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Wintersport: Mutige Eifeler auf rasanter Schussfahrt

Wintersport : Mutige Eifeler auf rasanter Schussfahrt

Ein Hornschlitten, eine vierköpfige Crew, eine steile Strecke: Wie das ,Team Bitburg’ zu einem waghalsigen Sport gekommen ist.

Ist es Heldentum? Waghalsigkeit? Unerschrockenheit? Mutig sind sie allemal. Seit ein paar Jahren nun schon schmeißen sich mehrere Eifeler Sportsfreunde auf einem 2,25 Meter langen und 82 Zentimeter breiten Hornschlitten jeden Winter in die Tiefe. Unter anderem beim traditionsreichen Rennen im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen, das stets am 6. Januar mehrere Tausend Zuschauer anlockt. 25 Prozent Gefälle im steilsten Teilstück, Höchstgeschwindigkeiten bis zu 70 Stundenkilometern auf der insgesamt 1,1 Kilometer langen Strecke – und das ohne Airbag.

Alles begann aus einer Bierlaune heraus. „Nach einer Fahrradtour saßen mein Kumpel Uwe Fuxen aus Bitburg und ich im Sommer 2015 in Garmisch-Partenkirchen mit dem Präsidenten des dortigen Hornschlittenvereins zusammen. Nach ein paar Weizen waren wir so mutig, unsere Teilnahme beim nächsten Hornschlittenrennen zuzusagen“, erinnert sich Ralf Stolze aus Rittersdorf. Noch in der Nacht wurde Uwes Bruder Hans Peter (genannt Pepe) Fuxen als Fahrer akquiriert, ein Großteil der Crew stand somit.

Der Mut verließ Stolze schnell – tags drauf, und in den drei schlaflosen Nächten danach. Doch es gab kein Zurück mehr. Es fanden sich weitere Mitstreiter – für die Premiere Alex Sonnen, später dann Thorsten Maas und auch Uwes Sohn Christopher Fuxen, der vor allem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Die Eifeler traten als „Team Bitburg“ dem Hornschlittenverein Partenkirchen bei. Sie holten sich Tipps, wie der mit vier Piloten rund eine halbe Tonne schwere Schlitten am besten die Strecke hinunter zu manövrieren ist. Grob gesagt so: Der Lenker vorne auf der ersten Position beeinflusst mit seiner Fußstellung die Richtung. Wenn die Strecke eisig ist, muss zu den sogenannten Tatzen links und rechts gegriffen werden. Sie rammen sich in den Untergrund, erzeugen damit aber auch eine unerwünschte Bremswirkung.

In einer Lagerhalle in Rittersdorf bereiten Hans Peter Fuxen, Uwe Fuxen, Christopher Fuxen, Ralf Stolze und Thorsten Maas den Hornschlitten für den nächsten Einsatz in Thüringen. Die Grafik unten zeigt das Profil der Strecke des Hornschlitten-Rennens im oberbayerischen Partenkirchen. Foto: TV/Mirko Blahak

Beim 51. Partenkirchener Rennen 2020 vor wenigen Wochen herrschten solch eisige Bedingungen. Stolze: „Der Schnee zur Streckenpräparierung stammte vom Garmischer Neujahrsspringen. In der Nacht vor dem Rennen hat es dann stark geregnet.“ Keine gute Mischung. Gleich mehrfach zerriss es Starter. Gut für die Eifeler: Sie hatten eine hintere Startnummer (63 von insgesamt 70). Dadurch konnten sie von ihren Frauen im Zielraum über heikle Stellen, an denen die Konkurrenz strauchelte, informiert werden.

Das Team Bitburg kam gut runter – und belegte im Klassement unter 63 Crews im Ziel Rang 31. 2019 dagegen hatte es auch die Eifeler erwischt. Sie rauschten mit ihrem Schlitten in eine Bande und überschlugen sich. Zum Glück blieb die Crew weitgehend unverletzt – alle Piloten tragen zum Schutz einen Motorradhelm.

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Auch 2017 lief es nicht rund – da hatte das Team Bitburg den zur Verfügung gestellten Schlitten auf der Strecke zerlegt. Die Kufen hängen in Erinnerung an das Malheur im Partenkirchener Vereinsheim.

Damals musste ein neues Sportgerät her. Über Beziehungen wurde ein gebrauchter Hornschlitten aus Thüringen beschafft. Der Preis: 700 Euro. Zum Vergleich: Neue Hornschlitten kosten zwischen 3500 und 4000 Euro.

Die Professionalisierung im Hornschlittensport schreitet voran. Anfangs hatten nicht wenige Starter das eine oder andere Promille im Blut. Stolze: „Inzwischen steht am Start ein Polizist, der einen Blick auf den Alkoholkonsum hat.“

Der Anlauf kann trainiert werden – während sich der Fahrer vorne sitzend mit den Beinen abdrückt, bringen die hinteren Piloten den Schlitten schnellen Schrittes auf Geschwindigkeit. Während der Schussfahrt sitzen die drei vorderen Crewmitglieder, der hintere steht und kann durch Gewichtsverlagerungen auch Einfluss auf die Fahrtrichtung nehmen.

Aber (Schnee-)Training in der Eifel? Ist fast nicht möglich. Selbst wenn es winterlich ist, fehlt eine passende Strecke. „Vor dem jüngsten Rennen in Partenkirchen haben wir einmal in der Umgebung von Seefeld in Österreich trainiert. Mehr war nicht drin“, berichtet Thorsten Maas. Doch auch ohne große Vorbereitung machen die Eifeler Fortschritte. Uwe Fuxen: „Je länger man den Sport betreibt, desto selbstsicherer wird man.“

Bleibt die Möglichkeit, am Hornschlitten zu feilen. Das Reglement gibt Spielraum. „Vorgegeben ist nur, dass die Maße stimmen müssen und nur Holz sowie Metall verbaut wurde“, erläutert Pepe Fuxen. Deshalb hält bei ambitionierten Teams Hightech Einzug. Maas erinnert sich an eine skurrile Situation vor drei Jahren: „Während wir unseren Schlitten auf den Schnee gestellt haben, um die Kufen erst mal zu entrosten, hat ein Team nebenan seine Schlittenkufen eifrig mit Wachs bearbeitet.“

Inzwischen arbeitet auch das Team Bitburg mit Wachs. Dieser Tage steht der Schlitten in einer Lagerhalle in Rittersdorf zur Aufbereitung – mit Blick auf ein geplantes Rennen am 15. Februar im thüringischen Brotterode. Wachs drauf, einziehen lassen, runterkratzen, abbürsten mit rauem und feinem Schleifpapier sowie Stahlwolle, polieren mit einer Messingbürste  – das klingt auch bei den Eifelern nun schon ziemlich professionell.

Der Aufwand soll sich bezahlt machen. Das Ziel des Teams Bitburg: einmal in Partenkirchen unter die Top 20 kommen. Die nächste Chance bietet sich am 6. Januar 2021.