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Pölich: Kicken ohne Körperkontakt kann auch begeistern

Registrierungspflichtiger Inhalt: Fußball : Neue Spielform begeistert junge Kicker

Der Leiter einer Fußballschule von der Mittelmosel hat eine neue Herausforderung für Kinder entwickelt. Diese ist auch noch coronakonform.

Die monatelang in Corona-Zeiten so schwierige Situation für Mannschaftssportler hat Rainer Heiser genutzt und eine eigene Fußball-Spielform entwickelt. Technik, Motorik, Ausdauer, Reaktion, Kreativität und kognitive Eigenschaften: Diese Faktoren soll das „All in one“ fördern.

„Einerseits war es ja auch für Kinder generell länger nicht erlaubt, Einheiten mit Körperkontakt durchzuführen. Andererseits war und ist es auch mein großes Ziel, die Kids bei Laune zu halten und gerade den so wichtigen Wettkampfcharakter aufrechtzuerhalten“, sagt Heiser. Rund 40 junge Kicker zwischen sechs und 14 Jahren coachen er und sein Team, dem auch Melanie Schröter und Felix Hübner angehören. In Kleingruppen arbeitet die von Heiser gegründete Rabauken-Fußballschule seit vergangenem Sommer auf einem unter seiner Regie von einem früheren Tennisplatz in ein Kunstrasen-Kleinspielfeld umgewandelten Areal in unmittelbarer Nachbarschaft zur Sportanlage des SV Pölich-Schleich, zu dem der Mehringer gute Kontakte unterhält.

Mit seinem speziellen Trainingsprogramm „Teckno-Fun“, das sich aus den Begriffen Technik, Koordination und kognitiv zusammensetzt, ist Heiser bereits seit sieben Jahren am Start. „Wir wollen da ansetzen, wo das Vereinstraining oft zu kurz kommt, weil dafür meist überhaupt keine Zeit ist. Unser Ansatz ist es, dem jungen Fußballer helfen, im Spiel die richtige Entscheidung zu treffen. Wir möchten stimulieren statt instruieren“, betont er.

Die Heiser’sche Spielform verlangt dem jungen Fußballer einiges ab: An den langen Seiten des Rechtecks auf einem Teil des mit Kork befüllten Soccer-Spielfelds hat er je drei Minitore aufgestellt. Die beiden Zwölfjährigen Nino und Vincent von der Bezirksliga-C-Jugend des TuS Mosella Schweich sind an diesem Samstagmorgen zu Gast. Dass es mitten im Mai regnerisch und kühl ist, stört die beiden nicht. Sie kommen schnell auf Touren. Es gilt, eines der drei gegenüberliegenden und vom jeweils anderen zu verteidigenden Gehäuse zu treffen. In der Mitte markierte Sperrzonen dürfen nicht bespielt werden, und sie machen das Feld enger. Die dazwischen liegenden Korridore müssen stattdessen genutzt werden. Es geht hin und her. Auf Kommando wechseln Nino („Man muss sich sehr konzentrieren und den Ball immer eng am Fuß führen.“) und Vincent („Das ist sehr intensiv, man muss schnell wissen, was man macht.“) auch mal die Seiten. Später wird das Rechteck um zwei Tore erweitert. Die ebenfalls bei der Mosella kickenden D-Junioren Lias und Jakob (beide elf) kommen hinzu. Auch sie sind mit großem Eifer und vollem Einsatz bei der Sache. „Diese Spielform hat so viel zu bieten – deshalb der Name ‚All in one‘, alles in einem. Die Jungs müssen permanent aufpassen, sind über mehrere Minuten hinweg voll gefordert“, berichtet Heiser.

 Rainer Heiser präsentiert das von ihm ausgearbeitete Konzept des „All in one“.
Rainer Heiser präsentiert das von ihm ausgearbeitete Konzept des „All in one“. Foto: Andreas Arens

Gerne stelle er Vereinen seine Idee beim jeweiligen Mannschaftstraining vor, begrüßt es aber auch, wenn er möglichst viele Nachahmer findet. Die technischen Voraussetzungen sind vom Grundsatz her gering: „Es fällt einem immer was ein, wenn er das will. Da kann man auch Stäbe in den Boden rammen oder Hütchen aufstellen. Man kann sich Matten im Baumarkt kaufen und dann die Linien schneiden – oder die Sperrzonen auch mit Kreide markieren, wenn man es etwa zuhause in der Garageneinfahrt spielt.“

Nach ein paar erfolgreichen Saisons als Jugendtrainer habe er sich vor einigen Jahren gefragt, ob das, was da so geübt werde, überhaupt richtig und altersgemäß sei. Heiser begann, sich zu informieren, suchte nach Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und machte unter anderem auch einen sechsmonatigen Kurs  zum „ganzheitlichen  Gedächtnistrainer“. Er lernte schon vor Jahren beim Schweizer Experten für die inzwischen auch vom DFB so beworbene Funino-Spielform, Stevie Brunner, und ist ein Verfechter einer speziellen Lauf- und Schnelligkeitsmethode („Tanner-Speed“).

Heisers Ziel ist es nicht, jungen Kickern das Fußballspielen an sich beizubringen: „Wir machen hier keine Passübungen, möchten uns abheben von den normalen Zusatz- und Fördertrainings. Wir gehen auf den Einzelnen ein und wollen den Bogen von der Handlungsfähigkeit bis hin zur Handlungsschnelligkeit spannen. Dazu benötigt man eine gute gesicherte Technik, einen stabilen Körper und hohe Denkflexibilität.“ So wie mit dem „All in one“. Auch, wenn es eines Tages keine Einschränkungen mehr wegen Corona gibt, dürfte diese Spielform immer noch nützlich sein.

Ein Videointerview mit Rainer Heiser gibt es auf der Facebookseite von FuPa-Rheinland. Weitere Infos unter www.teckno-fun.de