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Tennis: Der „Joker“ verzockt sich – und sorgt für Unmut in Luxemburg

Tennis : Der „Joker“ verzockt sich – und sorgt für Unmut in Luxemburg

Die leichtsinnig verursachten Corona-Fälle bei der von Novak Djokovic organisierten Adria-Tour bringen den Tennis-Zirkus vor der offiziellen Wiederaufnahme von Turnieren in Verruf. Deutliche Worte kommen von der Direktorin des in diesem Jahr abgesagten Frauentennis-Hallenturniers BGL Open in Kockelscheuer.

Die Bilder machten schnell die Runde. Hier Autogrammstunden mit dicht an dicht stehenden Fans, dort Partyszenen von ausgelassen feiernden Tennis-Profis. Vorsichtsmaßnahmen wegen der Corona-Pandemie? Fehlanzeige!

Was sich bei der von Novak Djokovic, der Nummer eins im weltweiten Herren-Tennis, organisierten Adria-Showtour abgespielt hat, macht viele sprachlos. So auch Danielle Maas, die Direktorin des Frauentennis-Turniers BGL Open im luxemburgischen Kockelscheuer: „Das Verhalten sorgt bei mir für völliges Unverständnis. Die Spieler sind Vorbilder. Wenn jeder vorsichtig sein soll, müssen sie es auch sein.“

Waren sie aber nicht – mit bösen Konsequenzen: Djokovic, dessen Trainer Goran Ivanisevic sowie weitere Spieler der letztlich abgebrochenen Adria-Tour haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Der Serbe Djokovic, Spitzname „Joker“, hat sich verzockt. Trotz einer Entschuldigung („Wir lagen falsch, es war zu früh. Ich kann nicht deutlich genug ausdrücken, wie leid mir das tut.“) sind die Folgen des Leichtsinns  immens: „Das Tennis hat ein großes Problem“, sagt Maas. In der Außenwirkung, ab auch im Binnenverhältnis. Aus vielen Telefonaten mit Spielerinnen weiß sie: „Momentan herrscht eine große Verunsicherung, wie es weitergeht.“

Auf dem Papier haben die Profi-Organisationen ATP (Association of Tennis Professionals) und WTA (Women‘s Tennis Association) den Neustart fixiert.  Nach fünfmonatiger Pause wegen der Coronavirus-Pandemie soll ab August auf der internationalen Tennis-Tour wieder um Weltranglistenpunkte gespielt werden. Bei den Herren soll es am 14. August mit dem Hartplatz-Turnier in Washington weitergehen, bei den Damen bereits am 3. August mit dem Sandplatz-Turnier in Palermo.

Foto: Tageblatt

Bis zum Jahresende sollen mit den US Open in der von der Coronavirus-Pandemie besonderes betroffenen Metropole New York  (31. August bis 13. September) und den French Open in Paris (27. September bis 11. Oktober) sogar noch zwei Grand-Slam-Turniere ausgetragen werden.

Maas hält nichts davon, unter den gegebenen Bedingungen die US Open über die Bühne zu bringen: „Die notwendigen strengen Vorgaben des Hygiene- und Sicherheitskonzepts sind eine Zumutung für jeden Spieler und jede Spielerin. Ich verstehe, dass die Profis Geld verdienen müssen. Aber so macht es keinen Sinn.“

Aus dieser Haltung heraus haben Maas und ihre Mitstreiter im Organisationsteam auch die für Ende Oktober geplanten BGL Open abgesagt. „Ein Turnier ohne Zuschauer wäre für uns nicht infrage gekommen. Wir wollen jedes Jahr ein Fest veranstalten. Zudem sind die Vorgaben der WTA sehr streng. Alleine durch die kleine Veranstaltungshalle wäre es schwierig geworden, Abstandsregeln einzuhalten.“

Die Absage tut weh, da ein Jubiläum angestanden hätte. Zum 25. Mal hätte südlich der luxemburgischen Hauptstadt ein WTA-Turnier stattgefunden – das wird nun erst 2021 der Fall sein. Hinzu kommen finanzielle Belastungen wegen der Absage. Immerhin: Laut Maas werden die Sponsoren des Turniers an Bord bleiben. Und: Drei der vier Spielerinnen, die für die 2020er-Ausgabe schon feststanden, haben laut Maas bereits für das nächste Jahr ihre Zusage gegeben. Namen nennt die Direktorin (noch) nicht.