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Mitgliederversammlung Eintracht Trier: Rolle rückwärts bei 2G-Regel?

Mitgliederversammlung Eintracht Trier : Rolle rückwärts bei der 2G-Regel?

Im FourSide Plaza Hotel kommen wichtige Zukunftsfragen zur Sprache - etwa auch die Themen Nachwuchsleistungszentrum und zweiter Kunstrasenplatz.

Eintracht Trier ist im Wandel. Wie sehr, machten zwei Wortmeldungen am Ende der Mitgliederversammlung im FourSide Plaza Hotel in Trier deutlich. Da war zum einen Kassenprüfer Willi Fettes, der den Job vor rund 20 Jahren übernommen hat: „Damals war Eintracht Trier insolvent. Mit Rechtsanwalt Heinrich W. Moritz und weiteren gescheiten Leuten wurde der Verein da rausgeholt. Doch die Zahlen des Vereins haben mich bis heute nicht in Ruhe gelassen. Sie waren immer problematisch. Heute darf ich erleben, dass wir dank des aktuellen Vorstands eine exzellente Bilanz vorzuweisen haben. Jetzt haben wir Girokonten im Plus.“

Und Christoph Selbach-Schneider, wie Fettes SVE-Mitglied und ein kritischer Geist, bemerkte: „Ich bin froh, dass ich von Alfons Jochem heute nicht den Satz ,Wir hatten kein Geld, haben kein Geld und werden nie Geld haben‘ gehört habe.“

Die finanzielle Konsolidierung, von Eintracht-Vorstandssprecher Jochem und seinen Kollegen im Führungsgremium nach dem Rücktritt von Helmut Meeth vor gut zwei Jahren forciert, schreitet voran. Für die vergangenen drei Geschäftsjahre 2018/2019 (knapp 34 000 Euro), 2019/2020 (knapp 37 000 Euro) und 2020/21 (rund 151 500 Euro) weisen die vorläufigen Bilanzen Gewinne vor Steuern aus – und das trotz der Corona-Pandemie. Die Gründe gerade für das jüngste hohe Plus: gesunkene Personal- und Reisekosten aufgrund des abgebrochenen Spielbetriebs, staatliche Corona-Hilfen (unter anderem durch das Kurzarbeitergeld) sowie das Ausbleiben von Rückforderungen von Sponsoren (die 80 Prozent des Vereinsbudgets ausmachen) und Dauerkarteninhabern. „Das ist sensationell“, sagte Jochem mit Blick auf die Solidarität von Fans und Unternehmen.

Gleichwohl: Der Schuldenstand des Vereins bewegt sich aktuell noch im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich. Die konkrete Zahl hängt laut Jochem noch von letzten Abstimmungsgesprächen mit Gläubigern ab. Wie berichtet, fließt in die Senkung der Verbindlichkeiten unter anderem die der Eintracht im Zuge des Wechsels von Ex-Spieler Robin Koch zu Leeds United zustehende Ausbildungsentschädigung in Höhe von rund 300 000 Euro ein (siehe auch Eintracht-Ecke unten auf dieser Seite).

Jochem betonte unterdessen, dass die Schulden die Liquidität des Vereins nicht negativ beeinflussen.

Kontinuität an der Vereinsspitze, im Spielerkader, in der Jugendarbeit und in der Finanzplanung – das sind für Jochem die Faktoren, um die Eintracht wieder ins bessere Licht zu rücken. Sportlich und vom Image her. In diesem Bestreben sieht er den Club auf einem guten Weg. Jochem: „Eine bessere Ausgangslage als jetzt hatten wir selten. Wir sagen: Morgen kann kommen.“

Stichwort Vereinsspitze: Der Vorstand mit Jochem, Simone Schuler, Horst Brand und Roman Gottschalk wurde einstimmig wiedergewählt – inklusive des Neuzugangs, Unternehmer und Ex-SVE-Spieler Ingo Berens, durch den die Vereinsspitze nun fünfköpfig ist. Jochem: „Wir haben inzwischen eine gute sportliche Kompetenz im Vorstand. Dass sportliche Leiter über Laufzeiten und Kaderzusammensetzungen entscheiden, wird es mit diesem Vorstand nicht geben. Zudem sind wir dabei, einen Scouting-Bereich aufzubauen. Viele Ex-Eintracht-Spieler haben sich bereit erklärt, dabei zu helfen.“

Fast einstimmig wurde auch der Beirat, der vor allem eine beratende Funktion hat, wiedergewählt. Neben den bisherigen Mitgliedern Frank König, Frank Natus, Georg Schmidt, Christoph Schnorpfeil, Theo Thonet und Ernst Wilhelmi erweitert der Unternehmer Stefan Lambert das Gremium.

Als „besten Neuzugang seit 25 Jahren“ bezeichnete Jochem zudem die Einstellung von Björn Berens im Juni 2019, der als Geschäftsstellenleiter fungiert.

Stichwort Kader: 14 Spieler aus der Region stehen im (erweiterten) Aufgebot der ersten Mannschaft, rechnete Jochem vor: „Das schafft Identität und ist eine gute Entwicklung.“

Stichwort Jugendarbeit: Fernziel ist laut Jochem, ein Nachwuchsleistungszentrum aufzubauen: „Wir wissen, wie weit entfernt wir davon sind. Aber wer nicht anfängt, kommt nie am Ziel an.“ Wichtig sei in einem ersten Schritt, alles dafür zu tun, dass aus dem Hartplatz hinter der Gegengerade des Moselstadions ein zweiter Kunstrasenplatz auf dem Gelände werde.

Daneben gibt’s weitere Baustellen. Eine, die vor allem den Fans am Herzen liegt: Die Eintracht hat weiterhin kein Vereinsheim als Anlaufstelle für die Anhänger. Jochem: „Wir haben Gespräche aufgenommen, aber wir müssen dicke Bretter bohren.“ Eva Schneider, die zusammen mit Patrick Mohr und Christophe Acloque im Fanbeirat einstimmig wiedergewählt wurde, hofft, dass die unendliche Geschichte bald zu einem positiven Ergebnis führt: „Das Thema wurde bereits im April 2019 ausreichend diskutiert. Wir wollen weiterhin den Druck aufrechterhalten. Jeder noch so kleine Dorfverein hat eine Anlaufstelle, nur wir nicht.“

Schneider würdigte indes wie auch Raphael Acloque (Vorsitzender des Supporters Club Trier 2001) den Informationsaustausch mit dem Verein, die zuletzt gezeigte hohe Spendenbereitschaft unter den Anhängern und die aktuelle Harmonie zwischen den verschiedenen Gruppen der Fanszene.

Dass derzeit alle gewillt sind, an einem Strang zu ziehen, wurde auch zum Ausklang der Versammlung deutlich: Lautstark wurde im Saal die Vereinshymne „Für uns geddet nur Eintracht Trier“ angestimmt.