallrodt) entwickelt hat und das inzwischen dank der Zusammenarbeit mit den weiteren regionalen Sportbünden landesweit installiert worden ist. Basierend auf Vereinsbefragungen liefert das Dashboard aktuell für 1337 Vereine im Land Hinweise zur Mitgliederentwicklung im eigenen Club sowie im Vergleich zu ähnlich strukturierten anderen Vereinen. Abrufbar ist es über die Internetseite vereinsdashboard.de. „Das ist eine einmalige Datengrundlage, die Aufschlüsse darüber gibt, wie sich die Sportvereine weiterentwickeln“, ist Thieme überzeugt.

Diese Informationen wiederum sollen die Grundlage für Selbsthilfe und externe Beratung liefern. Laut Ines Cukjati, Referentin der SBR-Management-Akademie, wird es im ersten Schritt Online-Kurzberatungen, moderierte Vorstandsklausuren, online abrufbare Tutorials und (ab 2022) sportartspezifische oder regionale Netzwerktreffen geben.

In der Frage, wie Kinder in die Vereine gebracht werden können, plädiert Sauer unterdessen mittelfristig für eine Forcierung der Kooperationen zwischen Ganztagsschulen und Sportvereinen.

Kurzfristig stehen derweil andere Themen oben auf der Agenda. Da ist zum einen der Wunsch des SBR, dass Sportstätten bei entsprechend niedriger Infektionslage in den Sommerferien geöffnet werden.

Und zum anderen laufen nach Auskunft von Susanne Weber, der SBR-Sportjugend-Abteilungsleiterin, intensive Gespräche, damit Sportvereine im Sommer die beliebten Ferien-vor-Ort-Angebote unter einem vertretbaren Aufwand auf die Beine stellen können.