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Schwimmerin Celine Rieder aus Wittlich genießt jeden Moment in Tokio

Schwimmen : Celine Rieder aus Wittlich: „Ich genieße jeden Moment“

Die Faszination Olympia – sie lebt trotz aller Corona-Beschränkungen. Zu spüren ist das unter anderem bei der 20-jährigen Schwimmerin, die an diesem Montag ihren Vorlauf über 1500 Meter Freistil absolviert. In der Region Trier werden ihr kräftig die Daumen gedrückt.

Wer verstehen will, welch’ große Faszination die Olympischen Spiele auf die Topathleten selbst unter den strengen Corona-Bedingungen ausüben, muss nur den Worten der aus Wittlich stammenden Schwimmerin Celine Rieder lauschen: „Ich genieße jeden Moment. Das Gefühl, jetzt tatsächlich dabei zu sein, ist unbeschreiblich“, teilte die 20-Jährige dem TV vor ihrem Start im Vorlauf über 1500 Meter Freistil an diesem Montag  um 13.26 Uhr deutscher Zeit per Sprachnachricht mit.

Rieder feiert Premiere bei Olympia, und ist ergriffen von den Eindrücken – selbst wenn es kein Entrinnen der Blase zwischen der Unterkunft und der Schwimmhalle gibt. „Die Atmosphäre im Olympischen Dorf ist super. Es ist schön, mit so vielen Sportlern an einem Ort gemeinsam unterzukommen und im Vorbeigehen immer wieder neuen und bekannten Gesichtern zu begegnen“, sagt Rieder, die sich ihre ersten sportlichen Meriten beim PSV Wengerohr und dann beim SSV Trier verdient hat.

„Wir sind super stolz auf Celine, ihre Leistungsentwicklung ist toll“, sagt Katrin Radeck, Vorsitzende des SSV Trier, im TV-Gespräch. Schon früh habe sich abgezeichnet, dass es Rieder in die nationale Spitze schaffen wird: „Jemand, der so eine gute Regenerationsfähigkeit, solch einen Biss, Ehrgeiz und Willen sowie so ein Wahnsinnstalent hat, musste das einfach schaffen“, lobt Radeck. Einige Vereinsmitglieder sind weiterhin mit Rieder freundschaftlich verbunden, vor den Olympischen Spielen wurden eifrig Nachrichten geschrieben. „Wir wünschen Celine einen Mega-Erfolg – und dass sie die beste Leistung abrufen kann“, sagt Radeck.

Mit sieben Jahren begann Rieder einst mit dem Schwimmen, schon mit 14 Jahren zog sie aus dem Elternhaus in Wittlich aus, um im Sportinternat in Saarbrücken ihre Schwimm-Karriere zu forcieren. Kein einfacher Schritt für die Eltern Bernd und Elke Rieder: „Diesen Abnabelungsprozess machen alle Eltern durch, vielleicht nicht in so jungen Jahren, aber früher oder später ist es dann so weit. Wir hätten uns als Eltern natürlich gewünscht, als Familie noch einige Jahre zusammen mit Celine verbringen zu können, aber nach kurzer Eingewöhnungsphase haben sich alle an die neuen Lebensumstände gewöhnt. Wir haben sehr früh gemerkt, dass der Leistungssport im Leben von Celine einen sehr hohen Stellenwert hat und sind dann gerne ihrem Wunsch auf den Wechsel ins Sportinternat nachgekommen“, sagt Papa Bernd Rieder zum TV.

Schwimmerin Celine Rieder aus Wittlich genießt jeden Moment in Tokio
Foto: Screenshot Instagram

Zwei Jahre später erfolgte der nächste Schritt – zur Neckarsulmer Sport-Union. Dort gründete die Langstreckenspezialistin mit Schwimmkollegin Annika Bruhn eine Wohngemeinschaft. Bruhn ist ebenfalls bei Olympia dabei – für sie sind es bereits die dritten Sommerspiele. „Annika und ich verstehen uns super, wir unterstützen uns gegenseitig. Wir kennen uns jetzt schon sehr lange. Wir haben knapp zwei Jahre zusammengewohnt. Wir sind ein eingespieltes Team“, sagt Rieder, die nebenbei Digital Business an einer Fernuniversität studiert.

Rieder hat bereits einige nationale und internationale Erfolge errungen. Unter anderem wurde sie 2017 Deutsche Meisterin über 1500 Meter Freistil. 2019 gab’s über diese Strecke Silber – ebenso wie über 800 Meter Freistil und 400 Meter Freistil.

Im April dieses Jahres schaffte Rieder auf der 1500-Meter-Freistil-Strecke die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio. Aus Sicht ihrer Eltern angesichts der Umstände alles andere als eine Selbstverständlichkeit: „Wir haben natürlich fest die Daumen gedrückt und gehofft, dass es klappt. Für alle Sportler war es eine aufregende und ereignisreiche Olympiavorbereitung, gerade durch die eingeschränkten Trainingsbedingungen sowie die lange coronabedingte wettkampflose Zeit und die damit verbundene schwierige Einschätzung des aktuellen Leistungsstands. Umso mehr hat es uns gefreut, dass Celine am Ende die Qualifikationszeit so deutlich unterbieten konnte.“

An diesem Montag zählt’s für die Wittlicherin im 2020 fertiggestellten Tokyo Aquatics Centre, dessen Dimensionen Rieder beeindrucken. Die Halle bietet Platz für bis zu 12 000 Zuschauer. Doch die Ränge bleiben coronabedingt weitgehend leer. Stimmungslos wird’s trotzdem nicht zugehen. „Auf den Tribünen werden Mitglieder unserer Nationalmannschaft sowie viele weitere Sportler anderer Nationen sein. Sie machen dann umso mehr Stimmung“, sagt Rieder.

Schwimmerin Celine Rieder aus Wittlich genießt jeden Moment in Tokio
Foto: "m_wil" <m_wil@volksfreund.de>

Und vor dem Fernseher beziehungsweise über die digitalen Kanäle werden ihre Eltern in Wittlich mitfiebern – „wahrscheinlich mit einem annähernd hohen Puls wie die Athleten vor Ort in Tokio“, wie Papa Bernd Rieder prophezeit.