Kickboxen in Wittlich Mehr als ein Kampf mit Händen und Füßen

WITTLICH · Ein Lokalmatador hat bei der Kickbox-Gala im Wittlicher Eventum den Deutschen Meistertitel geholt.

So war die große NOX Gladiatorum Kickbock-Gala
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Bei der WKU World Championship im kanadischen Calgary im Oktober dieses Jahres sicherten sich viele deutsche Kickboxer Medaillen und wertvolle Titel. Viele von ihnen zeigten jetzt bei der ersten Kickbox-Gala der Kampfsportakademie Trier-Föhren im Wittlicher Eventum, was diese Sportart ausmacht. Zudem standen auch deutsche und europäische Titelkämpfe auf dem Programm.

Beim Kickboxen werden Kampftechniken mit Füßen und Händen, wie man sie vom klassischen Karate her kennt, mit dem konventionellen Boxen verbunden. Dabei sind ausschließlich Schläge und Tritte erlaubt, nicht aber Griffe, Würfe oder Hebel, wie sie aus anderen Vollkontaktsportarten wie beispielsweise dem MMA (Mixed Martial Arts) bekannt sind. Ebenso ist das Attackieren eines am Boden liegenden Gegners nicht erlaubt.

Um Kickboxen zu erlernen, braucht es keine besonderen Voraussetzungen. Neben dem dem reinen Training der Box- und Fußtechniken werden in der Kampfsportakademie Trier-Föhren auch immer wieder Trainingseinheiten zur Verbesserung der Schnellkraft und Ausdauer eingeschoben, sagt Trainer Markus Nicolay. Er ist selbst aktiver Kickboxer und trat in Wittlich im Hauptkampf um den Deutschen Titel im Vollkontakt an. In der Vorbereitungsphase auf seinen Titelkampf hatte er schon Woche zuvor damit begonnen, Ausdauer und Kraft aufzubauen und im Sparring die wichtigsten Abläufe trainiert. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich den Titel mit nach Hause nehme“, sagte der 36-Jähre vor seinem Kampf. Dabei scheint der Kampfsport bei ihm in der Familie fest verankert zu sein. „Meine kleine Tochter hat schon im Mutterleib immer feste getreten“, sagt Nicolay mit einem Lächeln im Gesicht kurz vor seinem großen Kampf.

In der Trierer Kampfsport-Akademie werden über das sportliche Training hinaus aber auch soziale Werte vermittelt. „Kampfsport ist nicht nur bloßer Sport, sondern eine Lebenseinstellung. Wir lehren Disziplin und den respektvollen Umgang miteinander“, sagt Markus Nicolay.

Kickboxen als Strategiespiel

Die Boxtechniken beim Kick-Boxen sind die gleichen wie beim traditionellen Boxen. Die einzelnen Boxschläge können in hoher Frequenz hintereinander geschlagen werden und verbrauchen deutlich weniger Energie im Vergleich zu Beintechniken. Sie stehen daher auf dem Trainingsplan für Anfänger ganz vorne. Schnelle und kraftvolle Fußtritte erweitern die Palette der Angriffstechniken. Der Frontkick ist dabei schnell zu erlernen und ein effektives Angriffsmittel. Zudem kann er gut mit Box- und Ellbogentechniken kombiniert werden. Roundhouse- und Sidekick, Front- und Low-Kick sowie Axe-Kicks, bei denen das Bein wie eine Axt auf den Kontrahenten herabschnellt, runden die Kicks- und Fußtechniken ab. Durch sie ist die eigene Angriffsstrategie für den Kontrahenten schwerer auszurechnen und es können mehr Überraschungsmomente kreiert werden als mit Boxtechniken alleine.

„Im Kampf versuchst du natürlich mit deinen Armen deinen Körper zu schützen. Damit die Deckung des Gegners hochgeht, platzierst du gezielt zwei oder drei Schläge in Richtung Kopf. Damit ist der Bereich um die Leber des Gegners deckungslos und kann gezielt mit einem Roundhouse-Kick attackiert werden. Auf diese Weise kann auch mit einem Front-Kick ein Stoß auf den Solarplexus gesetzt werden“, schildert Markus Nicolay seine Taktik, die er kurze Zeit später in seinem Titelkampf umsetzen will.

Bei der großen Kickbox-Gala im Wittlicher Eventum zeigten professionelle Kickboxer verschiedener Gewichtsklassen, was diese Sportart ausmacht. Sechs Kämpfer stammen aus der Trierer Kampfsport-Schmiede von Sascha Baschin. Für sie ging es neben dem Deutschen Meistertitel im Vollkontakt des Verbands WKU auch in zwei Kämpfen um den PRO/AM-Europatitel. Kickboxen erlebt in den vergangenen Jahren einen regelrechten Aufwind und ist für Kampfsport-Enthusiasten jeder Altersstufe geeignet, sagt der Gründer der Kampfsport-Akademie und Bundestrainer der WKU, Sascha Baschin.

„Der jüngste Teilnehmer in unserer Akademie ist gerade einmal drei Jahre alt, der älteste über 70. Es ist ein Ganzkörpersport, der sehr viele Muskelgruppen fordert und dementsprechend ein gutes Ganzkörpertraining bedeutet. In der Vorbereitungsphase auf große Titelkämpfe ist dann allerdings schon ein intensiveres Training erforderlich. Drei bis viermal pro Woche heißt es dann zweimal am Tag in den Trainings-Ring“.

Deutschland ist eine starke Kickbox-Nation

Die deutschen Kickboxer und Kickboxerinnen sind international sehr gut aufgestellt. Sie gehören mit zu den führenden Sportlern weltweit, „wobei in den unteren Gewichtsklassen eher die Asiaten das Feld anführen“, sagt Klaus Nonnemacher, der seit 2012 Präsident der WKU (World Kickboxing Union) ist. „In den höheren Gewichtsklassen sind dann eher die Mitteleuropäer und auch viele Nordamerikaner ganz vorne angesiedelt“.

Eine Sportlerin, die das Geschehen nur aus den Zuschauerreihen verfolgen kann, ist die 20-Jährige Bircan Pinar von der Kampfsportakademie Kirchheim. Verletzungsbedingt musste sie ihren Kampf im Wittlicher Eventum kurzfristig absagen. Dennoch steht sie mitfiebernd am Ring. Ihr größter Erfolg war der Gewinn der Deutschen Meisterschaft im K1 bis 65 Kilo im Oktober 2023 gegen Mareicke Mutterer. Seither betreibt sie den Sport deutlich intensiver. Das Training bestimmt ihren Alltag, wenn bei ihr an bis zu sieben Tagen in der Woche zwei Einheiten pro Tag auf dem Programm stehen. „Das ist zwar oft ziemlich anstrengend, aber man sieht sehr schnell die Ergebnisse im Ring.“ Im nächsten Jahr steht für die erst einmal die Titelverteidigung an, bevor es dann womöglich noch einen Schritt höher in Richtung EM-Titel geht.

Deutscher Meistertitel im Kickboxen

Die Zuschauerreihen im Wittlicher Eventum waren von Beginn an gut gefüllt. Rund 400 Fans ließen sich das Kampfsport-Spektakel, bei dem unterschiedliche Disziplinen von Leicht- bis Vollkontakt geboten wurden, nicht entgehen.

Zum Höhepunkt des Abends warfen Zuschauer wie Sportler gleichermaßen nochmal die Adrenalinpumpe an. Es ging um den Deutschen Meistertitel im Kickboxen zwischen dem Trierer Markus Nicolay von der Kampfsport-Akademie Trier-Föhren und Jang Mongo Juk, dessen Kampfstil neben Matchhärte auch geprägt ist von allerlei kleineren „Spielereien“, um den Gegner zu irritieren. Eine Match-Strategie, wie sie bei thailändischen Kickboxern sehr beliebt ist. Doch Markus Nicolay ließ sich nicht aus der Konzentration bringen und holte am Ende verdient den Titel nach Trier.

Viele Kämpfe wurden vorzeitig beendet, indem der Sportler von seinem Trainer oder dem Schiedsrichter aus Sicherheitsgründen aus dem Ring genommen wurde, einfach, um mögliche Verletzungen auszuschließen. Doch am Ende lagen sich alle Kämpfer in den Armen und respektierten die sportlichen Leistungen untereinander, denn Fairplay wird im Kickboxen bei Sportlern und Fans gleichermaßen großgeschrieben.

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