1. Sport
  2. Sport aus der Region

Tennis in der Corona-Zeit: Ein kleiner Boom, aber noch viele Probleme

Umfrage bei Clubs in der Region : Tennis in der Corona-Zeit: Ein kleiner Boom, aber noch viele Probleme

Wie Vereine davon gerade jetzt profitieren, aber auch noch viele Schwierigkeiten zu bewältigen haben.

Vor rund 30 Jahren gab es den Becker-Boom, jetzt verzeichnen Vereine wie der Tennisclub Trier (TCT) mal wieder einen Zuspruch, wenn auch nicht so stark wie damals. Dank Corona. Tennis als Sport ohne Körperkontakt ist in Rheinland-Pfalz wegen des gegen  null tendierenden Infektionsrisikos bereits seit Ende April wieder  erlaubt. „Wir brauchen erstmals sogar einen Belegungsplan für unsere 21 Plätze, um alle Termine zu koordinieren. So groß ist die Nachfrage“, berichtet Markus Grundhöfer, der Geschäftsführer des TCT. Ausschließlich Mitgliedern sei die Nutzung der Anlage unweit des Moselstadions erlaubt. 600 hat der Traditionsverein an der Zahl. „Einige sind extra in den letzten Tagen eingetreten, damit sie bei uns spielen können“, sagt Grundhöfer.

Während andere (Mannschafts-) Sportarten erst ab dem heutigen Mittwoch langsam und etwa ohne Zweikämpfe wieder starten können (TV berichtete), steht der Sport mit der gelben Filzkugel bei vielen hoch im Kurs, um sich fitzuhalten.

Allerdings müssen sie auch in Trier strenge Vorschriften beachten: Die Umkleidekabinen und die Halle sind weiter zu, genauso wie bislang das Clubrestaurant La Palma. Desinfektion spielt eine wichtige Rolle. Und: Gespielt werden darf weiter nur im Einzel. Doppel ist wegen der potenziellen Nähe zum Spielpartner  vom Ordnungsamt aus (noch) nicht gestattet – es sei denn, die Spielpartner kommen aus dem gleichen Hausstand. Grundhöfer kann das nicht ganz nachvollziehen, findet die Regelung zu streng: „Wenn zwei auf einer Hälfte spielen, kommen sie sich doch auch nur ganz selten ziemlich nahe.“ Als Trainer und Inhaber der Tennisschule Point hat er auch so seine Probleme damit, dass er nicht zwei Schützlinge auf einmal coachen darf. Umsätze brechen so weg: „Und die sind auch nicht mehr aufzuholen.“

Partien im Einzel sind vielen lieber, als auf ihren geliebten Sport verzichten zu müssen. Gerade ältere Semester bevorzugen normalerweise das Doppel. Wie etwa Egon Fink: „Das akzeptieren wir halt. Schließlich wollen wir am Ball bleiben.“ Auch die Tennisvariante Padel wird beim TCT praktiziert. „Das wird normal nur im Doppel gespielt, alleine ist es sehr anstrengend. Aber auch das ist einigen momentan egal“, sagt Grundhöfer.

Was den Wettkampfsport angeht, sieht er aktuell noch einige Fragezeichen. Der Start der Meisterschaftsrunden wurde vom Tennisverband Rheinland auf das zweite Juniwochenende verlegt. 40 Teams mit rund 240 Akteuren hat der TCT im Einsatz. Grundhöfer ist gespannt, inwieweit die Lockerungen dann gehen und ob Doppelspiele zulässig sind. „Wenn unsere erste Damenmannschaft in Mutterstadt spielt, können sie auch nicht mit sechs Autos dorthin fahren“, lässt der TCT-Verantwortliche durchblicken und spielt damit auf die andauernden Kontaktbeschränkungen und Abstandsregelungen an.

Vonseiten des Tennisverbandes Rheinland heißt es, dass man flexibel reagieren könne. „Auch Runden ohne Doppel, mit einer modifizierten Auf- und Abstiegsregel und eine Art Übergangssaison sind derzeit möglich“, so Geschäftsführer Lothar Markus auf TV-Anfrage.

In Trier steht unterdessen auch die  nächste Auflage des internationalen Tennisturniers um den Luxoil-Cup auf dem Prüfstand. Bis 31. August sind im Land Großveranstaltungen generell abgesagt. Für die mit 15000 US-Dollar prämierten Wettkämpfe, welche vom 24. bis 30. August angesetzt sind, sieht  Grundhöfer trotzdem noch eine Chance: „Wenn wir 100 Besucher auf der Anlage haben, könnten wir die in einem genügend großen Abstand auf den Zuschauerreihen platzieren.“ Im Laufe dieses Monats noch strebt Grundhöfer nach Abstimmung mit den Behörden eine Entscheidung an, ob die Traditionsveranstaltung fortgesetzt werden kann. Finanziell würde eine Absage dem Club keinen großen Schaden zufügen. Sponsorengelder bleiben dann zwar aus, es entstehen aber auch keine Kosten, wie etwa für Preisgelder. Bei jungen Tennisspielern aus der ganzen Welt, die aufs Geldverdienen bei solchen Turnieren angewiesen seien, würden sich aber allmählich Existenzängste breitmachen, weiß Grundhöfer.

Wie gehen andere Tennisvereine in der Region mit der Corona-Krise um, was haben sie für Probleme und Hoffnungen? Der TV hat sich umgehört.

Seit Ende April gibt es auch beim TC Udelfangen (TCU) wieder Ballwechsel im Freien. „Montags und donnerstags treffen sich Spieler der Ü50-Mannschaft, dienstags und freitags trainieren unsere Damenmannschaften“, berichtet der zweite Vorsitzende Günter Kimmling. Über drei Plätze verfügen die Udelfanger.

Die Tennisplätze stehen Vereinsmitgliedern zur Verfügung. Das Clubhaus ist aufgrund der behördlichen Vorgaben geschlossen: „Nach dem Training fahren alle direkt nach Hause und duschen dort.“

Der TCU geht in einer Spielgemeinschaft mit dem Tennisverein Metzdorf an den Start.  Ein halbes Dutzend Teams verteilt sich auf zwei Damen- und vier Herrenmannschaften. Ähnlich wie beim TC Trier hält es auch Kimmling „für unrealistisch, dass wir bald schon im Doppel spielen dürfen“.

Finanzielle Einbußen – sei es durch Austritte von Mitgliedern oder den Rückzug von Sponsoren – sehen sie in Udelfangen ebenso wenig wie beim Tennisclub Bitburg. Nach Angaben von Jugendwartin Elke Schommer wurde ein  Online-Buchungssystem (Adresse: https://tcb-1904.web.app) eingeführt, um die Anzahl der Spieler, die sich gleichzeitig auf der Tennisanlage befinden, möglichst gering zu halten. Da es noch einige Wochen bis zum Saisonstart Anfang Juni sind, hat sie die Hoffnung nicht aufgegeben, dass man mit den sechs  Jugend- sowie je vier Damen- und Herrenmannschaften auch Doppel in der Medenrunde spielen kann. Die Tennisanlage in Bitburg stehe auch Nichtmitgliedern zur Verfügung und jeder könne sich per App einen Platz buchen. Als positiven Nebeneffekt sieht man in Bitburg, dass sich angesichts des fehlenden Gruppentrainings die Jugendlichen mehr zum Einzelspiel verabreden.

„Streng nach Corona-Regeln“, so Horst Schäfer, Vorsitzender des TV Germania (TVG) Trier, wird auch auf der Anlage im Stadtteil Feyen/Weismark am Römersprudel gespielt: „Nur Einzeltraining, kein Handshake, alles unter Wahrung der Abstandsregeln.“ Die Plätze seien inzwischen seit rund drei Wochen  „sehr gut besucht“. Mitglieder und deren Gäste können die Anlage nutzen. Auch beim TVG gibt es in diesen Tagen ein Plus an Neuzugängen. Wenig zuversichtlich ist Schäfer, was den Start der Medenrunde angeht: Ob wir mit unseren Herren-40 und -65 spielen können, glaube ich nicht.“ Dabei wäre aus seiner Sicht selbst ein Doppelspiel kein Problem: „Es gibt da weniger Nähe als bei anderen Sportarten oder beim Einkaufen.“

Sechs Abteilungen hat der TVG – Badminton oder Handball als Hallensportarten etwa hätten viel mehr unter den Verboten zu leiden. Doch selbst hier seien die Mitglieder treu und würden zum Verein stehen, so Schäfer.

Seit Anfang Mai sind die drei Plätze des TC Speicher wieder geöffnet. „Das Inte­resse der Mitglieder am Tennisspielen ist da. Die Anlage wird aber zurzeit nur spärlich genutzt“, berichtet der Vorsitzende Manfred Heinzen. Die Hygiene-Vorgaben einzuhalten, hat auch hier höchste Priorität. Sogar die Spielerbänke sind mit einem genügend großen Abstand von mindestens 1,5 Metern positioniert und es würden ausschließlich Einweg-Papierhandtücher verwendet. Die Tennisverbände in Rheinland-Pfalz haben Vorschläge und Praxisbeispiele für die Vereine ge­sam­melt. Diese hängen im Speicherer Clubhaus aus. Grundsätzlich appelliert Heinzen an die Mitglieder, „verantwortungsvoll mit der Loc­kerung der Coronabe­schrän­kungen umzugehen und die Vorschläge zu beachten“.

Zwei Herrenteams (in einer Spielgemeinschaft mit dem SV Welschbillig) haben die Töpferstädter gemeldet – und ein Bambiniteam. Da weiterhin Kontaktverbot herrsche und Mindestabstand gewahrt werden müsse, hält man auch hier eine Durchführung der Saison für wenig wahrscheinlich. Schon seit Jahren, so Heinzen, sei der Mitgliederbestand konstant. Das habe sich durch die Corona-Krise nicht verändert.

Wie bei anderen Clubs gibt es auch beim TC Saarburg keine getrennten Ein- und Ausgänge. „Diese sind jedoch bei unserer vielseitig betretbaren Anlage und wegen des rücksichtsvollen Umgangs miteinander nicht notwendig“, lässt Lisa Syndikus, Vorstandsassistentin und Übungsleiterin, durchblicken. Die Freude, wieder loslegen zu dürfen, „war und ist bei den aktiven Spielern sichtlich groß, so dass wir gemeinsam diese Zeit durchstehen wollen und alles dafür tun, dieses Recht nicht wieder zu verlieren“.  Aktuell verfüge man über 15 Teams (zum Teil in Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen aus der näheren Umgebung). Bald auch wieder ins Doppelspiel einsteigen zu können, hält Syndikus für „sehr realistisch“. Aus den aktuellen Lockerungen im Sport, die aus der Sportministerkonferenz hervorgehen leitet sie ab, dass Duelle mit vier Aktiven auf einem Platz „nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen“.

Vorläufig erteilt die Politik dem aber noch eine Absage. Auf TV-Anfrage teilt Antonia Sanke vom Corona-Kommunikationsstab der Landesregierung mit: „Beim Tennis-Doppel können die Spielerinnen und Spieler nicht dauerhaft die Abstandsregel einhalten, weswegen es auch ab Mittwoch weiterhin nicht erlaubt sein wird, Tennis-Doppel zu spielen.“

Neuaufnahmen von Mitgliedern stünden in Saarburg „in konkreter Aussicht“, so Lisa Syndikus. Absagen einiger Veranstaltungen (wie etwa Saarpedal) lassen zwar Einnahmequellen versiegen,  jedoch stelle dies bis zum jetzigen Zeitpunkt keine unüberwindbare Hürde dar.

Die Vielzahl der Vorgaben, welche auch Tennisvereine in diesen Tagen zu erfüllen haben, wird in einem weiteren Titel von Syndikus deutlich: Sie ist beim TC Saarburg eine der Corona-Beauftragten mitverantwortlich dafür, dass die Bestimmungen umgesetzt und eingehalten werden.