Nacht der langen Messer fordert ihren Tribut für regionale Starter bei der Rallye Monte Carlo.

Histo-Monte : Gelbwesten, Schnee und Strafpunkte

Nacht der langen Messer fordert ihren Tribut für regionale Starter bei der Rallye Monte Carlo.

Wer eine Reise tut, kann viel erzählen, sagt ein Sprichwort. Wer mit über 50 Jahre alten Fahrzeugen nach 1500 Kilometer langer Anreise die „Mutter aller Rallyes“ bestreitet, erlebt garantiert etwas. „So heftig wie dieses Jahr war es allerdings noch nie“, war die einhellige Meinung der vier regionalen Teilnehmer an der Rallye Monte Carlo für historische Fahrzeuge. Und damit meinen sie nur die Streckenverhältnisse auf den Etappen, die überhaupt gefahren werden konnten. Und nicht alles drumherum, was anno 2019 für Probleme sorgte.

Da waren zunächst die berühmt-berüchtigten französischen Gelbwesten. Weil die just am Starttag der Rallye am Startort Valence demonstrierten, wurde die Stadt weiträumig abgesperrt, die rund 350 Fahrzeuge trafen sich außerhalb und mussten ihren Start verschieben. Am ersten Tag der Rallye lief alles wie geplant, am zweiten mussten wegen des heftigen Schneefalls in den Alpen drei von vier Wertungsprüfungen abgesagt werden, am dritten Tag fiel eine weitere Prüfung einem Hangrutsch zum Opfer.

Zu diesem Zeitpunkt sah es noch blendend aus für die regionalen Starter – allen voran Frank Richter aus Enkirch und seinen 85-jährigen Vater Gerhard, der in den 1960er Jahren DDR-Rallyemeister war. Sie lagen mit ihrem mittlerweile 59 Jahre alten Wartburg 311 auf der sensationellen sechsten Stelle im Gesamtklassement, führten zudem die Wertung in ihrer Fahrzeugklasse deutlich an. Schon im Vorjahr hatten die Richters für Furore gesorgt – mit dem 19. Platz im Gesamtklassement. „Wie die beiden unterwegs waren, war schon sensationell“, lobte auch Axel Weinand aus Platten (ebenfalls Kreis Bernkastel-Wittlich). „Für uns war es schon sehr schade, dass die drei Wertungsprüfungen am zweiten Tag abgesagt wurden, denn wir hatten extrem gut trainiert und waren bestens vorbereitet“, sagt Gerhard Richter.

Nach besagtem dritten Tag lag Axel Weinand als Beifahrer von Rudolf Hofmann (Gunzenhausen) im Alfa Giulia (Baujahr 1965) auf einem ebenfalls hervorragenden 23. Platz in der Gesamtwertung. Und auch Günter Meierer aus Osann-Monzel, der als Beifahrer von Gerhard Pierer (Salzburg) im Volvo 122 S (ebenfalls aus dem Jahr 1965) unterwegs war, lag ebenfalls unter den besten 60.

Doch dann kam der letzte Tag mit der gefürchteten letzten Wertungsprüfung, der „Nacht der langen Messer“, über den Col de Turini. „Angesichts der Streckenführung und der Wetterverhältnisse waren unsere schwach motorisierten Fahrzeuge chancenlos. Wir waren hoffnungslos unterlegen“, sagte Gerhard Richter. „Als Beifahrer hat das richtig Spaß gemacht, aber mit einer Gleichmäßigkeitsrallye hatte das nichts mehr zu tun, das ging nur um Bestzeit. Und dafür war unser Alfa eben zu schwach“, sagte Weinand. Bei den historischen Fahrzeugen geht es nämlich nicht darum, die Wertungsprüfungen am schnellsten zu beenden, sondern möglichst gleichmäßig durch die Kontrollpunkte zu fahren. Dazu sind die Rallye-Veteranen in verschiedene Klassen eingeteilt, für jede Klasse wird eine Durchschnittsgeschwindigkeit ermittelt. Wer zu schnell oder zu langsam ist, erhält Strafpunkte. „Und diese Zeiten waren für die Nacht der langen Messer einfach viel zu schnell angesetzt“, moniert Weinand. So kam es, dass über 80 Fahrer allein in dieser Prüfung die maximale Strafpunktzahl von 20 000 aufgebrummt bekamen. Die Richters fielen auf Rang 29 zurück, wurden aber Zweite in ihrer Klasse, Weinand/Hofmann beendeten die Monte auf Rang 65, Meierer und Pierer auf Rang 78. Und für Gerhard Richter könnte es die letzte Teilnahme gewesen sein: „Ich denke, jetzt ist Schluss. Obwohl: Ich war noch nicht der älteste Teilnehmer.“ Sieger wurden übrigens die Franzosen Michel Badosa und Mogens Reidl auf einem Renault 8. Und ins Ziel kamen auch nur 238 von 325 Fahrzeugen.