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Rollstuhlbasketball: Nathalie Ebertz: „Als ich die Mail las, kamen mir die Tränen“

Rollstuhlbasketball : Nathalie Ebertz: „Als ich die Mail las, kamen mir die Tränen“

Nach Dirk Passiwan darf auch dessen Teamkollegin von den Dolphins Trier in der Nationalmannschaft weiter international spielen. Eine Neu-Klassifizierung war erfolgreich.

Als die E-Mail in ihrem Postfach aufploppte, zitterten die Finger. Der Betreff: Nathalie Ebertz und ihr internationaler Spielercode. Ein Klick brachte die freudige Gewissheit: Die 29-jährige Rollstuhlbasketballerin in Diensten der Dolphins Trier ist erfolgreich neu klassifiziert worden und darf damit weiterhin für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft international mitwirken – mit Blick auf die nächstes Jahr anstehenden Großereignisse inklusive der Paralympics in Tokio eine erleichternde Mitteilung. „Als ich die Mail las, kamen mir die Tränen“, sagt Ebertz zur Gewissheit nach der Hängepartie.

Die 29-Jährige, die aufgrund von drei großen Operationen am Sprunggelenk mit 4,5 klassifiziert ist (geringer Behinderungsgrad), musste ihre Einschränkungen neu nachweisen. Hintergrund ist ein Streit zwischen dem Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) und dem Internationalen Rollstuhlbasketballverband (IWBF). Das IPC hatte den Rollstuhlbasketballern das Aus für Tokio und für die Paralympics 2024 in Paris angedroht, sollten die IWBF-Regeln nicht an das Klassifizierungssystem des IPC angepasst werden. Im Kern der Diskussion stand die Frage, welche körperlichen Beeinträchtigungen auf internationaler Wettkampfebene klassifizierbar sind.

„Ich musste alle Unterlagen von den drei Operationen, alle MRT-Untersuchungen und Dokumente der weiterführenden Behandlungen einreichen. Zudem musste ich eine neue Untersuchung machen lassen, mit aktualisierten Arztbefunden und neuen Bildern. Das war alles gar nicht so einfach wegen der Corona-Beschränkungen. Sehr viel Stress, der sich aber gelohnt hat“, berichtet Ebertz.

Sie darf also die Paralympics 2021 in Angriff nehmen, ebenso wie ihr Lebensgefährte Passiwan, der sich gleichfalls neu einstufen lassen musste und bereits vor gut einem Monat als einer von vier deutschen Spielern einen positiven Bescheid erhalten hatte. Ebertz gehörte zu einem Oktett, das zuletzt noch bangen musste. Nach einer Mitteilung des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) erhielten fünf Spielerinnen und zwei Spieler grünes Licht. Barbara Groß hingegen bekam eine negative Entscheidung übermittelt. Entsprechend groß ist die Enttäuschung bei der 26-Jährigen aus Gießen, die bei den Paralympics 2016 in Rio die Silbermedaille mit dem deutschen Nationalteam feierte, 2015 Europameisterin wurde und bei der Heim-WM in Hamburg 2018 Bronze gewann. „Diese Nachricht hat mich geschockt. Ich dachte, Barbara schafft es auf alle Fälle“, sagt Ebertz.

„Wir sind einerseits erleichtert, dass insgesamt elf von zwölf Spielerinnen und Spielern, die zur Diskussion standen, als international spielberechtigt anerkannt wurden. Andererseits ist die Entscheidung zu Barbara Groß ein erheblicher Wermutstropfen für uns“, erklärt DBS-Sportdirektor Frank-Thomas Hartleb. Die Begründung werde nun im Detail begutachtet. Hartleb: „Danach werden wir über das weitere Vorgehen beraten und prüfen, ob weitere Schritte eingeleitet werden können.“

Insgesamt sind weltweit 132 Rollstuhlbasketballer überprüft worden, ob sie Beeinträchtigungen im Sinne des IPC-Klassifizierungs-Code aufweisen. Nach Meldung des IWBF sind neun Athleten als nicht teilnahmeberechtigt eingestuft worden, in vier Fällen gibt es noch keine finale Entscheidung.