| 17:22 Uhr

TV-Serie Spochtipedia
Scooter-Fahrer treiben’s ganz schön bunt (mit Video)

Ohne Helm geht nix: Mit sogenannten Stuntscootern können mehrere Hundert Tricks vollführt werden.
Ohne Helm geht nix: Mit sogenannten Stuntscootern können mehrere Hundert Tricks vollführt werden. FOTO: TV / Hans Krämer
Trier. Sprünge, Salti, Drehungen: Mit dem Sportgerät auf zwei kleinen Rädern lässt sich allerhand Spektakuläres anstellen. Von Mirko Blahak
Mirko Blahak

Als Zehnjähriger so viel Ehrgeiz für eine Sache aufzubringen, hat schon was. Sam, Sechstklässler des Humboldt-Gymnasiums Trier, feilt jedes Wochenende viele Stunden lang an seinen Künsten auf dem Stuntscooter. Und die können sich bereits sehen lassen.

An diesem Samstagmittag wirbelt er mit rund 30 anderen Kindern und Jugendlichen beim ersten Scooter-Contest in der Trierer Skatehalle über verschiedene Rampen durch die Luft.

Die Stuntscooter sind teilweise sehr farbenfroh.
Die Stuntscooter sind teilweise sehr farbenfroh. FOTO: TV / Hans Krämer

Ihr Sportgerät: der sogenannte Stuntscooter. Er ist aus dem Scooter entstanden – einem Tretroller mit Klappgelenk, mit dem heutzutage viele Kinder beispielsweise in die Schule fahren. Für die Sportvariante wurde das Klappgelenk entfernt und die Geometrie auf die Nutzung in Skateparks angepasst. Insgesamt sind die Stuntscooter, mit denen teils halsbrecherisch anmutende Tricks vollführt werden, schwerer und robuster als die gewöhnliche Straßenvariante.

Sam hat vor zwei Jahren begonnen, erste Tricks zu üben: „Ein Freund von meinem Bruder hatte sich einen Scooter gekauft. Da habe ich mir auch einen gewünscht und auch einen zu Ostern bekommen. Zuerst bin ich ein Jahr nur so he­rumgefahren, dann habe ich mit dem Training begonnen – auf dem  Petrisberg und in der Skatehalle.“

Der zehnjährige Sam aus Oberbillig trainiert jedes Wochenende in der Skatehalle Trier.
Der zehnjährige Sam aus Oberbillig trainiert jedes Wochenende in der Skatehalle Trier. FOTO: TV / Mirko Blahak

Sam trägt Knieschoner und einen Helm, manch andere Kinder haben zudem einen Mundschutz. Nicht ohne Grund: Wenn’s einen auf den Boden schmeißt, kann das schmerzhaft sein. Und bis ein Trick funktioniert, ist viel Übung erforderlich. „Jeder Trick ist schwer“, sagt Sam.

Nicht nur für Einzelteile gibt es ein reichhaltiges Angebot.
Nicht nur für Einzelteile gibt es ein reichhaltiges Angebot. FOTO: TV / Hans Krämer

Einsteiger fangen mit einfachen Sprüngen an, Salti kommen erst später. Die Tricks tragen englische Namen und heißen Tailwhip, Manual, Bunnyhop oder Barspin. Sam beherrscht nach eigener Hochrechnung rund 300 Tricks. Doch es kommen immer wieder neue hinzu.

Beim Scooter-Contest in Trier ist auch ein Star der Szene dabei - Timon Kunze aus Lübeck sagt die Sprünge und Tricks der jungen Teilnehmer per Megaphon an. Er trägt weiße Turnschuhe, eine schwarze Hose, ein schwarzes Schlabbershirt und eine schwarze Wollmütze – der Scooter-Sport vermittelt auch ein Lebensgefühl. „Sehr schön“, „schade“ – Kunze geht mit jedem Teilnehmer mit und muntert auf. Sam sieht Kunze erstmals live, doch er kennt ihn schon lange – „von Instagram“.

Die sozialen Medien und Video-Plattformen sind für Scooter-Fahrer auch so etwas wie moderne Fibeln. Bei Youtube beispielsweise sind unzählige Filmchen abrufbar, in denen die unterschiedlichsten Tricks gezeigt werden. Bei anderen zuschauen und dann selber machen – so erweitert auch Sam sein Repertoire.

Rund um den Scooter-Sport ist bereits eine große Industrie entstanden. Zig Hersteller bieten die verschiedensten Modelle an (Preise zwischen 150 und 300 Euro). Sie treten gleichzeitig als Sponsoren für die besten Fahrer auf. Auch Sam ist schon in der ersten Sponsorenstufe. Er zählt zum Promoteam eines österreichischen Online-Shops.

Sein Vater Florian Rohdenburg hat den Scooter-Contest in Trier  ins Leben gerufen: „Die Scooter-Szene bringt gute Fahrer hervor. Der Wettbewerb soll dazu dienen, sie zu unterstützen.“ In Absprache mit Hallen-Projektchef Axel Reichertz ist der Oberbilliger in die Planung gegangen – und wusste zunächst nicht so recht, was zu tun ist. Also holte sich Rohdenburg Hilfe ins Boot – in Person von Lena Hubai, Eventmanagerin bei der Firma „Maddgear“.

Die Scooter-Szene wächst – das sagt nicht nur Timon Kunze, sondern auch Florian Rohdenburg: „Den harten Kern der Scooter-Kids in Trier bilden rund 15 Jugendliche. Hinzu kommen etwa 200 Kinder, die unregelmäßig in die Skatehalle kommen, sowie noch viel mehr Jugendliche, die etwa bei Geburtstagsfeiern in der Halle mit dem Sport in Berührung kommen.“

Sohn Sam ist dem „harten Kern“ zuzuordnen. Sein Traum: Scooter-Fahren später als Beruf: Warum? „Da muss ich nicht so viel arbeiten. Da kann ich einfach Spaß haben.“

Mit Oma fing alles an