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TV-Serie Spochtipedia: Triathlon
Schmerzen vergehen, Erinnerungen bleiben

Sara Bund aus Trier hat sich einen Lebenstraum erfüllt. Sie hat erstmals den Ironman auf Hawaii gemeistert.
Sara Bund aus Trier hat sich einen Lebenstraum erfüllt. Sie hat erstmals den Ironman auf Hawaii gemeistert. FOTO: - / privat
Trier/Kona. Mythos Triathlon: Legendär ist der Ironman auf Hawaii. Ein Start dort ist für viele ein Lebenstraum. Sara Bund aus Trier hat ihn sich erfüllt. Von Mirko Blahak
Mirko Blahak

Dieser Satz ließ sie alle Schmerzen vergessen. „Sara Bund from Germany, you are an Ironman!“, rief der Moderator der 38-Jährigen im Ziel entgegen. Die Triererin hatte es nach 11:53 Stunden Plackerei geschafft. Sie hat den Ironman auf Hawaii gemeistert. Als 1677. unter 2472 Startern. Ein Lebenstraum nach 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem Marathonlauf wurde wahr.

Hawaii – für jeden Triathleten ist die Inselgruppe im Pazifischen Ozean das Mekka seines Sports. Der Ironman auf Big Island – einfach nur legendär.

Wer es dorthin geschafft hat, will es nicht verbocken. Deshalb hatte sich Sara Bund im Vorfeld in Watte gepackt. „Ich habe zwei Wochen lang Türklinken nur noch mit dem Ärmel angefasst und mir oft die Hände gewaschen. Hätte ich mir eine Erkältung eingefangen, wäre das angesichts der Zeit und des Geldes, das wir investiert haben, eine Katastrophe gewesen.“

180 Kilometer im Sattel: Die Radstrecke zog sich wie Kaugummi.
180 Kilometer im Sattel: Die Radstrecke zog sich wie Kaugummi. FOTO: - / privat

Wir – damit meint sie sich und ihren Mann Andreas, ebenfalls ein ambitionierter Triathlet. Sara Bund stammt aus Medellin in Kolumbien. Sportbegeistert war sie schon immer. Ein Steckenpferd: Hallen-Fußball. 2006 begann sie mit dem Triathlon, weil sie abnehmen wollte. In Kolumbien lernte sie ihren späteren Mann kennen. Andreas Bund stammt aus Norddeutschland und hat aktuell eine Professur für Sportpädagogik in Luxemburg inne.

Geschafft: Sara Bund überquert die Ziellinie.
Geschafft: Sara Bund überquert die Ziellinie. FOTO: - / privat

Worauf Anfänger achten sollten: Rainer Düro, Ehrenpräsident des Rheinland-Pfäzischen Triathlonverbands, im Interview.

Saras Ehemann Andreas Bund.
Saras Ehemann Andreas Bund. FOTO: - / privat

Im Januar 2007 siedelte Sara Bund nach Deutschland über. Erst lebte sie in Darmstadt, seit 2013 wohnt sie in Trier. Wettkämpfe wollte die Athletin von Tri-Post Trier ursprünglich nie bestreiten, doch durch ihren Mann kam sie auf den Geschmack. In den vergangenen zwei, drei Jahren intensivierte sie das Training. Im Schnitt kommen 20 Stunden pro Woche zusammen.

Bunds Lieblingsdisziplin ist das Schwimmen. Das verwundert auf den ersten Blick. Denn erst mit 22 Jahren lernte sie, sich im Wasser fortzubewegen.

2017 waren Andreas und Sara Bund als Zuschauer beim Ironman auf Hawaii. „Da hat es uns noch mal so richtig gepackt. Wir wollten im Jahr darauf selbst dabei sein“, sagt Andreas Bund.

Für 2018 gab es weltweit 40 Ironman-Wettkämpfe, bei denen eine Qualifikation möglich war. Amateure mussten dabei in ihrer Altersklasse einen Top-Platz belegen. Kein leichtes Unterfangen. Andreas Bund: „Viele denken, Triathlon ist eine Randsportart. Aber mitunter muss man sich in seiner Altersklasse mit mehr als 100 Konkurrenten messen.“ Die Bunds versuchten ihr Glück im April im chinesischen Huizhou bei einem Mitteldistanz-Rennen – auch wegen der dort nicht ganz so harten Konkurrenz wie in Europa. Sara Bund durfte jubeln – sie siegte klar in ihrer Klasse der 35- bis 39-Jährigen und sicherte sich das Hawaii-Ticket. Die Startgebühr für den Traum in Höhe von 900 US-Dollar war direkt zu zahlen. Ihr Mann wurde in seiner Klasse Dritter – aber nur der Erste qualifizierte sich. Am Ende fehlten 15 Sekunden. Freud und Leid lagen dicht beieinander. Immerhin: Andreas Bund durfte im September dank seines Resultats die WM auf der halben Ironman-Distanz in Südafrika bestreiten.

Und seine Frau? Es klingt naiv, aber bis dato hatte Sara Bund noch nie einen Langdistanz-Triathlon bestritten. Im August dieses Jahres folgte die Feuerprobe in Kanada: Sie meisterte ihren ersten Langdistanz-Triathlon ohne Probleme: „Ich hätte nie gedacht, nach 180 Kilometern auf dem Rad noch Laufen zu können, und dann auch noch einen Marathon.“ Es ging, die Ungewissheit war besiegt.

Nach Hawaii flogen die Bunds eine Woche vor dem Rennen. Die erste gute Nachricht nach der Ankunft: Das per Sperrgepäck aufgegebene Triathlon-Rad von Sara Bund hatte keine Beschädigungen. In der Vergangenheit war schon mal ein Lenker zu Bruch gegangen – 1000 Euro waren futsch.

Die Tage bis zum Ironman dienten der Akklimatisierung. Die Hitze vor Ort – eine Herausforderung. Sara Bund: „Nach fünf Minuten laufen hat man so geschwitzt, als ob man sich schon zwei Stunden bewegt hätte.“ Hinzu kamen Materialtests auf dem Rad und ein paar Schwimm­einheiten, um sich an die Wellen zu gewöhnen. Dazu viel Schlaf und ein Auge auf die richtige Ernährung.

Am Wettkampftag klingelte der Wecker um 3.15 Uhr. Auf dem Frühstückstisch landeten ein Sportler-Porridge mit Proteinen und Früchten sowie ein, zwei Brote.

Am Start die letzten Vorbereitungen: Die Startnummer wurde auf den Arm gestempelt. Ein Arzt wog die Athleten. Helfer versorgten die Sportler mit Vaseline und Sonnencreme. Sara Bund: „Ich war sehr aufgeregt. Ich wusste nicht, ob ich es schaffe.“ Doch sie wusste ihren Mann als moralische Unterstützung an der Strecke.

Der Start für die Frauen erfolgte um 7.20 Uhr. 3,86 Kilometer Schwimmen in der Bucht von Kailua-Kona. 600 Starterinnen legten los, als ob ein 100-Meter-Sprint ansteht. Sara Bund: „Ich bekam Schläge ab, Füße und Ellbogen landeten in meinem Gesicht.“ Erst nach 300  Metern entspannte sich die Lage. Nicht jedoch für Bund: Der Schwimmanzug scheuerte. Es brannte auf der Haut. Nach 1:11 Stunden kam sie aus dem Wasser – ein für Bund zufriedenstellendes Zwischenresultat.

Die Radstrecke über 180 Kilometer zog sich wie Kaugummi. „Am Wendepunkt habe ich mir als Belohnung eine Cola gegönnt. Sie hat göttlich geschmeckt“, erinnert sich Bund. Gut für sie und die Konkurrenz: Diesmal pfiff nicht der gefürchtete Seitenwind.  Nach 6:12 Stunden stieg Bund vom Sattel – das entsprach einer Durchschnittsgeschwindkeit von rund 29 Stundenkilometern.

Entlang der ersten zwölf Kilometer der Marathon-Laufstrecke jubelten zahlreiche Zuschauer den Athleten zu. Danach ging es alleine in die Lavawüste. Bund: „Nach dem zweiten Wendepunkt wusste ich: Jetzt hält dich keiner mehr auf.“ Kurz vor der Ziellinie war noch mal Konzentration angesagt: Alles herrichten fürs Zielfoto. Bund: „Ich wollte schließlich gut aussehen.“

Jetzt, gut zwei Wochen nach dem Ironman, tut nichts mehr weh. „Nach dem Rennen hatte ich drei Tage Muskelkater. Da konnte ich mich kaum bewegen“, berichtet Bund, die beim Marathon mit Blasen an den Füßen zu kämpfen hatte. Aber das waren Lappalien. Bund: „Wichtig war, dass ich weder Krämpfe noch Magenprobleme hatte.“ 15 Gels, mehrere sogenannte Power­shots, zwei Bananen und mehrere Liter Flüssigkeit – Bund nahm während des Wettkampfs geschätzt 8000 bis 10 000 Kalorien zu sich.

Wunden verheilen, Erinnerungen bleiben. 2019 will Sara Bund erneut beim Ironman auf Hawaii starten. Wieder mit ihrem Mann an der Seite – allerdings als Athlet und nicht „nur“ als motivierender Zuschauer.