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Nachwuchsruderer Johann Kleis übertrifft Olympiasieger bei U-19-Titeln

Rudern : Olympiasieger übertroffen

Als kleiner Junge hat Johann Kleis den Olympiasieg von Richard Schmidt am Fernseher verfolgt. Jetzt hat der 17-Jährige bei der U-19-DM zwei Titel auf einmal gewonnen und fiebert mit seinem Vereinskameraden mit. International zu starten wird für den Nachwuchsruderer aber schwer.

(teu) „Man blickt zu ihm auf. Das ist ja klar“, sagt Johann Kleis über Richard Schmidt. Der Olympiasieger vom RV Treviris Trier, ist nicht nur Vorbild, der Sieg des Deutschlandachters mit dem Trierer in London war 2012 ein prägendes Erlebnis für den damals Achtjährigen. „Ich habe das live im Fernsehen gesehen und fand das richtig cool“, sagt Kleis.

Seit diesem Jahr hat der mittlerweile 17-Jährige aus Trier-Pallien sogar etwas vorzuweisen, was in Schmidts Erfolgsbilanz fehlt: Bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften gewann Kleis gleich zwei Titel. Je einen im Leichtgewichts-Doppelzweier und -Doppelvierer. Damit steuerte Kleis den Löwenanteil zum erfolgreichen Abscheiden des Treviris-Nachwuchses mit sechs Medaillen in den Altersklassen U 19 und U23 bei. Eine solche Ausbeute habe wohl kein anderer Trierer Verein, meint der Trierer Landesstützpunkttrainer Benedikt Schwarz.

Allerdings: Schmidt gewann in seiner U-19-Zeit im Vierer der offenen Klasse (ohne Gewichtsbegrenzung). Der Vergleich hinkt deshalb, zeigt aber auch die Krux. Während Schmidt 2004 und 2005 nach seinen Junioren-DM-Erfolgen an der Nachwuchs-Weltmeisterschaft teilnahm (und den dritten beziehungsweise zweiten Platz belegte), fehlt Kleis (bisher) die internationale Perspektive. „Als Leichtgewichtsruderer gibt es im Juniorenbereich keine Möglichkeit international bei einer Meisterschaft zu starten“, erklärt Kleis. Deshalb hält er sich zusammen mit Trainer Benedikt Schwarz für 2022 auch Starts „bei den Schweren“ offen. Ein bisschen ein ist Kleis dabei im Zwiespalt: „Ich bin ja noch jüngerer Junioren-Jahrgang. Den Erfolg von diesem Jahr würde ich natürlich gerne wiederholen. Aber ich möchte auch die Möglichkeit wahrnehmen bei den Schweren zu starten und dann auch einen internationalen Wettkampf zu fahren. Aber wie das genau aussieht, wird sich über die Saison entwickeln.“

Auch wenn Richard Schmidts Olympiasieg 2012 ein prägendes Erlebnis für Kleis war, es dauerte noch ein paar Jahre, bis er zum Rudern kam. „In meiner Schule, dem Humboldt-Gymnasium, gab es eine AG ab der siebten Klasse. Das hat mir sehr gut gefallen“, erzählt er. Er trat auch dem RV Treviris bei, startete im Kindertraining und als 14-Jähriger mit dem Leistungssport. „Das bedeutet, dass man sehr, sehr viel am Ruderhaus ist und das Leben sehr nach dem Rudern ausrichtet. Das kann man nur machen, wenn einem das wirklich Spaß macht“, erzählt Kleis.

An sechs Tagen in der Woche trainiert er. Samstags zweimal. Zeit für andere Hobby bleibt da keine. „Ich habe noch sehr lange Fußball beim TuS Euren gespielt. Aber seit ich Rudern als Leistungssport mache, ist Fußball weggefallen. Ich habe im Rudern meine Leidenschaft entdeckt. Deshalb war das keine schwere Entscheidung für mich“, betont Kleis.

Sein Tagesablauf ist durchgeplant. Aufstehen, Schule, „dann gehe ich nach Hause, esse was, vielleicht ist noch Zeit für eine Hausaufgabe. Dann geht es für zwei, drei Stunden ins Training. Dann ist es schon 19 Uhr oder später“, zählt der Oberstufenschüler mit den Leistungskursen Deutsch, Biologie und Sport auf. Nach dem Abendessen muss der Rest der Hausaufgaben erledigt werden. Alles kein Problem. Eher, wenn es nicht so ist. „Nach den Deutschen haben wir ein bisschen ruhiger im Training gemacht. Das war schon ein bisschen komisch für mich, wenn ich nach der Schule nach Hause kam und nirgends mehr hin zu müssen“, sagt Kleis lachend.

Während der Olympischen Spiele wird er sich die wichtigsten Ruder-Entscheidungen und natürlich Richard Schmidts Rennen anschauen. Und sich darauf freuen, das große Treviris-Vorbild wiederzusehen. Am liebsten mit einer weiteren Olympiamedaille um den Hals. „Man trifft Richie ab und zu. Auf der Sommer- oder Weihnachtsfeier. Er ist auch mal zum Training da. Man sagt ihm ganz normal Hallo wie allen anderen. Der ist ganz locker“, erzählt der zweifache Deutsche U-19-Meister.