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Podiumsdiskussion in Trier: Fußball nach Corona – eine Chance für die Vereine vor der Haustür

Podiumsdiskussion in Trier : Fußball nach Corona – eine Chance für die Vereine vor der Haustür

Wie beeinflusst die Pandemie den Volkssport? Wie den Profi- und Amateurbereich? Wie die Fanszenen? Bei einer Podiumsdiskussion in Trier gab’s nicht nur Schwarzmalerei.

Fanvertreter sitzen in der Corona-Krise derzeit zwischen den Stühlen. Einerseits verweisen sie angesichts von Geisterspielen darauf, dass Fußball ohne Anhänger nichts ist. Andererseits registrieren sie mit Bauchschmerzen, dass für die Rückkehr von Zuschauern in die Stadien aktuell nur personalisierte Tickets ausgestellt werden, um mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können. „Wir müssen wachsam sein, dass das später wieder zurückgenommen wird“, sagte Thomas Kessen mit Blick auf den jahrelangen Kampf der Fanszenen gegen personalisierte Tickets.

Der Sprecher des Fan-Bündnisses „Unsere Kurve“ war einer von sechs Gästen bei einer vom Fanprojekt Trier und der Gruppierung „Insane Ultra“ organisierten Podiumsdiskussion in der Tufa Trier. Thema: „Wendepunkt Corona – Wie ein Virus unseren Volkssport Fußball entlarvt.“

Mehrere Proficlubs waren wegen einer zwischenzeitlich ausgebliebenen Fernsehgeld-Zahlung an den Rand der Insolvenz geraten. „Dadurch verliert der Fußball seine Glaubwürdigkeit“, sagte Raphael Acloque, Vorsitzender des Supporters Club Trier. Alfons Jochem, Vorstandssprecher von Oberligist Eintracht Trier, meinte: „Der Fußball muss lernen, auch andere Werte zu vermitteln.“ Soziale, nicht nur monetäre. 

Corona hat die Diskussion über Reformen verstärkt. Kessen: „Jetzt gilt es unter Beweis zu stellen, ob der Profifußball Veränderungen auch wirklich will. Dafür wird die von der Deutschen Fußball Liga eingerichtete Taskforce ein Indikator sein.“

Wie können Therapien zur Behebung der Krankheitssymptome aussehen? „Vereine müssen angehalten werden, gesetzliche Rücklagen zu schaffen“, forderte Thorsten Fusenig, der neue Fanbeauftragte von Eintracht Trier. Lukas Keuser vom Fanprojekt Trier schlug vor, dass Clubs einen gewissen Prozentsatz des Jahresumsatzes in nachhaltige Projekte stecken müssten – in die Nachwuchsarbeit, die Fanarbeit, die Infrastruktur.

Corona trifft nicht nur den Profifußball – auch im Amateurfußball haben Clubs zu kämpfen. Mit ausbleibenden Spieltageinnahmen durchs Ticketing. Mit wirtschaftlichen Problemen ihrer Partner, die sich aufs Sponsoring auswirken. „Wir sind momentan wirtschaftlich nicht bedroht. Wir erfahren einen großen Zuspruch aus den Reihen der Sponsoren. Aber jedes Corona-Heimspiel kostet uns 15 000 bis 20 000 Euro. Das halten wir auf Dauer nicht durch“, sagte Jochem. Die Etatplanung sei konservativ erfolgt. Mit einem Schnitt von 1200 bis 1500 Fans könne der Club finanziell gut umgehen. Aktuell sind jedoch nur 500 Zuschauer pro Spiel im Moselstadion zugelassen.

Der Profifußball hat durch die Corona-Verwerfungen zurzeit an Rückhalt in der Bevölkerung verloren. Da­rin könnte eine Chance für die Vereine vor der Haustür liegen, glaubt Tim Etten von „Insane Ultra“: „Ich habe die Hoffnung, dass die Fans verstärkt wieder den Zugang zum lokalen Fußball finden.“ Persönliche Erfahrungen stützen die These. Fusenig: „Mich fragen Leute nach Tickets für Eintracht-Spiele, die schon fünf Jahre nicht mehr da waren.“

Es gibt also Lichtblicke am Horizont – doch es bleiben zunächst immense Herausforderungen der Gegenwart.