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Mountainbike: Luis Kiefer (Schoden) - seine Welt sind waghalsige Trails

Mountainbike : Luis Kiefer aus Schoden: Seine Welt sind waghalsige Trails

Der 17-Jährige gehört international zu den talentiertesten Mountainbikern in der Disziplin Downhill. Dies unterstrich er beim ersten Weltcup der Saison 2021 im österreichischen Leogang. Doch seine sportliche Zukunft ist ungewiss.

Der Wind pfeift über das Dach des Starterhäuschens an der Stöckerlalm, die letzten Nebelschwaden verziehen sich langsam, und die Milchküche auf dem saftigen Grün auf 1305 Metern Höhe genießen den malerischen Ausblick auf die Leoganger Steinberge.

Für diese idyllische Kulisse hat Luis Kiefer an diesem Vormittag keinen Nerv. Er hat gerade die Bergbahn verlassen, sucht sich eine Ecke, nimmt einen Becher Wasser und trinkt einige Schlucke. Kiefer ist angespannt, höchst konzentriert. Er schließt die Augen, fährt im Geiste nochmals die mehr als 2300 Meter lange Strecke ab, ehe der Aufruf erfolgt. „Number 12, please“, ruft der Kommissar des Weltradsportverbands (UCI).

Der 17-Jährige aus Schoden (Kreis Trier-Saarburg) geht im schwarz-rot-goldenen Nationaltrikot die Rampe hinauf zum Start. „Five, four, three, two, one, up“, signalisiert der Starter neben der Lichtschranke. Kiefer stürzt sich hoch konzentriert die Abfahrt hinunter, nimmt gleich die erste Rechtskurve mit Bravour. Es gibt keine Verschnaufpausen. Waghalsige Trails mit zahlreichen Kurven, aber auch knackige Passagen, die nicht nur enorme Steuerkünste, sondern auch schnelle Beine erfordern, meistert er erfolgreich.

Die Weltcup-Strecke kennt er schon aus dem vergangenen Jahr, als er bei seiner Premiere bei den Weltmeisterschaften an gleicher Stätte mit dem 13. Platz im erlesenen Weltklasse-Feld und als bester Deutscher überrascht hatte. Es war zugleich seine beste internationale Platzierung. Beim Weltcup im slowenischen Maribor erreichte er im Vorjahr die Plätze 17 und 21.

Kiefer will nach der langen coronabedingten Wettkampfpause jetzt einfach mehr. Der Weltcup im Salzburger Land war sein Saisoneinstieg. Und da überraschte er schon in der Qualifikation. Als 16. und zugleich als einziger deutscher Mountainbiker schaffte er den Sprung ins Finale der besten 25. „Das war ganz ordentlich, aber es ist noch Luft nach oben“, meinte Kiefer.

Seinen Worten ließ er nur 24 Stunden später Taten folgen. In 3:57,73 Minuten und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 43,902 Kilometern pro Stunde erreichte am Fuße der Riederfeldbahn das Ziel. Er strahlte, er wirkte zufrieden. Seine Taktik ging auf. „Das war ganz okay, im Wald hätte ich vielleicht noch etwas zulegen können“, meinte er nach dem Zieleinlauf.

Die Zeiten aber sprachen Bände. Gegenüber der Qualifikation steigerte er sich um fast acht Sekunden. Das brachte ihm Platz 13 und die ersten vier Zähler für die Weltcup-Wertung. Das war ein klares Ausrufezeichen des jungen Mannes.

Seine Leistung ist umso höher zu bewerten, da er ohne Unterstützung durch ein Werksteam oder durch den Verband auskommen muss. Und da die Downhill-Disziplin nicht olympisch ist, erfolgt auch keine Förderung durch den Bund Deutscher Radfahrer (BDR). Für viele in der Szene ist das kaum vorstellbar, da Kiefer – genauso wie sein zwei Jahre jüngerer Bruder Henri – seit knapp vier Jahren zu den Besten im Land zählt. Ein Rohdiamant am deutschen Downhill-Himmel, der in diesem Jahr noch weiter reifen soll.

An der erneuten Teilnahme bei der Weltmeisterschaft (25. bis 29. August) im italienischen Val di Sole dürfte kein Weg an ihm vorbeiführen. Zudem möchte der Schüler der elften Klasse an der Jean-Francois-Boch-Fachoberschule in Merzig endlich auch das nationale Meistertrikot holen. Nach Platz drei im Jahr 2019 in der Altersklasse U 17 und dem Vize-Titel bei den Junioren im Vorjahr in Steinach/Thüringen will Luis Kiefer diesmal auf dem Podest ganz oben stehen.

„Ich hoffe immer noch, dass die DM in diesem Jahr stattfindet“, sagt Kiefer. Man spürt seine Leidenschaft. Er lässt sich auch ohne jegliche Unterstützung nicht unterkriegen. „Vielleicht klappt es doch noch mit einem Werksteam“, meint der Schodener, der zugleich seinem Bruder Henri ein größeres Talent bescheinigt.

„Um den Sprung nach vorne zu schaffen, kann man das Ganze nicht mehr aus dem Kofferraum organisieren“, sagte sein Vater Thomas Müller. Er und die Mutter der beiden Biker, Pia Kiefer, sind die größten Förderer ihrer Söhne. Es gibt kein Rennen, wo sie nicht vor Ort dabei sind und die Jungs nach besten Kräften zur Seite stehen. 

Der Downhill-Sport ist bei den Kiefers schon seit Jahren eine Familienangelegenheit. Die beiden Jungs sind auch ihre eigenen Trainer, Mechaniker und vieles mehr. Da Luis altersbedingt im kommenden Jahr zu den Männern aufrückt, ist die Sehnsucht nach einer Unterstützung in einem Werksteam groß: „Ich werde nicht den Kopf in den Sand stecken, ich werde weiter hart an mir arbeiten.“