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Nächster Brief an den DFB: Eintracht Trier lässt nicht locker

Fußball : Nächster Brief an den DFB:Eintracht Trier lässt nicht locker

Fußball: Die erste Rate der Ausbildungsentschädigung für Ex-Spieler Robin Koch ist zwar da, doch dem SVE geht’s um viel mehr: Der Club will einen Solidarfonds für nationale Transfers.

So ganz ist der Ärger bei Eintracht Trier immer noch nicht verraucht: Fast ein Vierteljahr lang musste der Fußball-Oberligist um die vom Weltverband Fifa festgelegte Ausbildungsentschädigung für seinen früheren Spieler Robin Koch kämpfen. „Erst, als wir die Angelegenheit öffentlich gemacht haben, ist Bewegung in die Sache gekommen“, ist SVE-Vorstandssprecher Alfons Jochem überzeugt.

Nationalspieler Koch (24) war im Sommer von Bundesligist SC Freiburg zum englischen Verein Leeds United gewechselt. Erst nach mehrfachen Mahnschreiben überwies der Premier-League-Club Ende Januar das erste Drittel des Gesamtbetrags von rund 300 000 Euro (TV berichtete). Um den eigenen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hatten Jochem und Geschäftsstellenleiter Björn Berens einen offenen Brief an das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes geschrieben. Darin prangerten sie auch eine Ungleichbehandlung an. „Wenn Robin nicht nach England, sondern zum Beispiel nach Leipzig gewechselt wäre, hätten wir kein Geld bekommen. Innerhalb des DFB ist eine solche Ausbildungsentschädigung im Gegensatz zur Fifa nicht vorgesehen. Somit mussten wir schon da­rauf hoffen, dass ein solch talentierter Mann ins Ausland geht, obwohl er sicher auch der Bundesliga weiter gut zu Gesicht gestanden hätte“, sagt Jochem. Gerade vor dem Hintergrund des neuen DFB-Masterplans 2024, der eine Zukunftsstrategie für den Amateurfußball beinhaltet, würden sie sich auch bei Eintracht Trier eine größere Wertschätzung der Basis wünschen, ergänzt Berens.

Als Koch 2017 vom 1. FC Kaiserslautern zum SC Freiburg ging, erhielt die Eintracht nach eigenen Angaben nur 16 000 Euro Ausbildungsentschädigung – viel zu wenig aus ihrer Sicht. „Für die Förderung unserer rund 200 Jugendspieler brauchen wir jährlich rund 250 bis 300 000 Euro“, rechnet Jochem vor und schiebt nach: „Gemessen an der Ausbildungszeit werden hier kleine Vereine nicht adäquat belohnt, sondern übergangen. Es herrscht ein drastisches Missverhältnis vor.“

Das von DFB-Chef Fritz Keller und Vize Rainer Koch unterzeichnete Antwortschreiben konnte die Trierer nicht zufriedenstellen, vor allem nicht der Hinweis auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg aus dem Jahr 2005, wonach eine Regelung zur Ausbildungs- und Fortbildungsentschädigung gegen die im Grundgesetz verankerte Berufsfreiheit von Spielern verstößt.

Aus Sicht der Eintracht-Verantwortlichen versteckt sich der DFB hier hinter der damaligen Rechtsprechung. Das machen sie nun in einem neuerlichen Brief an die Spitze des größten nationalen Sport-Fachverbands der Welt deutlich: „Urteile geben Orientierungshilfe und definieren Handlungsspielräume. Demnach sollte man in dieser Thematik versuchen, neue, intelligente und juristisch nicht angreifbare Lösungen zu erarbeiten, die dem Sinn der Sportart und den Begriffen Fairness und Solidarität Rechnung tragen.“

Doch Jochems Ding „ist es nicht, einfach nur zu meckern – es geht mir auch darum, konstruktive Vorschläge zu machen“. Deshalb hat er ein Modell für einen Solidaritätsfonds erarbeitet. Demnach sollen die Clubs der 1. und 2. Bundesliga von einem Wechsel auf nationaler Ebene fünf Prozent in einen Topf einzahlen. Jeder Verein (egal ob Amateure oder Profis) soll dann pro Saison, die ein von ihm ausgebildeter Akteur in einer der beiden obersten deutschen Ligen absolviert hat, einen Solidarbeitrag aus dem Fonds erhalten. „Das Urteil aus Oldenburg greift an dieser Stelle nicht. Schließlich profitieren auch die abgebenden und aufnehmenden Vereine, wenn sie Spieler ausgebildet haben“, sagt Jochem.

Profivereine erhielten also quasi zum Teil Rückerstattungen, und Vereine wie Eintracht Trier, die regionale Talente bündeln und sie dann weiter nach oben ziehen lassen (müssen), würden für die mehrjährige Ausbildung weitaus stärker als bis jetzt entlohnt.

Jochem und Berens wollen eine Diskussion anstoßen und würden sich „sehr über einen persönlichen Austausch mit Fritz Keller freuen“. Auch Fachmagazine wie der „Kicker“ und „11 Freunde“ interessieren sich mittlerweile für das Thema. Das wiederum könnte helfen, den DFB-Boss tatsächlich mal in Trier begrüßen zu können.