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Rollstuhlbasketball: Dirk Passiwan - Erst Papa, dann Bundestrainer

Rollstuhlbasketball : Dirk Passiwan: Erst Papa, dann Bundestrainer

Was für eine Woche für den Spielertrainer des Bundesligisten Dolphins Trier: Für den 45-Jährigen ändert sich auf einen Schlag der Alltag. Wie er damit umgeht, welche Pläne er hat.

Turbulent – mit diesem Wort sind die vergangenen Tage von Dirk Passiwan noch unzureichend beschrieben. Der Spielertrainer des Rollstuhlbasketball-Bundesligisten Dolphins Trier ist im Dauerstress und auf einer emotionalen Achterbahnfahrt.

Binnen kurzer Zeit ergeben sich im Leben des 45-Jährigen ganz neue Perspektiven. Da ist zum einen die Geburt seines Söhnchens Dino am vergangenen Dienstag um 6.02 Uhr. Das Kind ist wohlauf – und Mutter Nathalie (Spielerin bei den Dolphins) ist es inzwischen auch wieder. Sie hatte nach der Geburt über starke Kopfschmerzen geklagt, was ihrem Ehemann wiederum Kopfzerbrechen bereitet hatte. „Bei der Geburt dabei gewesen zu sein, ist ein sensationelles Erlebnis“, schildert Passiwan, vollgepumpt mit Glückshormonen, seine Gefühlslage.

Einen Tag später ereilte den Mister Rollstuhlbasketball in Deutschland die nächste freudige Kunde. Passiwan wird neuer Bundestrainer der Damen-Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft. Er hatte sich auf die Stelle beworben und vergangene Woche ein Online-Vorstellungsgespräch mit der Spitze des Deutschen Behindertensportverbands gehabt. Unter anderem mit dabei: Sportdirektor Frank-Thomas Hartleb und Athletensprecherin Mareike Miller. „Ich war schon angespannt, auch wegen der ungewohnten Online-Situation“, berichtet Passiwan.

Der 45-Jährige, der mit seiner Frau Nathalie und nun auch Söhnchen Dino in Kenn lebt, überzeugte. Er machte das Rennen  und wurde telefonisch von Hartleb über seine Einstellung informiert.

Das Amt des Frauen-Bundestrainers ist ein Vollzeitjob. Das heißt: Passiwan scheidet vorerst aus seinem bisherigen Beruf als Personalsachbearbeiter in einem Trierer Steuerbüro aus. „Ich werde freigestellt, kann aber zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückkehren“, erläutert Passiwan.

Seine Funktion als Spielertrainer der Dolphins Trier wird der frisch gebackene Papa aber beibehalten: „Ich habe noch Lust, weiterzuspielen. Aber natürlich müssen und werden wir darauf hinarbeiten, dass die Mannschaft irgendwann auch ohne mich auskommt.“

Einen direkten Schlussstrich zieht Passiwan unter seine Nationalmannschaftskarriere als Spieler. „Ich hatte – nicht zuletzt aus gesundheitlichen Gründen – schon länger den Gedanken, als Nationalspieler zurückzutreten. Ich denke, jetzt ist der richtige Zeitpunkt“, sagt Passiwan, der an insgesamt drei Paralympics (2008, 2012, 2016) teilgenommen sowie Europameisterschafts-Silber (2011) und -Bronze (2015) gewonnen hat.

Mit dem Frauen-Nationalteam steht Passiwan direkt vor einer großen Bewährungsprobe. In gerade mal fünfeinhalb Wochen steht in Madrid die Rollstuhlbasketball-Europameisterschaft an.

„Wir befinden uns ein bisschen im Neuaufbau, und langfristig ist das Ziel, wieder eine starke Nationalmannschaft aufzubauen. Für mich geht es nun in erster Linie darum, mit allen Spielerinnen aus dem erweiterten Paralympics-Kader zu sprechen und ihre Bereitschaft für die EM abzuklären. Viele haben für Tokio ja schon ihren ganzen Jahresurlaub aufgebraucht“, sagt der 45-Jährige, der zudem seinen Betreuerstab (Co-Trainer, Physios, Ärzte) zusammenstellen muss.

„Auf mich wartet eine spannende Aufgabe“, sagt Passiwan. Und ein aufregendes Leben mit dem Nachwuchs.