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Neue eingleisige Handball-Verbandsliga: Viele Vereine sind skeptisch

Handball : Fast alle zeigen der Verbandsliga die Rote Karte

Das neue eingleisige Format der Spielklasse ab der nächsten Saison stößt bei den meisten Teams aus der Region Trier auf große Skepsis.

Neue Saison, neue Liga: In der Spielzeit 2020/21 werden die bisherigen Verbandsligen West und Ost zu einer eingleisigen Verbandsliga zusammengeführt.

Das heißt: In der aktuellen Spielzeit geht es für die Clubs in beiden Staffeln um die Qualifikation – pro Staffel lösen sechs Mannschaften (inklusive Absteigern von oben) das Ticket für die neue eingleisige Spielklasse.

Im Mai 2019 hatte der Spielbereichstag die Entscheidung des Verbandsspielausschusses, die Verbandsligen West und Ost zusammenzuführen, begrüßt.

Eine TV-Umfrage unter den Trainern der acht Weststaffel-Vereine aus der Region Trier zeigt dagegen eine breite Ablehnung – mit einer Ausnahme. Lesen Sie hier eine Reihe interessanter Pro- und Contra-Argumente.

Was spricht für die neue eingleisige Verbandsliga?

 Janusz Klimek (Trainer TV Bitburg II): Sie ist eine sportliche Herausforderung. Jeder Sportler muss immer das Ziel vor Augen haben, sich weiterzuentwickeln. Dafür ist eine eingleisige Liga sehr gut.

Kris Sturm (Spielertrainer DJK St. Matthias): Nichts.

Christian Leyh (Trainer HSC Schweich): Für sie spricht, dass es eine größere Liga mit neuen und mehr Mannschaften gibt. Dadurch wird auch der Konkurrenzkampf größer und die Liga mit Sicherheit spannender.

Andreas Cartarius (Trainer HSG Mertesdorf/Ruwertal): Für die eingleisige Verbandsliga spricht auf jeden Fall eine neue sportliche Herausforderung. Mit der Zusammenführung der beiden Verbandsligen im Rheinland wird definitiv dem Leistungsgefälle entgegengewirkt und der sportliche Schwerpunkt in den Mittelpunkt gerückt.

Konstantin Menzer (Spielertrainer TV Hermeskeil): Durch die Neuaufstellung der Klasse wird sich das Niveau erhöhen, und somit werden auch starke Mannschaften über die komplette Spielzeit gefordert. Den Zuschauern werden dadurch mehr hochklassige Spiele geboten.

Frank Staskewitz (Trainer HSG Wittlich): Vorteile der eingleisigen Verbandsliga sehe ich für meine Mannschaft und meinen Verein keine. Aus Sicht des Verbandes sollen vermutlich die unteren Ligen aufgewertet werden und auch aufgefüllt werden, da die Anzahl der Mannschaften insgesamt leider rückläufig ist.

Martin Bach (Trainer HSG Hunsrück II): Sie ist eine leistungsorientierte Liga, die ein höheres Niveau bietet als es durch die zweigleisige Verbandsliga möglich wäre. Sie steht für neue, interessante Gegner und mehr Zuschauerzuspruch.

Aktuell steht die Verbandsliga West zwar auch für ein gutes Leistungsniveau, aber leider umfasst sie nur neun Mannschaften, so dass wir nur auf 16 Saisonspiele kommen.

Für uns in der HSG Hunsrück kommt die eingleisige Verbandsliga sehr gelegen, da wir im Herrenbereich bereits gut aufgestellt sind und in der kommenden Saison den A-Jugendlichen, die eine gute Saison in der Jugend-Oberliga spielen, dem jeweiligen Leistungsniveau entsprechend den Sprung in den Seniorenbereich schmackhaft machen können. Auch die Landesliga wird an Niveau gewinnen.

Dadurch können wir kontinuierlich einen guten Unterbau für die erste Herrenmannschaft sicherstellen.

David Juncker (Trainer HSC Igel): Die immer geringere Manschaftszahl führt mittlerweile dazu, dass es noch nicht mal mehr eine Kreisliga gibt. Die eingleisige Verbandsliga verzögert das Klassensterben ein wenig. Sonst spricht aus meiner Sicht absolut nichts für die neue Liga.

Was spricht gegen die neue eingleisige Verbandsliga?

 Janusz Klimek (Trainer TV Bitburg II): Sie ist mit mehr Aufwand verbunden. Die Spieler müssen mehr trainieren und auch viel mehr Zeit opfern, etwa für lange Auswärtsfahrten. Da stellt sich die Frage: Gibt’s genug Spieler in der Mannschaft, die das mitmachen? Es kommen auch Mehrkosten auf die Vereine zu. Da stellt sich die Frage: Kann sich das  jeder Verein leisten?

Aus meiner Sicht müsste die neue Verbandsliga in Rheinlandliga, Gruppe B, umbenannt werden. Und was passiert, wenn von den Mannschaften, die sich qualifizieren, einige auf die neue Verbandsliga verzichten? Mach das alles Sinn? Ich sage: Nein!

Kris Sturm (Spielertrainer DJK St. Matthias): Die eingleisige Verbandsliga bedeutet längere und zahlreichere Fahrten in einer Spielklasse, die ohnehin Probleme hat, nominell stabile Mannschaften zu stellen. Wir werden nicht in die eingleisige Verbandsliga gehen, auch wenn wir auf einem der ersten sechs Plätze landen. Dafür ist unser Kader zu alt, zu anfällig und/oder familiär zu eingespannt.

Christian Leyh (Trainer HSC Schweich): Der Aufwand, den man betreiben muss, wird viel größer – angefangen von den Fahrten zu den Auswärtsspielen bis hin zum Trainingspensum. Es ist praktisch eine Rheinlandliga, nur dass sie Verbandsliga heißt.

Ich persönlich weiß noch nicht, ob ich meine „älteren“ Jungs motivieren kann, an einem Sonntagnachmittag in die Koblenzer Ecke zu fahren.

Andreas Cartarius (Trainer HSG Mertesdorf/Ruwertal): Sieht man grundsätzlich die Entwicklung im Bezirk Mosel, so muss man sich die Frage stellen, ob man den Vereinen mit der eingleisigen Verbandsliga einen Gefallen tut. Mit Schweich und Mertesdorf sind im vergangenen Jahr gleich zwei Mannschaften freiwillig aus der Rheinlandliga in die Verbandsliga zurückgegangen, da der Trainingsaufwand und die langen Auswärtsfahrten an den Rhein nicht mehr von allen Spielern geleistet werden können. Hier kommen die herkömmlichen Verbandsligastrukturen den Vereinen erheblich entgegen. Die interessanten Lokalderbys lassen sich auch für familiär eingebundene Spieler noch umsetzen. Ebenso sind solche Spiele sowohl für die Fans attraktiv als auch für die finanziellen Strukturen des Vereins wichtig, da man bei einem Bier nach dem Spiel die Gemeinschaft pflegt und den einen oder anderen Euro für Schiedsrichterkosten oder neue Trikots in die Vereinskasse bekommt.

Konstantin Menzer (Spielertrainer TV Hermeskeil): Die eingleisige Verbandsliga bringt extreme Kosten mit sich, die für kleine Vereine kaum zu realisieren sind. Die – für den Amateursport – sehr weiten Fahrten beinhalten außer den Kosten auch einen extremen Zeitaufwand, durch den es für viele Mannschaften schwer wird, jede Woche genug Spieler zu motivieren.

Gerade auf uns würden extrem weite Fahrten zukommen, wodurch wir einen kompletten Tag des Wochenendes für unsere Hobby ,opfern’ müssten.

Frank Staskewitz (Trainer HSG Wittlich): Nachteile sehe ich für meine Mannschaft und meinen Verein einige. Zum Beispiel wird es in der kommenden Saison sechs Auswärtsspiele unter anderem im Raum Koblenz geben. Dies ist für uns mit einem erhöhten Zeitaufwand und einem höheren Fahrtkostenfaktor gekoppelt. Zusätzlich werden sich voraussichtlich die Kosten für die Schiedsrichter erhöhen.

Für die HSG Wittlich ist zudem der Zeitpunkt ungünstig, da wir uns im Umbruch befinden und es am Ende knapp sein wird, ob wir uns qualifizieren können.

Martin Bach (Trainer HSG Hunsrück II): Der zeitliche und finanzielle Mehraufwand durch weitere Fahrten und voraussichtlich höhere Schiedsrichterkosten. Wenn ein Verein einen kleinen Kader und eventuell keinen Unterbau hat, ist der Gesamtaufwand mit 22 Saisonspielen schon anspruchsvoll.

Ich hoffe, dass aus der Verbandsliga West alle Mannschaften im Falle des Erreichens der notwendigen Platzierung von ihrem Recht Gebrauch machen und den Weg miteinschlagen.

David Juncker (Trainer HSC Igel): Die Wege für dieses Leistungsniveau werden eindeutig zu weit! Sämtliche Vereine in dieser Liga spielen aus Spaß, manche Mannschaften (und sehr viele Spieler) genau wegen der nicht ganz so langen Wege in dieser Klasse. Sportlich wird die Liga nichts bringen. Im Rheinland-Pfalz/Saar-Bereich nach regionalen und verbandsübergreifenden Gesichtspunkten die Klassen einzuteilen, würde sehr viel mehr Sinn ergeben.

 Stand jetzt lägen für uns die neuen Gegner Weibern (122 Kilometer ein Weg), Kastellaun (111 Kilometer), Rhein-Nette (143 Kilometer), Horchheim (141 Kilometer), Bassenheim (127 Kilometer) und Güls (132 Kilometer) weit weg. Sollte sich eine rechtsrheinische Mannschaft qualifizieren sind wir schnell bei mehr als 150 Kilometern pro Weg.

Von Auswärtsspielen am Samstagabend kommen wir erst in der Nacht nach Hause – und  bei Ansetzungen um die Mittagszeit müssen wir früh aufbrechen. Für diejenigen, die samstags arbeiten müssen, ist das nicht immer zu schaffen.