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Norbert Stelmach: Wanderer zwischen Hunsrück, Eifel und Wittlicher Senke

TV-Serie „Handball ist unser Leben!“ : Norbert Stelmach: Wanderer zwischen Hunsrück, Eifel und Wittlicher Senke

Vielen Männern ist ihr Schnurrbart heilig. Das war auch bei Norbert Stelmach früher so – bis der Schnauzer nach Handball-Erfolgen auf schmerzhafte Weise abkam. Der Ex-Spieler und -Trainer blickt vor allem gerne auf ein ganz besonderes Pokerspiel zurück.

Er war Spieler beim TuS Daun, der HSG Wittlich und der HSG Irmenach – und später bei den HSGs auch Trainer: Norbert Stelmach wechselte zwischen dem Hunsrück, der Eifel und der Wittlicher Senke hin- und her.

„Zum Handball bin ich als 15-Jähriger über eine Handball-AG an unserer Schule in Kirchberg gekommen. Ich trat dann dem damals neu gegründeten HSV Kirchberg bei. Während meiner Bundeswehrzeit in Daun gehörte ich ab 1980 bis 1984 dem Oberligateam unter Jochen Scheler an. Ich spielte zwei Jahre in der Oberliga und zwei Jahre in der Regionalliga. Es waren tolle Jahre“, sagt Stelmach.

Der 61-jährige Polizeibeamte wechselte während seiner Polizeiausbildung in Wengerohr zur HSG Wittlich. Dort war er zwischen 1984 und 1986 aktiv. Über seinen Kollegen Stefan Koch kam der Kontakt zu HSG Irmenach-Kleinich zustande. Er trug das HSG-Trikot ab 1986 – und feierte gleich Erfolge. Unter Trainer Paul Schmitt gelang in der Saison 1987/88 der Aufstieg in der Oberliga, getoppt wurde dies dann von der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft: „Das sicherte uns den Aufstieg in die Regionalliga. Nach der Saison 1988/89 habe ich nach einem Bänderriss im Rahmen des Dienstsports meine aktive Zeit beenden müssen“, berichtet Stelmach, der fortan als Trainer arbeiten wollte.

Norbert Stelmach: Wanderer zwischen Hunsrück, Eifel und Wittlicher Senke
Foto: privat

„Axel Weinand holte mich nach Wittlich, wo ich 1989 die erste Herrenmannschaft übernahm, 1992 wurden wir Landesligameister und stiegen in die Oberliga auf. Die Klasse konnten wir aber nur eine Saison halten. Es war ein besonderes Gefühl, zum ersten Mal Meister als Trainer zu werden, damals mit einer tollen, handballverrückten Truppe. Im Endspiel um den Verbandspokal unterlagen wir dem damaligen Oberliga-Meister TV Bendorf mit Jörg Kühnhold zweimal nur knapp (19:21 und 19:22)“, schaut Stelmach zurück. Eine besondere Werbung für den Handballsport waren während seiner Zeit als Herrentrainer in Wittlich Freundschaftsspiele gegen den Vfl Gummersbach 1991 und die Grasshoppers Zürich 1992. Stelmach: „Nach einer starken ersten Halbzeit lagen wir gegen den Schweizer Rekordmeister zur Pause nur mit einem Tor zurück, in der Kabine der Gäste wurde es daraufhin etwas lauter!“

Obwohl Stelmach später mit seinem Hausbau beschäftigt war, überredeten ihn Weinand und Didi Beckhäuser erneut zu einem Engagement in Wittlich. Stelmach erinnert sich: „Beide standen bei mir im Rohbau und erklärten mit einem Grinsen im Gesicht: ,Du bist doch schon fast fertig.’ Ich übernahm dann die erste Herrenmannschaft ab der Saison 1996 bis 1999 wieder.“

Ab dem Jahr 2000 coachte Stelmach die erste Frauenmannschaft der HSG Wittlich, nachdem Heinz Hammann sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. „Wir stiegen zunächst aus der Regionalliga ab, belegten dann Platz zwei und wurden in der Saison 2002/03 Meister in der Oberliga. Zudem gewannen wir den Pokal“, schaut Stelmach mit Stolz zurück.

Norbert Stelmach: Wanderer zwischen Hunsrück, Eifel und Wittlicher Senke
Foto: privat

Besonders an das letzte Saisonspiel der Oberliga erinnert sich der mittlerweile in Wittlich heimisch gewordene Stelmach: „Es war das Pokerspiel meiner Trainerkarriere: Weibern II war der Topfavorit auf die Meisterschaft. Im Kader standen mehrere Spielerinnen mit Zweitliga-Erfahrung. Im Hinspiel hatten wir keine Chance, nach einem zwischenzeitlichen Acht-Tore-Rückstand verloren wir mit 21:24. Die Ausgangslage vor dem letzten Saisonspiel war spannend: Weibern II war verlustpunktfrei, wir hatten zwei Minuspunkte aus dem Hinspiel in Weibern. Sollten wir gewinnen, sollte es zwei Entscheidungsspiele um die Meisterschaft geben. Kurz vor Spielbeginn teilte der in der Halle anwesende damalige Bezirksvorsitzende Herbert Schuhmacher beiden Clubs mit, dass der direkte Vergleich entscheidend sei, es also auf jeden Fall an diesem Abend einen Meister geben wird.

Stelmach beriet sich mit Teambetreuerin Birgit Unger und Torwarttrainer Jürgen Unger. „Wir beschlossen, der Mannschaft nichts von dieser Regelung mitzuteilen. Der Druck, gewinnen zu müssen, war schon groß genug. Zwölf Minuten vor Spielende hatten wir den 11:14-Pausenrückstand aufgeholt und waren 21:20 in Führung gegangen. Weibern nahm die Auszeit, und ich sagte dem Team, wenn wir mit vier Toren gewinnen, steigen wir direkt auf. Alle schauten mich ungläubig an. Dann sagte Spielführerin Marion Reufsteck: ,Auf Mädels, die drei Tore schaffen wir auch noch.’ Die letzten Minuten waren ein Handballkrimi. Wir führten 65 Sekunden vor Schluss 26:22, Weibern verkürzte auf 23:26, noch 50 Sekunden standen auf der Uhr., Ich nahm meine Auszeit, wir spielten Heike Schäfer frei, die das 27:23 erzielte. Weibern versuchte es noch mit einer schnellen Mitte, aber der Ball ging am Tor vorbei. Wir jubelten, aus den Boxen dröhnte „We are the Champions“, die Zuschauer sahen sich fragend an und mussten aufgeklärt werden.“

Im Erfolg wurde es für Stelmach schmerzhaft: „Die Mädels wollten mir meinen Schnurrbart abrasieren. Ich konnte ihn zunächst noch retten. Ich wollte ihn mir erst abnehmen lassen, wenn wir auch den Pokal holen. Das Endspiel haben wir dann gegen Weibern II auch gewonnen. Jetzt war ich fällig. Leider war der Akku des Rasierers, den die Mädels organisiert hatten, nicht mehr ganz voll. Und so wurde es eine etwas schmerzhafte Angelegenheit.“

Norbert Stelmach: Wanderer zwischen Hunsrück, Eifel und Wittlicher Senke
Foto: privat

Nach seiner Zeit in Wittlich überredete ihn Bernd Kirst, die erste Herrenmannschaft der HSG Irmenach-Kleinich in der Oberliga zu übernehmen. Es war eine schöne Zeit, auch weil zu diesem Zeitpunkt viele junge Talente aus dem Nachwuchsteam zum Team stießen. Dazu zählte auch mein Sohn Christopher.“ Nach einer Spielzeit legte er jedoch sein Amt schon wieder nieder: „Es wurde immer schwieriger, mit 51 Jahren Trainings- und Spielzeiten mit Dienst- und privaten Terminen in Einklang zu bringen.“

Seit Beginn seiner Polizeiausbildung 1982 spielte Stelmach in verschiedenen Auswahlmannschaften seiner jeweiligen Dienststelle. Er nahm an zwei Vorrunden zur Deutschen Polizeimeisterschaft teil.

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Logo Serie Handball ist unser Leben! Foto: tv

Nach seiner aktiven Zeit übernahm Stelmach bei der Polizei die Betreuung der Handballauswahl seiner Dienststelle, mit der er einige Landesmeistertitel errang. Ab dem Jahr 2000 bestellte ihn der Verbands-Fachwart zum Landestrainer der Damen- und 2008 auch zum Landestrainer der Männer-Auswahl. Inzwischen hat sich Stelmach in die Beobachterrolle zurückgezogen: „Nachdem ich 2010 meine Trainerlaufbahn beendet hatte, habe ich auch im Dienst meinen Platz für die jüngere Generation geräumt. Seither steht die Familie im Vordergrund. Beim Handball bin ich Zuschauer, in erster Linie natürlich bei den Spielen meines Sohnes Christopher.“