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SFG Bernkastel-Kues in der Corona-Krise: „Uns fehlen Erträge im hohen fünfstelligen Bereich“

SFG Bernkastel-Kues : „Uns fehlen Erträge im hohen fünfstelligen Bereich“

Wie sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie? Und wie geht’s weiter? Der TV hat beim SFG Bernkastel-Kues nachgefragt. Der Vorsitzende Günter Wagner beschreibt die Lage.

Hätten Sie sich vom jüngsten Bund-Länder-Treffen kurzfristige Lockerungen für den Sport gewünscht? Wenn ja: Welche?

Wagner: Ich hätte mir zweifellos mehr Lockerungen für den Sport gewünscht und schließe mich in dieser Hinsicht der Auffassung unseres Präsidenten des DOSB Alfons Hörmann sehr gerne an. Auch wir haben in den letzten Monaten unsere Hausaufgaben gemacht und besonders was die Hygienekonzepte tangiert, sehr diszipliniert und auch sehr verantwortungsbewusst gehandelt, womit allerdings auch ein entsprechend hoher administrativer Aufwand verbunden war. Ohne die sportlichen Aktivitäten im Freien möchte ich dabei besonders den REHA-Sport, sämtliche Kursangebote einschließlich Wassergymnastik, das Fitnessstudio und die Tennishalle herausstellen. Da haben unsere hauptamtlichen Mitarbeiter und alle Übungsleiter ganz hervorragende Arbeit geleistet.

In allen Segmenten unseres sehr breiten sportlichen Angebotes hatten wir bis zu dem in diesem Monat verhängten Lockdown „Gott sei Dank“ keine einzige Infektion in unseren Sportgruppen mit dem Corona Virus.

Welche längerfristige Perspektive für den Amateur- und Breitensport ins nächste Jahr hinein hätten Sie sich erwartet?

Wagner: Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten und kommt dem sogenannten Blick in die Glaskugel gleich. Es ist für unsere Politiker in den Parlamenten derzeit sicherlich äußerst schwierig, längerfristige Entscheidungen hinsichtlich der notwendigen Restriktionen zu treffen. Selbstverständlich gehen meine Erwartungen aber dahin, dass wir möglichst ab Januar, wenn auch vielleicht eingeschränkt, wieder starten können. Das wäre mein größter Wunsch.

Tatsächlich sieht es momentan aber so aus, dass die Corona-Regelungen und deren wahrscheinliche Verlängerung auch über den Januar 2021 hinaus gehen, was unseren Verein vor allem im Wettkampf-, Reha-, Schwimm- und Breitensport extrem hart trifft, weil der zurzeit komplett ruht. Meine Sorgen werden daher von Woche zu Woche nicht weniger. Sollte der Sport-Stillstand bis ins nächste Jahr hinein anhalten, werden auch wir sehr wahrscheinlich massive Probleme bekommen.

Was sagt Ihr Bauchgefühl: Wie geht’s ab Januar weiter?

Wagner: Ich kann nur hoffen, dass wir vielleicht im Januar zumindest wieder mit einigen Abteilungen an den Start gehen können. Das gilt besonders für unser Fitnessstudio, die Reha-Kurse und den Tennissport.

Was mein Bauchgefühl allerdings angeht, halte ich es mit einem Zitat aus Goethes Faust:

„Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“.

Welche Auswirkungen hat das Corona-Jahr 2020 bislang konkret für Ihren Verein?

Wagner: Die derzeitige Situation hat sich besonders in den Kernbereichen unseres Vereins bemerkbar gemacht, was sich besonders nachteilig beim Mitgliederbestand, der Personalstruktur im Hauptamt und dem Vereinsbudget auswirkt.

Wir registrieren jetzt bereits einen Mitgliederschwund, der durch die Neuaufnahmen leider nicht kompensiert werden kann. Vor diesem Problem stehen wir sicherlich nicht alleine da. Vielmehr ist dieser Trend in fast allen Vereinen festzustellen. Denn wer tritt schon in einen Verein ein, dessen Angebot gerade auf „Null“ heruntergefahren werden muss?

Da wir mit unseren rd. 2.000 Mitgliedern neben ca. 40 Übungsleitern auch 8 Vollzeitkräfte beschäftigen nehmen wir auch eine Fürsorgepflicht hinsichtlich des Erhalts die Arbeitsplätze wahr und hoffen, dass sich die Situation so bald wie möglich entschärfen wird und unsere Arbeitnehmer von der Kurzarbeit wieder in die Vollbeschäftigung wechseln können.

Darüber hinaus hat uns auch die nicht im Finanzplan berücksichtigte Umsetzung der Hygienekonzepte finanziell nicht unerheblich belastet, weil wir alle von uns genutzten Sportanlagen etc. entsprechend der gesetzlichen Vorgaben ausrüsten mussten.

Inwieweit kamen und kommen die Ehrenamtlichen in Ihrem Verein an Ihre Grenzen?

Wagner: Bei den in unserem Vorstand agierenden Ehrenämtlern hat sich im Tagesgeschäft durch die Situation nicht viel geändert, weil die hiermit einhergehenden administrativen Arbeiten und einzuleitenden Maßnahmen von unserem Geschäftsführer und seinen Mitarbeitern/innnen sehr professionell erledigt werden.

Wie groß ist bislang quantitativ der Mitgliederschwund? In welchen (Alters-)Schichten findet er statt?

Wagner: Mit dem Mitgliederschwund liegen wir in etwa im Bundesdurchschnitt. Bisher sind 308 Mitglieder ausgetreten.

Wie sehr bricht durch Corona die Zahl an Neuanmeldungen ein?

Wagner: Bei den Neuanmeldungen tut sich der aktuellen Situation geschuldet im Moment so gut wie nichts, weil die Gruppen aufgrund der Corona-Regeln verkleinert werden mussten (qm-Zahl der Räume usw.) und dies den Neuzugängen entgegensteht.

Dazu: Welche Folgen hat Corona in Ihrem Verein für den Kinder- und Jugendsport?

Wagner: Für unseren Verein mit immerhin über 600 Mitgliedern/innnen im Jugendbereich hat das Verbot der sportlichen Betätigung für Kinder- und Jugendliche ganz erhebliche Folgen, weil der komplette Wettkampfsport eingestellt ist und dadurch sehr wahrscheinlich auch die Motivation für die Zukunft nachlässt. Darüber hinaus ist zu befürchten, dass uns viele Jugendliche verlorengehen, weil das mediale Angebot mittlerweile sehr groß ist.

Vor dieser Entwicklung und den langfristigen Folgen für Kinder und Jugendliche warnen auch die Sportbünde und sehen darin eine Besorgnis erregende Entwicklung – denn Sport und Bewegung sind grundlegende Pfeiler in der Entwicklung von Körper und Geist eines jeden Menschen, insbesondere im Kindes- und Jugendalter. Es muss also verhindert werden, dass unsere jugendlichen Mitglieder/innen das Verhalten aus dem Lockdown beibehalten und zur Gewohnheit werden lassen. So weisen auch die Sportwissenschaftler darauf hin, dass der Anteil der Jugendlichen in Deutschland, die sich schon vor dem Lockdown zu wenig bewegt haben, sehr hoch sei und Drei Viertel der Mädchen und Jungen zwischen 12 und 18 Jahren nicht auf die empfohlenen 90 Minuten Bewegungszeit pro Tag in moderater bis hoher Intensität kommen, so die Experten.

Dies alles bereitet natürlich auch uns sehr große Sorgen.

Und grundsätzlich gefragt: Welche Strukturen sind mittelfristig in ihrer Existenz bedroht?

Wagner: Existenzielle Ängste müssen wir uns derzeit nicht machen, weil die Strukturen unseres Vereins durch die Harmonisierung von Haupt- und Ehrenamt über Jahrzehnte gewachsen und gefestigt sind. Allerdings gilt diese Aussage nur temporär, weil auch wir die Auswirkungen der Pandemie dauerhaft auch nicht verkraften können.

Wie groß sind die finanziellen Belastungen für den Verein? Wodurch werden Sie konkret verursacht?

Wagner: Durch das Wegbrechen unserer vielen Kursangebote und den Rückgang der Mitgliederzahlen fehlen uns natürlich auch die hierdurch generierten Erträge, die sich im hohen fünfstelligen Bereich bewegen.

Inwieweit helfen Ihrem Verein die von der Politik aufgelegten Hilfsprogramme?

Wagner: Das Zehn-Millionen-Euro-Programm des Landes hat uns leider nicht geholfen, weil hier sehr strenge Maßstäbe angelegt worden sind. Demnach konnten Vereine diese Finanzhilfen nur erhalten, wenn Sie entweder nicht mehr liquide waren, vor der Insolvenz stehen oder noch über Rücklagen verfügen.

Mehr verspreche ich mir jedoch von der sogenannten „Novemberhilfe“ (Überbrückungshilfe“ des Bundes), die ab sofort beantragt werden kann und finanziell sicherlich weiterhilft.

Welche Aktionen/Entwicklungen im Corona-Jahr 2020 in Ihrem Verein machen Ihnen Mut für die Zukunft?

Wagner: Trotz aller Probleme, die uns durch die Pandemie ereilt haben, schaue ich doch zuversichtlich in das nächste Jahr und verbinde dies mit dem Wunsch, vielleicht im Frühjahr wieder durch-starten zu können. Besonders positiv ist, dass sich auch sehr viele Mitglieder solidarisch zeigen und unsere Mitarbeiterinnen und Übungsleiter sehr kompetent und souverän mit der Situation umgegangen sind.