1. Sport
  2. Sport aus der Region

Trier: Als 10 000 Fans Beckenbauer und Co. zujubelten

Erinnerungen an das Jubiläum „2000 Jahre Stadt Trier“ : Als 10 000 Fans Beckenbauer und Co. zujubelten

2000 Jahre Stadt Trier: Dieses Jubiläum wurde 1984 groß gefeiert. Der Sport und gerade der Fußball durften im bunten Programm nicht fehlen. So kam es im Moselstadion zum Freundschaftsspiel der Eintracht-Traditionself und einer Auswahl früherer Welt- und Europameister. Warum beim Anpfiff die Inhaberin eines Etablissements auf dem Platz stand und für die Gastgeber statt des 2:2 auch ein 4:8 kein Problem gewesen wäre.

Er war Mitglied der wenige Jahre zuvor gegründeten Traditionself der Eintracht und spielte über Jahre hinweg auch in der Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft: Der Trierer Adolf „Adi“ Mock hatte großen Anteil daran, dass es am Gründonnerstag, 19. April 1984, zu einem Galaspiel dieser Mannschaften im Moselstadion kam. „Unser späterer Oberbürgermeister Helmut Schröer, der damals Wirtschaftsdezernent war, fragte mich, ob ich nicht ein Spiel dieser Teams anlässlich der 2000-Jahr-Feier arrangieren könne“, erinnert sich der heute 78-jährige Mock.

Das Trierer Jubiläumsprogramm umfasste damals insgesamt rund 500 Veranstaltungen. Auch der Sport war mit zahlreichen Aktivitäten vertreten. Der traditionelle Deutschland-Cup im Tischtennis, die Hunsrück-Rallye als Vorläufer der „Deutschland“, Kegelwettbewerbe und einiges mehr: Vieles fand 1984 im Zeichen des runden Stadtgeburtstages statt. „Die meisten Veranstaltungen waren jahrelang vorher geplant. Das Spiel im Moselstadion kam relativ kurzfristig zustande und war ganz klar ein Verdienst von Adi Mock, der hier seine sehr guten Kontakte spielen gelassen hatte“, weiß Alt-Oberbürgermeister Schröer noch allzu gut. Für den begeisterten Fußballer, der einst in seiner Heimat im Dress des SC Köln-West ein ambitionierter Jugendspieler war und der nach seinem Umzug in die Region den SV Manderscheid erfolgreich trainierte, war das Galamatch ein besonderer Leckerbissen. Ein Wiedersehen feierte Schröer an jenem 19. April auch mit einem alten Weggefährten: Den 1966er Vizeweltmeister Wolfgang Weber kannte er noch aus gemeinsamen Einsätzen in der Mittelrheinauswahl.

Adi Mock wiederum war früher in der Eintracht-Jugend aktiv, später beim SV Trier-West und nach der Vereinsgründung beim TuS Euren am Ball. In den Siebzigern zählte er zu den festen Größen beim SV Ehrang, der zu Glanzzeiten sogar in der damals dritthöchsten Spielklasse, der 1. Amateurliga Rheinland, spielte.

Irgendwann, erinnert sich Mock, habe ihn mal Werner Treimetten aus Altrich (Kreis Bernkastel-Wittlich) angesprochen und ihn in seiner Eigenschaft als Manager der Seeler-Elf gefragt, ob er nicht ab und an aushelfen könne, wenn ihm einer aus der Riege der früheren Stars mal kurzfristig abgesprungen sei. „Ich hatte natürlich bei weitem nicht das Niveau wie Franz Beckenbauer, Wolfgang Overath oder Günter Netzer. Aber auch ein solches Team brauchte mal Wasserträger, also Zuarbeiter im Hintergrund“, erinnert sich Mock und berichtet von vielen schönen Erinnerungen und langjährigen freundschaftlichen  Verbindungen, die sich aus dieser Zeit entwickelt hätten – zum Beispiel zum 66er Vizeweltmeister Willi Schulz und dem 74er Weltmeister Wolfgang Overath, der auch mit seiner Familie immer mal wieder gerne in Trier zu Gast war.

Für das Spiel im Moselstadion konnte Mock schnell Elmar Frank begeistern, der zwei Jahre zuvor einer der Gründer der SVE-Traditionself war. An der Seite von Günter Geulich, Michael Veit und zum Beispiel Elmar „Pony“ Geirsson wollte man sich gerne mit den unter „Altinternationale“ firmierenden Stars messen (komplette Kader: siehe Extra). Als Eintracht-Masseur fungierte jemand, der auch heute noch fest in der Trierer Sportszene verankert ist und längst zum Inventar der Basketballer zählt: Axel „Aggy“ Mock.

 Adolf Mock blickt noch sehr gerne auf das Galaspiel im Moselstadion zurück.
Adolf Mock blickt noch sehr gerne auf das Galaspiel im Moselstadion zurück. Foto: Andreas Arens

Der weitläufig mit ihm verwandte Adi verfolgte die Partie vor knapp 37 Jahren nur von der Bank aus. „Ich wollte mich damals vor solch einer großen Kulisse hier in Trier nicht in den Vordergrund drängen. Auf dem Platz standen Leute, die es in ihrer Laufbahn zu weitaus mehr gebracht hatten als ich, und ich zählte ja auch nicht zu der Eintracht-Elf, die 1976 in die 2. Liga aufgestiegen war.“

Mock, der in seinem langen Sportlerleben auch 16 Marathons lief und den mit 5895 Metern höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo, bestieg, hatte sich im Vorfeld umso mehr ins Zeug gelegt.

Die Eintracht war zwar Ausrichter und stellte etwa Kassierer und Ordner, doch auch das Rahmenprogramm sollte stimmen. Da hatte sich das Orgateam mit Mock als Mitglied einiges einfallen lassen. So trat vor dem Anpfiff eine Tanzgruppe der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Ehrang auf, Fallschirmspringer brachten den Spielball aus der Luft, in der Halbzeit präsentierte Mocks Garten- und Landschaftsbaufirma auf der Laufbahn ein „Black Cab“, ein original englisches Taxi. Und den Anstoß durfte die Inhaberin eines Trierer Etablissements machen. Im Gegenzug schaltete sie eine ganzseitige Anzeige in einer Sonderausgabe der Stadionzeitung „Eintracht-Echo“.

Den Großteil des Erlöses aus Werbung und Zuschauergeldern sollte an die Franz-Beckenbauer-Stiftung gehen, den Rest erhielt die Eintracht. „Von dem, was noch übrigblieb, sind wir mit der Eintracht-Traditionself für ein paar Tage nach Mallorca geflogen“, berichtet Frank.

Die große Kulisse von 10 000 Besuchern – inoffiziell war sogar von 12 000 die Rede – war auch für ihn und viele weitere Mitglieder der Zweitliga-Aufstiegself der Eintracht etwas Außergewöhnliches: „Im Vorfeld hatte man nur etwa 3000 Zuschauer erwartet.“ Doch das Wetter an diesem Tag war angenehm frühlingshaft, und die großen Namen besaßen immer noch eine enorme Strahlkraft auf die Fußballfans aus der Region. „Natürlich wollten wir uns gerade vor solch einer auch gut aus der Affäre ziehen“, betont Frank. „Es war grundsätzlich Technik angesagt, ab und an wurde auch aber auch mal körperbetont gespielt“, erinnert sich Günter Geulich, der 1963 von Rot-Weiss Essen zur Eintracht gewechselt war und als Trainer die Blau-Schwarz-Weißen 1976 zur Rheinlandmeisterschaft führte – die Voraussetzung, um an der Zweitliga-Aufstiegsrunde teilnehmen zu können. Geulich war es auch, der den Treffer zum 2:2-Endstand gegen Seeler, Netzer & Co. markierte.

Beim anschließenden Bankett in lockerer Runde im benachbarten Vereinshaus des Tennisclubs Trier überreichte Beigeordneter Schröer Bildbände von Trier und passend zur 2000-Jahr-Feier römische Münzen. Frank berichtet, dass einige der früheren Welt- und Europameister ihn gefragt hätten, warum die Trierer bei diesem Galamatch nicht mehr auf Kabinettstückchen und Tore aus gewesen wären.

Sein Team sah er aber keineswegs als Spielverderber an: „Wichtig war uns nur, nicht 0:10 zu verlieren. Wäre im Vorfeld einer von den Altinternationalen auf uns zugekommen, und hätten wir da die Marschrichtung besprochen, wäre auch für uns ein 4:8 kein Problem gewesen.“

Eines der „herausragenden Ereignisse in diesem Trierer Jubiläumsjahr“ (so wurde die Partie in der Stadionzeitung angekündigt) ist unter den langjährigen Eintrachtlern bis heute ein Thema. Meist zweimal im Jahr kommt die damalige SVE-Traditionself zusammen und lässt die Erinnerungen an glorreiche Zeiten aufleben. Ein bisschen Wehmut ist auch dabei: Ein proppenvolles Moselstadion gab es schließlich schon lange nicht mehr.