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Spochtipedia - Tanzsport: Immer lächeln – auch wenn es mal schwerfällt! (Video)

Standard-Tanztraining beim TSC Trier
Standard-Tanztraining beim TSC Trier FOTO: TV / Mirko Blahak
Trier. Tanzen als Wettkampfsport bedeutet im Training enorme Detailarbeit an Bewegungen und Ausdruck – und bei Turnieren auch das Überwinden des inneren Schweinehunds. Von Mirko Blahak
Mirko Blahak

Wer glaubt, Tanzen ist ein bisschen Bewegung, sieht sich schnell eines Besseren belehrt. Sonntagmorgen, im Spiegelsaal eines Fitnesstudios in der Trierer Metternichstraße. Um 10 Uhr beginnt das Standardtraining für Paare der höheren Leistungsklassen des TSC Trier. Zum Aufwärmen stehen erst mal ein paar Soloübungen an. Wiener Walzer und Quickstep alleine – um das Herz-Kreislauf-System in Schwung zu bringen. Nach dem Aufwärmen gehen die Tänzer – allesamt schon seit Jahren dabei – erst mal zu Trinkflasche und Handtuch. Tanzen schlaucht und strengt an. Körperlich, und mental.

Das Kommando an diesem Vormittag hat Claus Salberg, ein Profi seines Fachs. Seine Vita ist lang und beeindruckend: staatlich geprüfter Bühnentänzer, studierter Bühnentanzpädagoge, Tanzsporttrainer, Wertungsrichter. Zu den Erfolgen des 54-Jährigen gehören unter anderem  die westdeutsche Meisterschaft „S“ 1992 über zehn Tänze und Rang sieben bei der Deutschen Meisterschaft über zehn Tänze der Professionals 1993.

Tanztrainer Claus Salberg (rechts) nimmt’s ganz genau: Er nimmt noch so kleine Haltungs-Korrekturen vor.
Tanztrainer Claus Salberg (rechts) nimmt’s ganz genau: Er nimmt noch so kleine Haltungs-Korrekturen vor. FOTO: TV / Mirko Blahak

„10 Uhr – für Tänzer ist es mitten in der Nacht“, sagt Trainer Salberg  zur Begrüßung. Um dann gleich fordernd ins Geschehen einzugreifen. Detailarbeit am Quickstep steht auf dem Programm. Es geht um die Schienbeinhaltung, um die Kopfhaltung, um die Armhaltung. Die Paare schweben über den Boden. „Du hast gedacht, es reicht, deine Frau einmal vor der Hochzeit rumzukriegen. So ist es aber nicht“, verknüpft Salberg seine Haltungs-Korrekturen gerne mit süffisanten Bemerkungen.

In einem Regal stehen mehr als 100 Tanz-CDs. Salberg lässt sie links liegen. Die Musik kommt von seinem Smartphone. Tanzen geht mit der Zeit, Tanzen entwickelt sich. „Die Geschwindigkeiten und Raumweiten verändern sich. Damit geht einher, dass sich die Feinmotorik der Tänzer verbessern muss“, erläutert Salberg.

Top-Haltung, Top-Ausstrahlung  und immer ein Lachen auf den Lippen: Das wird von Turniertänzern verlangt. Die Bilder oben zeigen die Trierer Paare Kerstin und Christian Klein (links) sowie Heike und Andreas Wicht (rechts). Damit alles sitzt, wenn die Wertungsrichter draufschauen, muss eifrig trainiert werden (Bild unten).
Top-Haltung, Top-Ausstrahlung  und immer ein Lachen auf den Lippen: Das wird von Turniertänzern verlangt. Die Bilder oben zeigen die Trierer Paare Kerstin und Christian Klein (links) sowie Heike und Andreas Wicht (rechts). Damit alles sitzt, wenn die Wertungsrichter draufschauen, muss eifrig trainiert werden (Bild unten). FOTO: TV / Werhan, Michael

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Heike & Andreas Wicht
Heike & Andreas Wicht FOTO: TV / Werhan, Michael

Wenn Profis trainieren, hat das wenig gemein mit ersten Gehversuchen im Tanzkurs vor dem Abi-Ball. Salberg: „Beim Tanzen als Freizeitbeschäftigung stehen die soziale Komponente und der Spaß an der Bewegung zu zweit im Vordergrund. Beim Tanzen als Sport geht es um Technik, Physik, Körpermechanik. Es entwickeln sich technische Fertigkeiten, die bei Turnieren von Wertungsrichtern beurteilt werden.“

Kraft, Ausdauer, Koordination und die Fähigkeit, Musik und Bewegung in perfekten Einklang zu bringen – all das brauche ein Tänzer, sagt Christian Klein aus der Trainingsgruppe. Er war zuletzt Präsident und Sportwart des TSC Treviris Trier, der nach der Fusion mit dem TSC Schwarz-Silber Trier im neuen TSC Trier aufgegangen ist. „Man muss im Kopf total dabei sein. Bei Turnieren muss man das aber abschalten“, nennt er ein Erfolgsmotto.

Das ist die Kunst: Anstrengungen verbergen, stattdessen Leichtigkeit zur Schau tragen. „Tanzsport wird in der breiten Öffentlichkeit gerne belächelt – nach dem Motto, die Frau beispielsweise zieht ein schönes Kleid an und trägt es spazieren. So ist es nicht. Tanzen im oberen Bereich ist ein Hochleistungssport. Man vergleicht den Quickstep zum Beispiel gerne mit einem 400-Meter-Hindernislauf. Man muss als Tänzer immer gut aussehen, Körperspannung haben und lachen. Man muss von den Haarspitzen bis zu den Fußspitzen immer präsent sein“, sagt Tänzerin Ingrid Weirich. Zusammengefasst heißt das: Im unteren Bereich geht’s um Schritte, im oberen Bereich um Musikalität und Dynamik. Klein zieht einen Vergleich zum Konditorenhandwerk: „Anfänger backen einen Kuchen. Fortgeschrittene und Profis heben sich mit schwierigen Torten und Verzierungen von der Masse ab.“

Für alle, die es als Tänzer mal weit bringen wollen, hat Salberg eine beruhigende Nachricht: „Talent ist höchstens zu zehn Prozent wichtig.“ Doch jetzt kommt die schlechte Botschaft: „Der Rest ist enormer Trainingsfleiß. In unteren Klassen wird man mit zwei Mal Training pro Woche zu Erfolgen kommen. Je höher die Klassen werden, umso größer ist der Aufwand.“ Das bedeutet: Spitzenpaare kommen um tägliches Training nicht herum.