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Morbach: Von einem Helden, der nie besonders sein wollte

Zum Tode von Horst Eckel : Von einem Helden, der nie besonders sein wollte

Ob als Lehrer, Hotelier, Trainer, Spieler der Alten Herren, oder als Skat- und Kegelbruder: Der kürzlich verstorbene 1954er Weltmeister Horst Eckel war in Morbach einst sehr engagiert. Sein Wirken hat im Hunsrück bleibende Erinnerungen hinterlassen.

  Am 7. November 1970 begann für den (Fußball-) Sport in der Hunsrückgemeinde eine neue Zeitrechnung: Der Hartplatz war fertiggestellt, in direkter Nachbarschaft hatte ein Trierer Architekt ein schmuckes Sporthotel errichtet. Jemand mit bekanntem Namen sollte es führen, um den Werbeeffekt zu erhöhen. Horst Eckel, 1954er Weltmeister und Legende des 1. FC Kaiserslautern, sowie seine Ehefrau Hannelore wurden als Pächter gewonnen. Zur Einweihung des Platzes lotste Eckel zahlreiche frühere Weggefährten nach Morbach.

An das „Fußball-Werbespiel“, wie es damals offiziell hieß, kann sich der damalige Geschäftsführer des SV Morbach, Karl-Heinz Weyand, noch bestens erinnern: „Von der Mannschaft, die im Finale von Bern Ungarn sensationell mit 3:2 geschlagen hatte, waren neben Horst Eckel noch Werner Liebrich, Karl Mai, Helmut Rahn und Ottmar Walter aktiv.“ Sie trafen auf eine Kombination der Traditionsmannschaften von Eintracht Trier und des 1. FC Saarbrücken – und gewannen mit 7:1. Auch der 54er Kapitän Fritz Walter erwies den Morbachern und speziell dem frisch gebackenen Gastronomen Eckel die Ehre. „Unser damaliger Vorsitzender Jupp Urig beglückwünschte den Fritz noch zu seinem zum 50. Geburtstag, den er am 31. Oktober begangen hatte“, erzählt Weyand.

Ein Glückstag war das Eröffnungsmatch auf der roten Erde für den SV Morbach. „Wir hatten bis dahin nur rund 200 Mark in der Vereinskasse. Durch die gut 7000 Zuschauer, die damals kamen, und jeweils vier Mark bezahlten, hatten wir nachher einen Reingewinn von etwa 20 000 Mark“, berichtet Weyand. Der heute 73-jährige Ehrenvorsitzende war von 1970 bis 2000 auf verschiedenen Ebenen („Sei es im Vorstand, als Schiedsrichter oder Jugendbetreuer.“) für den Sportverein tätig, und kümmert sich aktuell noch unter anderem um die Platzpflege im Alfons-Jakobs-Stadion.

Eckel wurde mit seiner Familie in Morbach für rund vier Jahre sesshaft. Er arbeitete nach seinem Studium in Trier als Lehrer für Sport und Werken vor allem an der Real- aber auch an der örtlichen Hauptschule. Gattin Hannelore führte das Hotel, und die beiden Töchter Dagmar und Susanne wuchsen hier auf. Nebenher trainierte der „Held von Bern“ noch den in der zweiten Kreisklasse angesiedelten SV Morbach und zeigte seine immer noch vorhandenen Ballkünste bei den Alten Herren. Sehr oft, wenn die Oldies irgendwo ein Spiel hatten, wurde Eckel immer noch mal gesondert von den Vereinen geehrt. Manchmal habe Eckel aber kurzfristig weggemusst, wie Weyand berichtet: „Wenn es um Einsätze in Prominenten-Mannschaften ging, zog er diese schon mal vor.“

Zwar habe Eckel keinen Aufstieg mit dem SVM geschafft, „trotzdem ging durch solch eine Persönlichkeit wie ihn ein Ruck durch den Verein“, so Weyand, der stolz darauf ist, dass sein Club bislang gleich drei (sehr) namhafte Übungsleiter unter Vertrag hatte: Eckels Vorgänger war der gebürtige Idar-Obersteiner Bernd Cullmann, 1960 mit der deutschen Staffel Olympiasieger im 4-mal-100-Meter-Lauf, und zwischen 2007 und ’09 coachte der heutige Co-Trainer des amtierenden Champions-League-Siegers FC Chelsea, Arno Michels, die Morbacher.

Als Kapitän der Schulmannschaft spielte Roland Fuhr (63) unter Eckel. Er hat einen „tollen Menschen, der immer ganz ruhig und besonnen war und alles super erklären konnte“, in Erinnerung. „Er hat großen Wert auf Anstand und Disziplin gelegt“, sagt Fuhr, der über viele Jahre hinweg für die DJK Morscheid stürmte und derzeit Trainer des Mosel-B-Ligisten SG Mülheim-Brauneberg/Bernkastel-Kues ist.

Der spätere Morbacher Ortsvorsteher Hans Jung hatte gleich mehrere Berührungspunkte mit Eckel – als Lehrerkollege, als Kegelbruder und als Mannschaftskamerad bei den Alten Herren. „Wir waren befreundet. Horst hat nie heraushängen lassen, dass er früher mal solch große Erfolge hatte. Er war immer bescheiden und einer von uns.“ Viele schöne gemeinsame Stunden habe man im Hotel Eckels zusammen verbracht. „Horst war nicht nur ein leidenschaftlicher Kegler, sondern spielte auch unheimlich gerne Skat.“ Die Schwiegereltern des Pfälzers hätten sich tatkräftig miteingebracht, um das Hotel zu unterhalten. „Als es in der Familie einen Todesfall gab, zogen die Eckels wieder zurück in ihre Heimat nach Vogelbach bei Kaiserslautern, und Horst trat eine Lehrerstelle in Kusel an“, weiß der heute 83-jährige Jung.

Kontakt zum 54er Weltmeister habe es aber noch weiter gegeben – auch bei Veranstaltungen in der Region, wie etwa zuletzt bei der Horst-Eckel-Gala vor zweieinhalb Jahren in der Morbacher Baldenauhalle.

Ob bei Karl-Heinz Weyand, Roland Fuhr oder Hans Jung: Über Eckels Tod hinaus sind sie stolz, einen Macher des bislang spektakulärsten WM-Titels der deutschen Fußballgeschichte hautnah erlebt zu haben – und das, obwohl Eckel nie etwas Besonderes sein wollte, sondern sich auch in seiner Morbacher Zeit in Bescheidenheit und Demut übte.