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Nürburgring: „Unsere Stärke ist die Vielseitigkeit“

Interview Mirco Markfort : „Unsere Stärke ist die Vielseitigkeit“

Der Nürburgring-Geschäftsführer spricht über Herausforderungen in Corona-Zeiten und äußert sich dazu, ob die Fans auf die Formel 1 hoffen können.

2021 wird ein Stück weit wie 2020 sein. Das gilt besonders für die Rennstrecke in der Eifel, die im Juni 94 Jahre alt wird. Das vergangene Jahr am „Ring“ stand ganz unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Die Saison konnte erst im Juni beginnen. Manches fiel ganz aus, manches fand ohne, manches mit Zuschauern statt –  wenn auch mit Beschränkungen. Dank eines ausgeklügelten Sicherheits- und Hygienekonzeptes wurde mit viel Akribie in der Eifel unter Auflagen umgesetzt, was umzusetzen war.

Was eigentlich nie mehr ein Thema zu werden schien, wurde dann in der Folge der weltweiten viralen Turbulenzen doch noch Gewissheit: Nach sieben Jahren kehrte die Formel 1 wieder an den Nürburgring zurück. 13 000 Zuschauer durften sich den Triumph des alten und neuen Weltmeisters Lewis Hamilton und das Abschiedsrennen des vierfachen Champions Sebastian Vettel auf deutschem Boden im Ferrari ansehen.

Und was wird 2021? Corona hält den Globus weiter in Atem. Nicht nur der Nürburgring wird in diesem Jahr kaum so sein wie in der Vor-Corona-Zeit. Der Profifußball flimmert nur auf der Mattscheibe, das IOC sperrt die „Jugend der Welt“ – zumindest als Stimmungsmacher auf den Rängen – von Tokio aus. Aber der Sport, auch der Motorsport und ganz besonders der Nürburgring, sind trotzig. Über das, was das kommende Jahr auf jeden Fall, vielleicht und eher nicht bringen wird, sprachen wir mit Mirco Markfort, Geschäftsführer der Nürburgring GmbH.

Auf was können sich die Fans in diesem Jahr freuen, welche Events stehen – immer noch unter Corona-Bedingungen – im Kalender?

MARKFORT Eigentlich sind es die sogenannten klassischen Motorsport-Termine, die bereits jetzt feststehen. Die pandemiebedingte Absage des Festivals Rock am Ring hatten wir bereits vor einiger Zeit kommuniziert. Wichtig für uns als Event- und Angebotsfläche für unterschiedliche Veranstaltungen ist aber die Tatsache, dass wir von Anfang März bis einschließlich Mitte November ausgebucht sind – und zwar an sämtlichen sieben Tagen in der Woche. Das gilt für Motorsport-Events, für Touristikfahrten, für Firmen-Veranstaltungen, für Dreharbeiten, aber auch für permanente Tests der Autoindustrie mit ihren neuen Produkten. Das Gewerbegebiet am Nürburgring ist ausgebucht, eine Erweiterung ist angedacht. Unsere Stärke ist unsere Vielseitigkeit. Und den Fans sagen wir: Der Motorsport kann kommen.

2020 hat Sie vor bis dahin ungeahnte Probleme gestellt. Was können Sie aus dem, was im vergangenen Jahr auf Sie zukam und wie sie darauf reagiert haben, für dieses Jahr lernen?

MARKFORT Wichtig ist vor allem, dass man Partner hat, auf die man sich verlassen kann. Diese Partnerschaften bestehen nicht nur für die kommende Saison weiter, wir haben sie gefestigt und ausgebaut. Wir tun unser Bestes, haben nach dem Ende der vergangenen Saison eine Manöverkritik gemacht und uns selbst gefragt: Was war gut, was war weniger gut, was können wir besser machen? Denn wir wussten natürlich, dass das noch nicht das Ende der Beschränkungen war.

Der Nürburgring hat etwa 200 Festangestellte und von Anlass zu Anlass bis zu 1000 Aushilfen. Wie lange lässt sich dieses Niveau unter diesen Umständen auf Dauer halten? Müssen Leute um ihren festen oder temporären Arbeitsplatz bangen?

MARKFORT Es gibt im Moment keine Überlegungen, daran etwas zu ändern. Natürlich hat uns die Pandemie im vergangenen Jahr wirtschaftlich geschwächt, aber ich denke, dass wir vieles richtig gemacht haben. In der zweiten Jahreshälfte hatten wir die Strecke komplett vermietet. Da kommt uns natürlich unsere Vielseitigkeit an möglichen Angeboten zugute. Aber so richtig garantieren kann man in diesen Zeiten wirklich nichts.“

Am Samstag beginnt mit dem ersten NLS-Rennen über die Nordschleife die Saison. Ab wann rechnen Sie wieder mit Fans?

MARKFORT Vorerst wird es noch Geisterrennen ohne Fans an der Strecke geben. Aber wir sind im ständigen Austausch mit den Genehmigungsbehörden. Die Zusammenarbeit mit Partnern ist in diesen Zeiten besonders wichtig und hat bereits im vergangenen Jahr hervorragend funktioniert. Wir können daher kurzfristig auf wechselnde Bedingungen des Pandemie-Geschehens eingehen. An der Umsetzung von zuschauerbezogenen Konzepten arbeiten wir und hoffen, dass wir sobald wie möglich auch möglichst vielen Motorsportfreunden Zugang gewähren können.

Was hat sich denn mit Beginn der neuen Saison für die Fans mit Ausnahme der Tatsache, dass sie zunächst noch vom Geschehen an der Strecke ausgesperrt sind, geändert? Was wird neu sein am „Ring ‘21?

MARKFORT Es hat sich eine Menge getan. So können alle Fans das Geschehen am Ring in Zukunft weltweit per Radio verfolgen. Bislang war Radio Nürburgring unter der Frequenz 87,7 nur im Umfeld des Rings zu empfangen. Wir haben unsere Partnerschaft mit dem Radiosender RPR1 ausgebaut. Dadurch hat das Ring-Radio auf den gängigen Radioplattformen, als Webchannel auf rpr.de und in der RPR1-App den Sprung ins Internet geschafft. Dazu wird es den Stream „Streckensprecher Nürburgring“ auf unserer Webseite geben, und wir haben unsere Partnerschaft mit der Performancemarke BMW M ausgebaut. Die neue Kooperation, die bis 2025 datiert, schließt neben einem Showroom im Ring-Boulevard weitere Veranstaltungen mit ein.

Corona hat Ihnen im vergangenen Jahr auch die Rückkehr der Formel 1 beschert. Können Sie sich das für dieses Jahr auch vorstellen?

 Nürburgring ... nachher
Nürburgring ... nachher Foto: Roland Grundheber
  Mirco Markfort ist seit 2016 Geschäftsführer am Nürburgring .
Mirco Markfort ist seit 2016 Geschäftsführer am Nürburgring . Foto: dpa/Thomas Frey

MARKFORT Wir haben im vergangenen Jahr eine gute Visitenkarte abgegeben. Das wurde uns von Seiten der Formel-1-Betreiber bestätigt. Was in diesem Jahr sein wird, kann man noch nicht sagen. Zunächst wurde ein an der Pandemie angepasster Terminkalender ausgegeben. Noch einmal: Wir verschließen uns der Formel 1 nicht, aber es muss sich schon alles auch betriebswirtschaftlich rechnen. Für alle gilt grundsätzlich: Egal, wer uns wann und unter welchen Bedingungen besucht: Er oder sie sollen wissen, dass sie auf das schönste Stück Asphalt zwischen Nord- und Südpol kommen dürfen.