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Tom Pokel: Was Deutschlands Eishockey-Trainer des Jahres mit Trier verbindet

An der Mosel fing alles an : Was Deutschlands Eishockey-Trainer des Jahres mit Trier verbindet

Diese Meldung ließ die einstigen Fans des EHC Trier aufhorchen: Tom Pokel ist Trainer des Jahres in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Der heutige Coach der Straubing Tigers begann seine Trainer-Karriere Ende der 1990er Jahre an der Mosel. Wir blicken mit Pokel auf seine turbulente Zeit in Trier zurück.

Obwohl es schon so lange her ist, weiß Tom Pokel noch zahlreiche Details. Ein Indiz dafür, wie prägend diese zwölf Monate für seinen weiteren Werdegang waren. „Es war eine chaotische Saison“, sagt der Eishockey-Trainer zu seiner Zeit in der Spielzeit 1997/98 beim EHC Trier. Pokel hat alles in seinem Kopf abgespeichert. Die damaligen finanziellen Probleme des EHC wegen ausstehender Eismieten schon bei seinem Start. Die deshalb so kurz ausgefallene Vorbereitung auf die so wichtige Saison, in der es um die Qualifikation zur eingleisigen zweiten Liga unterhalb der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ging. Das sportliche Auf und Ab in den Monaten danach. Die sich immer weiter zuspitzende finanzielle Situation, die schließlich zum Konkurs des EHC am Saisonende führte.

„Ich erinnere mich an so vieles. Es war für mich ein sehr lehrreiches Jahr, in dem ich für meinen Beruf unheimlich viel gelernt habe. Ich war in jungen Jahren gezwungen, Spielerverträge zu machen, die ganzen Bestimmungen im deutschen Eishockey zu verinnerlichen und richtig Deutsch zu lernen“, sagt Pokel rückblickend.

Der TV hat den heute 52-jährigen US-Amerikaner telefonisch in Österreich erreicht. In Dafins, einem kleinen Ort in Vorarlberg nahe dem Bodensee und zur schweizerischen Grenze, besitzt er ein Haus. Dort verbringt er aktuell die Zeit mit seiner Familie (Frau Michaela, zwei Söhne – 14 und 17 Jahre alt).

Foto: privat

Der Anruf des TV erfolgte aus gutem Grund. Kürzlich wurde Pokel zum Trainer des Jahres in der DEL gewählt. Mit den Straubing Tigers belegte er nach der Hauptrunde sensationell Rang drei – die Playoffs wurden wegen der Corona-Krise nicht mehr ausgetragen.

„Der Abbruch der Saison war ein großer Schlag ins Gesicht. Aber unter diesen Umständen haben wir Verständnis dafür. Ich habe aufgrund meiner früheren Stationen noch viele Beziehungen nach Italien. Wenn ich sehe, was dort ab­geht, befinden wir uns derzeit in einer ganz gefährlichen Situation“, sagt Pokel, der seit Ende Oktober 2017 in Straubing unter Vertrag steht.

14 Clubs binnen 25 Jahren in Deutschland, Österreich und Italien – dazu phasenweise parallel Nationaltrainer-Engagements in Italien, den Niederlanden und Österreich: Pokel, gebürtig aus Green Bay im US-Bundesstaat Wisconsin, ist schon weit herumgekommen.

Foto: privat

So richtig Fahrt nahm seine Trainerkarriere vor 23 Jahren in Trier auf. 1995 war Pokel, der mit 23 Jahren seine Spieler-Karriere im Team der State University of New York at Fredonia nach einer Kreuzbandverletzung früh beenden musste und anschließend in der Werbeabteilung der Buffalo Sabres in der NHL arbeitete, nach Deutschland gekommen – zunächst als Co-Trainer beim EHC Timmendorfer Strand. Zwei Jahre später bot sich ihm die Chance, Chefcoach in Trier zu werden an der Seite der damals 58-jährigen russischen Eishockey-Legende Vitaly Davidov, dem dreifachen Olympiasieger.

Pokel, gerade mal 29 Jahre alt, schnappte zu. „Als ich in Trier anheuerte, wusste ich nicht um die finanziellen Probleme. Das war dann eine Überraschung für mich. Vielleicht hätte ich mir das Engagement im Vorfeld besser überlegen müssen“, gibt Pokel in der Rückschau zu, damals vielleicht noch etwas naiv gewesen zu sein. „Doch ich habe mir gesagt, ich gebe nicht auf. Es folgte eine turbulente Achterbahnfahrt. Ich war immer der Letzte, der etwas erfahren hat. Die ganze Wahrheit kam dann erst auf den Tisch, als der Verein abgemeldet werden musste“, sagt Pokel, der seinerzeit in Konz-Könen wohnte.

Gute Erinnerungen hat er an die Zusammenarbeit mit Davidov: „Ich habe höchste Achtung vor ihm. Die Kommunikation mit ihm war zwar nicht so einfach, doch ich verwende heute noch Übungen von ihm im Training.“

Ein Trikot von Davidov hält Pokel weiterhin in Ehren. Und gibt’s sonstige Andenken an die Zeit an der Mosel? „Mein schönstes Andenken an Trier? Das ist meine Frau!“, sagt Pokel. Seine Michaela lernte er damals in Deutschlands ältester Stadt kennen. Sie arbeitete unter anderem in einem Fitnessstudio. 2001 wurde geheiratet.

Nach zwei, drei Jahren in Deutschland wollte Pokel eigentlich in die USA zurückkehren. Doch es kam anders. Wie er in Trier arbeitete und mit den schwierigen Rahmenbedingungen umging, blieb anderen Clubs nicht verborgen. 1998 ging Pokel zu den Bietigheim Steelers. Viele weitere Stationen in Europa folgten. Nun ist er DEL-Trainer des Jahres. Und vergisst seine Wurzeln nicht. Pokel: „Ich muss dankbar sein für das Jahr in Trier. Ich bin dort in jungen Jahren reif geworden.“