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Para-Radsportlerin Maike Hausberger vor Weltcup und Weltmeisterschaft

Para-Radsport : Hausbergers Ziel: Als Weltcup-Führende rein, als Führende raus!

Nach der Enttäuschung über die Nicht-Berücksichtigung für die Paralympischen Spiele im vergangenen Jahr in Tokio geht die gebürtige Triererin Maike Hausberger als Führende ins Weltcup-Finale und die Weltmeisterschaften in Kanada.

(teu) Maike Hausberger kann nichts mehr so leicht aus der Ruhe bringen. „Eigentlich sollten wir einen Tag früher nach Quebec anreisen. Aber in Frankfurt haben wir keinen Platz im geplanten Flieger bekommen“, erzählt die in Butzweiler aufgewachsene Para-Radsportlerin, die am Olympiastützpunkt in Cottbus trainiert und für den Brandenburgischer Präventions- und Rehabilitationssportverein startet. Was manch einen vor weniger wichtigen Wettkämpfen als dem Weltcup-Finale der Para-Straßen-Radsportler und der Weltmeisterschaft unruhig werden lassen würde, nimmt Hausberger gelassen hin. Eine Nacht im Hotel in Frankfurt und nach der Ankunft in Kanada nur wenige Stunden Schlaf, weil das deutsche Weltcup-Team die Container mit ihren Fahrrädern ausräumen muss. Ist halt so!

Hausberger sieht das Positive: „Was hier gut ist: Schon am Montag, drei Tage vor Beginn der Wettkämpfe, war die Strecke abgesperrt. So konnten wir schon die Strecke besichtigen und abfahren.“ Sie kennt den etwa 17 Kilometer langen Parcours des Zeitfahrens am ersten Freitag im August also bereits. Zwei Tage später findet das Straßenrennen statt. In beiden Disziplinen geht Hausberger als Erstplatzierte an den Start. „Als Weltcup-Führende in die Rennen zu gehen, ist natürlich superschön! Ich habe auch vor, als Weltcup-Siegerin hier rauszugehen“, sagt sie selbstbewusst.

Vor exakt einem Jahr hatte sie dabei sogar schon daran gedacht, ihre Karriere zu beenden. Zum dritten mal nach 2012 und 2016 (jeweils als Leichtathletin) wollte sie zu den Paralympics. Doch für Tokio wurde sie auch als frischgebackene Weltmeisterin nicht berücksichtigt. Der Grund: Die Schadensklassen C1 bis C3 wurden zusammengelegt. Hausberger, die mit einer Spastischen Hemiparese (linksseitige Lähmungserscheinungen) geboren wurde, ist der Klasse C2 zugeordnet und hatte gegen die weniger stark beeinträchtigten C3-Sportlerinnen das Nachsehen.

Dass Hausberger die Klickpedale nicht an den Nagel gehangen hat, eine gute Entscheidung! „Die Saison lief bisher unerwartet gut. Ich hätte vor allem nicht gedacht, dass ich so stark im Zeitfahren sein würde“, erzählt die 27-Jährige. Beim ersten Weltcup im Ostende setzte sich überraschend gegen die letztjährige Europameisterin Flurina Rigling aus der Schweiz durch.

Trotz schlechter Voraussetzungen: „Ich musste als eine der Ersten starten und hatte daher keine Orientierung“, erzählt Hausberger. Die schwächeren Fahrerinnen, die vor ihr gestartet waren, hatte sie schnell eingeholt. Aber die vermeintlich Stärkeren gingen erst nach Hausberger auf die Strecke. Kurz nach der Wende stürzte sie zudem fast. „Ich war mit dem linken Fuß ausgeklickt und bis ich mit dem Fuß, mit dem ich ja sowieso keine so gute Koordination habe, wieder im Pedal war, das hat seine Zeit gedauert“, berichtet die Studentin.

Der Sieg im Straßenrennen von Ostende konnte Hausberger beim zweiten Weltcup wiederholen. Im Zeitfahren auf einer reinen Bergauf-Strecke, habe sie zu viel gewollt, habe zu schnell angefangen und musste sich Rigling geschlagen geben. Bei den Europameisterschaften in Österreich schnappte sich Hausberger den Zeitfahrtitel ihrer Schweizer Dauerrivalin, musste sich ihr im Straßenrennen aber geschlagen geben.

„Die Zeitfahren in Ostende und Österreich waren ideal“, sagt Hausberger, „ich wusste, ich gebe gerade alles, aber ich ziehe mir nicht den Stecker. Ich konnte mich immer gut kontrollieren.“ Dieses Gefühl hat ihr Selbstvertrauen für das Weltcup-Finale und die Weltmeisterschaft gegeben: „Ich gehe mit großen Hoffnungen in die Rennen in Kanada, aber auch mit der Gewissheit, dass ich es kann. Diese Gewissheit hatte ich vor der Saison noch nicht.“