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Nele Trommer spielt mit 17 Jahren in der Basketball-Bundesliga

Basketball : Wie es eine Welschbilligerin mit 17 in die erste Bundesliga geschafft hat

Mit 17 Jahren hat es Nele Trommer im Basketball bereits weit gebracht. Wie das Talent aus der Nähe von Trier den Weg nach ganz oben schaffen will.

 Ihr großes Ziel, einmal in der Basketball-Bundesliga zu spielen, hat Nele Trommer bereits mit 17 Jahren erreicht. Die junge Sportlerin aus Welschbillig (Kreis Trier-Saarburg) ist mächtig stolz darauf, dass sich ihr großer Aufwand gelohnt hat, räumt aber auch ein, dass die Corona-Situation den Sprung in die Eliteliga erleichtert hat.

Rund 56 000 weibliche Mitglieder hat der Deutsche Basketball-Bund (DBB). Zwölf Vereine spielen in der Bundesliga der Frauen. Für viele Spielerinnen geht es dabei mehr um Ruhm und Ehre, weniger um eine finanzielle Entschädigung. Der Verdienst gilt hier im Vergleich zu anderen Sportarten als bescheiden, ermöglicht den ausländischen Spielerinnen den Lebensunterhalt, einheimische Spielerinnen finanzieren damit ihr Studium. Nur wenige Ausnahmekönnerinnen gelangen in profitablere Situationen – im Ausland. Die Berlinerin Satou Sabally ist derzeit wohl das Aushängeschild des deutschen Damen-Basketballs in der amerikanischen Profiliga WNBA, in die es seit 1997 insgesamt sieben deutsche Spielerinnen schafften, darunter 2007 auch die Bitburgerin Martina Weber, die eine Saison bei New York Liberty spielte.

„Ich weiß, dass mit Frauen-Basketball kein oder nur wenig Geld zu verdienen ist.“

Was bewegt also einen jungen Menschen wie Nele Trommer, das private Leben so sehr auf den Sport zu konzentrieren? „Mir geht es nicht um eine finanzielle Absicherung“, betont die Korbjägerin. „Ich weiß, dass mit Frauen-Basketball kein oder nur wenig Geld zu verdienen ist.“ Trotzdem hatte sie schon sehr früh das Ziel und die Hoffnung, einmal in der Bundesliga spielen zu können. Das hat nun schneller funktioniert, als sie es sich zu Beginn ihrer Laufbahn ausgemalt hatte. In der Corona-Saison 2020/2021 stand Trommer im Kader der Royals Saarlouis und absolvierte elf Begegnungen. „Ich hätte auch häufiger gespielt, wenn ich mich nicht verletzt hätte.“

Angefangen hat Trommer, deren Eltern ebenfalls aktive Basketballer sind, beim für erfolgreiche Nachwuchsförderung bekannten TV Bitburg. Sie packte es schnell in die Rheinland-Pfalz-Auswahl der Jahrgänge 2002 und 2003. Beim DBB-Projekt „Talente mit Perspektive“ konnte sie sich noch nicht für die Nationalmannschaft empfehlen, um dann doch 2018 am „North Sea Development Cup“ in Dänemark für die U15-Auswahl zu spielen. Nur im Jugendbereich aktiv zu sein, genügte ihr dann aber schnell nicht mehr. Die Perspektive in der Damen-Regionalliga spielen zu können lockte Trommer 2018 zur MJC Trier.

Sehr schnell kam die damals 15-Jährige im Regionalligateam unter Trainer Michael Edringer zum Einsatz und entwickelte sich kontinuierlich weiter. Der erste Schritt in Richtung Leistungsbasketball war getan. Coach Edringer bescheinigt der Nachwuchsspielerin eine hohe Spielintelligenz und neben den körperlichen Voraussetzungen auch die technischen Fertigkeiten, die für eine erfolgreiche Karriere notwendig sind: „Nele zeigt die Leistungsbereitschaft, die man benötigt, um sich bei entsprechendem Training auch in der höchsten deutschen Spielklasse durchzusetzen, was sie auch schon in Ansätzen gezeigt hat.“

Während der Pandemie in den Bundesligakader

In einer Spielgemeinschaft der MJC Trier mit den Royals aus Saarlouis sammelte sie wertvolle Erfahrung in der weiblichen Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (WNBL): „Das war ganz anders als in der Regionalliga der Damen.“ Coronabedingt fiel die vergangene Saison dieser Liga ins Wasser. In der kommenden Spielzeit ist sie aus Altersgründen hier nicht mehr spielberechtigt.

Die Pandemie hat fast den gesamten Spielbetrieb lahmgelegt: keine WNBL, keine Regionalliga, kaum Trainingsmöglichkeiten. Doch die Damen-Bundesliga hatte eine Ausnahmegenehmigung zum Training und Spielbetrieb. Hier schlug Trommers Stunde. Nachdem sie bis dato lediglich Trainingsspielerin war, wurde sie in den Bundesligakader berufen, erkämpfte sich Einsatzzeiten in Deutschlands höchster Spielklasse und stand in der abgelaufenen Saison in elf Partien auf dem Parkett. Am Ende landeten die Saarländerinnen auf dem drittletzten Tabellenplatz.

Trommer ist sich darüber bewusst, dass die Pandemie und die besonderen Umstände ihren Einsatz in der Bundesliga beschleunigt haben: „Während alle meine Mitspielerinnen in Trier seit Monaten nicht mehr trainieren können, ergab sich für mich in Saarlouis die Trainings- und Spielmöglichkeit.“

Nun hofft sie auf eine normale Basketball-Saison 2021/22. Ob aus ihrer Sicht dann den Aufwand zum Trainieren und Spielen in der Bundesliga weiterhin erfüllbar ist, kann sie jetzt noch nicht abschätzen: „Ich komme im Sommer in die Klasse 12 am Max-Planck-Gymnasium in Trier.“ Schule und Leistungssport unter einen Hut zu bringen, erfordert unbedingte Disziplin: „Jeder Tag ist bei mir gleich strukturiert. Morgens Schule, nach Hause zum Essen, direkt danach Hausaufgaben und Lernen, danach geht’s zum Training.“

An fünf Tagen in der Woche trainiert sie, absolviert manchmal sogar zwei Einheiten hintereinander. Dabei erfordert das Training in Saarlouis einen enormen zeitlichen Aufwand. Fast fünf Stunden muss sie mit Fahrt für eine Einheit im Bundesligateam aufwenden. „Klar kann ich im Zug einen Teil meiner Hausaufgaben erledigen.“

Ein kompletter Wechsel nach Saarlouis in ein Internat oder in eine Gastfamilie kommen für sie derzeit nicht infrage: „Mir ist klar, dass Schule und Ausbildung an erster Stelle stehen, so gerne ich auch Basketball spiele.“ Doch sie weiß, dass für eine erfolgreiche Karriere ein derartiger Aufwand ein Muss ist.

Mit 1,84 Metern bringt Trommer ein Gardemaß für eine Basketballerin mit. Der Zug zum Korb ist eine ihrer Stärken. „Ich muss meinen Wurf und meine Schnelligkeit definitiv verbessern“, weiß sie selbstkritisch.

Nach dem Abitur möchte sie ein duales Studium beginnen

Von allen Trainern ihrer noch jungen Karriere hat sie nach eigener Aussagen profitiert. „Sehr viel habe ich in meinen ersten Jahren in Bitburg von Denny Lemon gelernt. Er hat mir beigebracht, wie Basketball funktioniert. Wie moderner Basketball läuft, hat mir Michael Edringer gezeigt. Marc Hahnemann hat mir in Saarlouis den Schritt in die Bundesliga ermöglicht – auch dank zahlreicher individueller Trainingseinheiten.“

Nach ihrem Abitur möchte sie ein duales Studium als Physiotherapeutin beginnen: „Ob ich bis dahin mit meinem Sport Geld verdiene, ist natürlich die Frage. Aber schön wäre es natürlich, mit Basketball so viel verdienen, dass ich das Studium bezahlen kann.

Bis sie in der Bundesliga so richtig durchstarten kann, könnte es also noch ein wenig dauern. Die Erfahrungen im Basketball-Oberhaus, die sie bereits in jungen Jahren gesammelt hat, kann ihr aber keiner mehr nehmen.