1. Sport
  2. Sport aus der Region

Nürburg: „Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden“

Motorsport : „Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden“

„Zurück zu den Wurzeln“ lautet das Motto bei der Traditionsserie, die am Wochenende auf den Nürburgring zurückkehrt.

Seit dem 24-Stunden-Rennen im Juni fanden keine Motorsportveranstaltungen mehr auf dem Nürburgring statt. Die Hochwasserkatastrophe und als deren Folge eine Verwendung des Ring-Areals als Einsatzzentrale für die Hilfskräfte standen im Vordergrund. Events wie der Oldtimer-Grandprix wurden ins nächste Jahr verschoben. Am Wochenende geht es aber wieder los: Mit einer Rennserie, die eine lange Geschichte und viel Tradition in der Eifel hat, ab dieser Saison jedoch ein völlig verändertes Bild abgibt. Von der DTM (ehemals Deutsche Tourenwagenmeisterschaft und Deutsche Tourenwagenmasters) ist außer dem Kürzel nicht mehr viel übrig geblieben.

Nachdem neben Mercedes auch noch Audi den Rückwärtsgang bei der ehemaligen „Formel 1 mit Dach“ eingelegt hatte,  das Aston-Martin-Engagement nicht von langer Dauer und sportlich erfolglos war, blieb außer BMW kein Hersteller mehr übrig. DTM-Chef Gerhard Berger kämpfte vor allem in Japan um das Überleben der Serie mit den Silhouetten-Fahrzeugen der Premium-Hersteller. Die Super-GT-Autos von Honda, Toyota und Nissan wären die einzigen gewesen, die durch das gemeinsame Class-1-Reglement für einen Einsatz in der DTM infrage gekommen wären.

Am Ende scheiterte der Österreicher. Heraus kam schließlich ein Konstrukt, das nicht nur Freunde und Anerkennung fand, weil die Nähe zu anderen Rennserien vielen Betreibern ein Dorn im Auge war. Seit Beginn dieser Saison gehen an acht Rennwochenenden ausschließlich Boliden nach dem aktuellen GT3-Reglement in der neuen DTM an den Start. Mit privaten Kundenteams. Das Format ist jedoch geblieben:  Samstags und sonntags finden jeweils Sprint­rennen statt – ohne Fahrerwechsel, was die DTM von den ADAC GT Masters unterscheidet. Die unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte werden mittels einer sogenannten BOP (balance of performance) und einem reglementierten Erfolgsballast eingestuft, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.

In ihrer langen Geschichte hat die DTM schon einige technische Reglement-Änderungen erlebt. Gegenüber den bisherigen reinrassigen Renn-Prototypen (Class-1-Ära) gehen nun seriennahe Sportwagen an den Start. So setzt Mercedes AMG GT3 etwa auf einen Verbrenner mit 6,2 Litern Hubraum, während der Turbo von Ferrari mit 3,9 Litern deutlich kleiner ist. Audi wiederum befeuert mit einem Zehnzylinder, während die gesamte Konkurrenz auf Achtzylinder-Triebwerke setzt.

DTM-Oldie Mike Rockenfeller aus Neuwied begrüßt den Re-Start, nachdem es lange so ausgesehen hatte, als würde das traditionsreiche Kürzel aus der Motorsport-Szene verschwinden. „Manchmal muss man auch zu seinem Glück gezwungen werden.“ Und der alte und neue DTM-Boss Gerhard Berger, der monatelang um „seine“ Serie gekämpft hatte, zieht nach dem Start in Monza im Juni ein zufriedenstellendes Fazit. „Wir haben jetzt sechs Marken am Start. Das war genau das, was der Fan über Jahre wollte. Wir wollen die schnellste GT3-Serie weltweit werden.“

Beim vierten DTM-Wochenende dieser Saison (nach Monza, Lausitzring und Zolder) am Nürburgring wird Motorsport auf höchstem Niveau geboten. Die bisherigen Rundenzeiten sind schneller als bei den ADAC GT Masters. Allerdings: Das Niveau der Renn-Prototypen der vergangenen Jahre wird nicht erreicht.  Verzichten müssen die Fans am Ring auf ABT-Audi-Pilotin Sophia Flörsch, die die 24 Stunden von Spa fährt und von Markus Winkelhock ersetzt wird.

Aktuelle Ticket- und Zuschauerinfos unter www.nuerburgring.de