Skispringer Markus Eisenbichler im Gespräch: Erst Schuhplattler, dann Kraft tanken

Kostenpflichtiger Inhalt: Vor Vierschanzen-Tournee : Skispringer Eisenbichler im Gespräch: Erst Schuhplattler, dann Kraft tanken

Vor dem Start der Vierschanzen-Tournee hat Volksfreund.de mit dem Skispringer Markus Eisenbichler gesprochen: Warum der Dreifach-Weltmeister locker ist und ein gutes Gefühl hat.

Wenn Markus Eisenbichler eines nicht minder perfekt kann als das Skispringen und im Smoking einen Schuhplattler aufs Parkett zu gen, dann ist es jene individuelle Fähigkeit, um die ihn auch viele seiner Kollegen beneiden: Abschalten von 100 auf Null.  Zu seinen Wurzeln und  sich selbst finden.  Ruhe bewahren und innere, mentale Kraft tanken.  Ganz weit weg vom medialen Hype des Ski- und Schanzen-Zirkus. Und vor allem: sich nicht verrückt machen lassen, dem eigenen Können vertrauen.

Nein, er sei eigentlich niemand, der sich in diesem ganzen öffentlichen Rummel wohlfühlt.  Der von einem Fernsehsender zum nächsten und von PR-Termin hier zu Sponsor-Event dort jagt. Das bestätigte er dem Volksfreund am Rande der Veranstaltung der „Sportler des Jahres“ in Baden-Baden, wo er mit seinen Skisprung-Kollegen als Mannschaft des Jahres ausgezeichnet wurde.

 „Ein paar ruhige Tage zusammen zu Hause mit der Familie verbringen und mit der Freundin ein wenig gemeinsame Zeit haben.“ Das sei jetzt das, worauf er sich nach Springer- und Reisestress am meisten freue.  Dass der Dreifach-Weltmeister vom Berg Isel im Februar vor dem Saisonhöhepunkt der Weltspitze ziemlich hinterherfliegt und im letzten Weltcup-Springen vor den Festtagen in Engelberg den zweiten Durchgang verpasste, macht ihn selbst wohl weit weniger verrückt, als  andere.

„Eisei“, wie ihn die Kollegen nennen, ist einer, der in sich selbst ruht. Der  aber auch vor Freude und brodelnder, überschäumender  Anspannung schier aus dem Häuschen geraten kann, wenn im Nervenpoker des Wettkampfs der ganz große Wurf gelungen ist.

Dass die Ergebnisse derzeit vor dem ersten Springen der Vierschanzen-Tournee am Wochenende in Oberstdorf noch so gar nicht passen mögen, macht ihn nicht verrückt. „Ich habe trotz allem ein gutes und stabiles Gefühl. Das kann bei mir manchmal ganz schnell gehen.“

Eisenbichler, bei der Tournee 2018 / 2019 zumindest bis nach dem dritten von vier Springen ein Kandidat für den Gesamtsieg,  ist jemand, dem die Glitzer- und Glamour-Welt der „Könige der Lüfte“ eher suspekt ist. „Des hätt’s net ‘braucht“, meinte er auf die Frage, ob er sich denn als skispringender Popstar wie damals Sven Hannawald oder Martin Schmitt wohl gefühlt hätte.  Der Dreifach-Weltmeister ist ein impulsiver Gefühls-Springer. Aber  er ist auch jemand, der das mit sich selbst ausmacht, wenn sich alles entlädt und keiner, der auf Knopfdruck für die Kameras  im Rampenlicht stehen mag.

Den Schuhplattler in Baden-Baden, so sagte er, „hab ich halt nochmal gemacht, weil die Fernseh-Leute das so wollten.  Und weil ich’s ja für die Kollegen bei der Siegesfeier in Seefeld  auch schon gemacht hab.“ Für seine Show-Einlage, die Millionen im Fernsehen verfolgen, so befürchtete er „werde ich zu Hause wohl einen Anschiss bekommen. So was macht man nur in der Tracht und nicht im Smoking“  Dazu steht er auch, der „Eisei“, wenn’s den befürchteten Rüffel geben sollte: Er sei normalerweise „kein Bühnen-Heini“. Denn zum Gockel machen lässt man sich nicht mit dem heimatlichen Brauchtum.

Auch wenn seine Wettkämpfe in der Regel nur zweimal sieben Sekunden in der Luft andauern, so ist er doch „geerdet“. Weshalb ihm die Anreise vom Weltcup-Springen aus Klingenthal nach Baden-Baden zum „Sportler des Jahres“ auch zumindest etwas „abgehoben“ vorkam: „Hubschrauber, dann Privatflieger und nach der Landung mit Polizei-Eskorte ins Kurhaus. Ich hab gedacht, ich bin  doch kein Bundesliga-Star oder eine Showgröße“, sagt Eisenbichler. Ab dem Wochenende fliegt er wieder selbst.