Mixed Martial Arts: Ein Sport kämpft um Akzeptanz

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Mixed Martial Arts. Das klingt einerseits irgendwie nach Mixed Pickles. Und andererseits nach Kunst.  Aber was ist Mixed Martials Arts – Abkürzung MMA – wirklich? Nachfrage bei einem, der es wissen muss.

Wladimir Schwarz, MMA-Trainer aus Wittlich, sagt: „Das ist die Königsklasse des Kampfsports. Eine sehr komplexe Geschichte.“

Mixed Martial Arts heißt frei übersetzt ,gemischte Kampfkünste‘. Bei diesem Vollkontakt-Kampfsport kommen Schlag-, Tritt-, Bodenkampf- und Ringtechniken aus einer ganzen Reihe von Sportarten zum Zug: Boxen, Kickboxen, Taekwondo, Muay Thai, Karate, Grappling, Brazilian Jiu-Jitsu, Ringen, Judo, Sambo. Eine komplexe Geschichte eben.

„MMA-Kämpfer müssen all das beherrschen. Bis dahin ist es ein langer Weg“, sagt Schwarz, der übers Judo (er war Mitglied der usbekischen Judo-Nationalmannschaft und Bundesliga-Judoka in Wiesbaden und bei Rot-Weiß Koblenz) zum MMA kam.

Vor acht Jahren gründete der aus der früheren Sowjetunion stammende Schwarz im Verein Integra e.V. (Kultur- und Sportverein der Russischsprechenden in Wittlich) eine Kampfsportabteilung. Die Grundidee damals: Jungs ins Training zu bringen, die sich ansonsten auf der Straße raufen würden. Sozialarbeit mittels Kampfsport, um die Persönlichkeit zu stärken. Schwarz: „Primäres Ziel war, jungen Leuten eine Möglichkeit zu geben, stabil fürs Leben zu werden.“

Aktuell zählt „Integra Fight“ an den Standorten in Wittlich und Trier knapp 100 Mitglieder – darunter sind knapp 30 Sportler, die an Wettkämpfen teilnehmen. Die Altersspanne reicht von sieben Jahren bis zu über 40-Jährigen.  In den Trainingsgruppen finden sich mittlerweile die unterschiedlichsten Charaktere und Personengruppen: Schüler, Studenten, Jungs, die als Türsteher oder für Sicherheitsdienste arbeiten, angehende Juristen, Ingenieure.

MMA-Kämpfe kommen martialisch rüber. Sie strahlen Brutalität aus. Ausgetragen wird MMA vielfach in einem Käfig. Die Kämpfe scheinen keinen Regeln zu unterliegen. Das ist falsch. Im Regelwerk des deutschen Verbands werden 28 unerlaubte Fouls aufgeführt. Demnach sind beispielsweise Kopfstöße, Angriffe auf den Genitalbereich, Schläge zur Kehle oder kratzen, kneifen und Haut verdrehen verboten.

Und doch stößt MMA nicht wenigen Beobachtern bitter auf, weil trotz aller Regeln ein am Boden liegender Kämpfer weiter geschlagen und zum Teil getreten werden darf – ein Hauptunterscheidungsmerkmal zu anderen Vollkontaktsportarten. Schwarz kann die Kritik nicht nachvollziehen: „MMA ist ein Sport wie Ringen, Boxen oder Judo.“ Aus seiner Sicht ist MMA längst salonfähig geworden. Ein Beleg dafür: Zur zwölften „Integra Fighting Championship“ (IFC) am 13. April im Wittlicher Eventum hat sich laut Schwarz die Präsidentin des Sportbunds Rheinland, Monika Sauer, als Gast angekündigt.

Um die Akzeptanz von MMA zu erhöhen, baut Schwarz in der IFC-Veranstaltungsreihe auf ein verschärftes Regelwerk. So sind bei den Profikämpfen der Ellbogen-Einsatz und bei Amateurkämpfen darüber hinaus Kniestöße zum Kopf nicht erlaubt.

MMA-Kämpfer tragen neben Bandagen und Handschuhen lediglich Mund- und Tiefschutz. Laut Studien in den USA, wo MMA Anfang der 1990er Jahre populär wurde, liegt die Verletzungshäufigkeit beim MMA in etwa auf dem Niveau anderer Kampfsportarten. Ärztliche Untersuchungen vor und nach den Kämpfen sowie vorzulegende Atteste gehören laut Schwarz heutzutage zum Standard.

Ein Sieg kann durch Aufgabe, ­K.o., Abbruch des Schiedsrichters oder Punkte errungen werden.

„Man muss kein Schrank sein, sollte aber austrainiert sein“, sagt der 49-jährige Schwarz, der in Wittlich die Tankstelle am Bungert-Einkaufszentrum leitet. Neben körperlichen Voraussetzungen (Konditionsstärke, Beweglichkeit) und dem Beherrschen verschiedenster Techniken brauche es vor allem auch mentale Stärke. Schwarz:  „Der Kopf ist nicht zum Schlagen da, sondern zum Denken.“

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