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Salmrohr/Mehring: Der lange Weg zurück

Fußball : Der lange Weg zurück

Wenn der FSV Salmrohr am Sonntag ab 14 Uhr im Salmtalstadion in einem Nachholspiel der Fußball-Oberliga die TuS Koblenz empfängt, steht mit Christian Schroeder ein Akteur im Kader der Gastgeber, dessen Laufbahn nach einer schlimmen Verletzung bereits beendet schien. Wie es der Angreifer geschafft hat, sich nach einer schweren Verletzung und über achtjährigen Pause wieder zurückzukämpfen.

Die Geschehnisse am 12. Oktober 2013 wird Christian Schroeder sicher sein Leben lang nicht vergessen: In der 39. Minute der Salmrohrer Oberligapartie bei Röchling Völklingen (0:1) stürmte Idir Meridja dem schnellen FSV-Angreifer entgegen, grätschte mit vorgestreckter Sohle in dessen Beine und foulte ihn brutal. Schroeder wälzte sich schreiend auf dem Boden. Soeben hatte er einen Schien- und Wadenbeinbruch erlitten. „Es hat laut geknallt. Mein rechtes Bein stand komplett in die andere Richtung. Das war ein Riesenschock“, erinnert sich der heute 28-Jährige, der damals schon einen ersten größeren gesundheitlichen Rückschlag erlebt hatte, aber dennoch auf einem vielversprechenden Weg schien.

Vom heimatlichen SV Mehring aus – in der Moselgemeinde wohnt Schroeder auch heute noch – war er einst in die Regionalliga-B-Jugend der Trierer Eintracht gewechselt. Als A-Junior kollabierte dem damals wie heute physisch starken, durchsetzungsfreudigen Offensivmann die Lunge. „Nach einem halben Jahr Pause war klar, dass ich vier Mal wöchentliches Training gesundheitsbedingt nicht mehr packe“, erzählt Schroeder. Er ging zum FSV Salmrohr, wo er zwar weiter in der Nachwuchs-Regionalliga spielen konnte, dort aber etwas weniger trainiert wurde. Später erkämpfte sich der talentierte Stürmer schnell einen Stammplatz in der ersten Mannschaft des FSV, die seinerzeit weit vorne in der Oberliga mitmischte und am Ende der Saison 2013/14 erst in den beiden Aufstiegsspielen gegen den FC Nöttingen an der Rückkehr in die Regionalliga scheitern sollte.

„Es gab Kontakte zum 1. FC Saarbrücken und zu U23-Mannschaften von Profivereinen. Ich wollte nach meinem Abitur Sport studieren. Alles war bei mir auf den Sport fokussiert – und auf einmal geht gar nichts mehr …“ Bereits kurz nach der rüden Attacke des Völklingers Meridja habe er zu seinem herbeigeeilten Vater Elmar gesagt, dass er wohl nie wieder Fußball spielen könne. Lange Zeit sollte er mit dieser Aussage auch recht behalten. Der Schien- und Wadenbeinbruch zog ein sogenanntes Kompartmentsyndrom nach sich. Muskeln und Nervengewebe starben ab. Während des sechswöchigen Krankenhausaufenthalts in Saarlouis wurde Schroeder wegen der aufgetretenen Komplikationen insgesamt acht Mal operiert. Eine einmonatige Reha beim international anerkannten Fitmacher Klaus Eder im bayrischen Donaustauf schloss sich an. Danach behandelte ihn sein damaliger Salmrohrer Teamkollege und Physiotherapeut Dominik Zwick (spielt inzwischen für Bezirksligist SG Saartal-Schoden) ein Jahr lang wöchentlich drei Mal. Schroeder kämpfte sich durchs Aufbautraining. Doch immer wieder machten ihm körperliche Rückschläge zu schaffen, darunter ein Patellaspitzensyndrom. Nach zwei Jahren gab Schroeder auf. Frustrierend war für ihn auch, dass er den Völklinger Meridja unterm Strich erfolglos wegen Körperverletzung verklagt hatte.

Dem Fußball blieb Schroeder verbunden, wollte junge Talente fördern. Vier Jahre lang coachte er Nachwuchsteams in Salmrohr, begleitete dabei auch seinen Bruder Michael, der später zum 1. FC Kaiserslautern wechselte und seit vergangenem Sommer für die SV 07 Elversberg in der A-Junioren-Regionalliga spielt.

 Christian Schroeder
Christian Schroeder Foto: Fupa Verein

Ab und an kickte Christian Schroeder noch aus Spaß. „Und als mein Arbeitskollege Daniel Bartsch mich dazu ermunterte, ich solle es doch einfach noch mal versuchen, bin ich mit ihm zum Training nach Salmrohr.“ Nach den ersten Gehversuchen im November und Dezember („Es war einfach noch mal ein super Gefühl, auf dem Platz zu stehen und mit den Jungs in der Kabine zu sein.“) stieg der bei einem Versicherungsmakler in Luxemburg-Stadt tätige Schroeder ab Mitte Januar in die Wintervorbereitung ein.

Trainer Lars Schäfer baute den Angreifer Schritt für Schritt auf und gab ihm in den Tests mehr und mehr Einsatzzeiten, im Duell gegen den Luxemburger Zweitligisten Steinsel (4:0) sogar rund eine Stunde lang. „Fußball ist wie Fahrradfahren. Das verlernt man nicht“, hatte Schäfer bereits vor Wochen gesagt. Durch seine Eindrücke aus den vergangenen Wochen sieht er sich in dieser Aussage bestätigt: „Chris hat sich von Einheit zu Einheit gesteigert. Er strahlt Torgefahr aus und hält sich auch an die taktischen Vorgaben“. Der Salmrohrer Trainer zieht sogar in Erwägung, ihn gegen Koblenz womöglich von Beginn an auflaufen zu lassen.

Nach der jahrelangen Pause melde sich der Körper schon noch, verrät Schroeder. „Die Belastungen gehen nicht spurlos an einem vorbei.“ Der FSV-Mannschaft bescheinigt Schroeder Potenzial: „Die Jungs sind willig, nur brauchen sie auf dem Platz noch eine Führung. Es fehlt einigen noch an Konstanz.“

 Schlimm war Schroeders Bein nach dem Foul in Völklingen zugerichtet (Die Aufnahme entstand nach einer der insgesamt acht Operationen)
Schlimm war Schroeders Bein nach dem Foul in Völklingen zugerichtet (Die Aufnahme entstand nach einer der insgesamt acht Operationen) Foto: Christian Schroeder

Mit seinen 28 Jahren zählt der Comebacker nun schon zu den älteren Kräften in der Mannschaft. Bis Sommer will er „alles dafür geben, dass der FSV Salmrohr den Klassenverbleib schafft“. Und danach? So weit will Schroeder noch nicht blicken. Dafür hat er im Laufe seines Fußballerlebens schon zu viele Rückschläge hinnehmen müssen …