Sorgen und Frust belasten die Kaiserslautern-Fans

Die Krise des 1. FC Kaiserslautern : Sorgen und Frust belasten die FCK-Fans

Der 1. FC Kaiserslautern steht mit dem Rücken zur Wand. Thomas Hilmes, der Gründer des Online-Magazins www.der-betze-brennt.de, gibt einen Einblick in seine Stimmungslage und die von tausenden Anhängern im Internet.

Die Angst geht um am Betzenberg: Der traditionsreiche 1. FC Kaiserslautern ist als Tabellenelfter der Dritten Liga aktuell weit davon entfernt, den angepeilten, direkten Wiederaufstieg in Liga zwei zu schaffen. Noch schlimmer: Den vierfachen Deutschen Meister und zweifachen DFB-Pokalsieger drücken enorme wirtschaftliche Probleme. Um eine weitere Drittligasaison darstellen zu können, müssen bis März knapp zwölf Millionen Euro her. „Viele Fans sind unheimlich besorgt, sie schweben zwischen Hoffen und Bangen. Das liest man immer und immer wieder aus den Kommentaren heraus“, berichtet jemand, der nah dran ist an der zahlreichen Anhängerschaft der Roten Teufel: Thomas Hilmes aus Piesport (Kreis Bernkastel-Wittlich) betreibt seit dem Jahre 2000 das Online-Magazin www.der-betze-brennt.de(DBB).

Rund 25 000 registrierte Nutzer hat die Website, welche als einer der großen Meinungs-Gradmesser rund um den FCK gilt. Hier gibt es aktuelle Infos rund um den Fritz-Walter-Club und hier werden die Themen diskutiert. In Spitzenzeiten kommen über fünf Millionen Seitenaufrufe pro Monat zusammen, durchschnittlich 3,5 Millionen sind es laut Hilmes, der selbst seit 1990 Fan der Lauterer ist und auch in dieser Saison ausnahmslos bei jedem der bislang 20 Spiele dabei war. Immerhin: Trotz des Niedergangs ist nicht nur die virtuelle Resonanz ungebrochen, wie der Moselaner anmerkt: „Mit einem Schnitt von gut 23000 Zuschauern bei den Heimspielen und oft deutlich über 1000 Fans auswärts bewegen wir uns in etwa auf dem Niveau der vergangenen Zweitligajahre.“

Auch im letzten Match vor der Winterpause war der gelernte Diplom-Informatiker und freie Journalist vor Ort und berichtete so von der 1:2-Niederlage beim TSV 1860 München: „Seitdem sehe ich die Chance, den Wiederaufstieg zu schaffen, auf ein Minimum gesunken - da müsste schon ein echtes Fußball-Wunder her.“

Zwölf Punkte Rückstand auf Platz drei, aber auch das Torverhältnis von 23:30 – der FCK hat damit eine der schwächsten Sturmreihen und eine der löchrigsten Defensiven der Liga – sprechen eine deutliche Sprache.

Um den Anfang Dezember verpflichteten Trainer Sascha Hildmann einzuschätzen, ist es aus Hilmes´ Sicht noch zu früh, obschon er „eine deutlich höhere taktische Variabilität“ beim neuen Coach erkannt hat.

Stur an einem System festzuhalten, wurde Hildmanns Vorgänger Michael Frontzeck massiv vorgeworfen. Zudem krankte das Spiel der Pfälzer unter dem früheren Nationalspieler an einer ausgeprägten Schwäche bei Standardsituationen. „Schon kurz nach Saisonstart mit so schwachen Auftritten wie beim 0:2 in Halle und nur einem Sieg aus den ersten sechs Spielen, aber auch noch mal Anfang November nach dem 1:4 in Rostock wäre die Möglichkeit dagewesen, früher zu reagieren“, kann der 38-Jährige das zögerliche Handeln der Verantwortlichen um Sportchef Martin Bader („Er muss sich am Ende am Saisonergebnis und an dem von ihm zusammengestellten Kader messen lassen.“) nicht nachvollziehen.

Enttäuscht ist Hilmes erneut über den Einsatz der finanziellen Mittel beim FCK: „In der vergangenen Saison hatten wir einen Top-Sechs-Etat und sind abgestiegen. Mit den 5,5 Millionen Euro bewegt sich der Verein in dieser Saison auf Drittliga-Spitzenniveau und muss eher nach unten als nach oben schauen.“

Auch im Forum von DBB hat Hilmes unterdessen erkannt, dass die Sorge ums wirtschaftliche Überleben unter den Fans momentan noch ausgeprägter ist als der Frust über das sportliche Abschneiden. Für die kommende Drittligasaison fehlen fünf Millionen Euro. Hinzu kommen 6,7 Millionen Euro, welche durch die Rückzahlung der Fan-Anleihe fällig sind.

Die Optionen (Einstieg eines Investors, eine Zwischenfinanzierung per Kredit oder die Neuauflage/ Umwandlung der Fan-Anleihe) hält Hilmes durch die Bank für „unattraktiv, weil sie alle ihre Risiken bergen und den Verein an sich langfristig in seinem Handeln einschränken“. Doch der Macher von DBB weiß auch, dass wohl eine der Varianten unumgänglich ist. Nach momentanem Stand bliebe sonst wohl nur die Insolvenz. Die käme zwar einem Neustart, aber auch einem sehr steinigen Weg gleich.

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