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Trier: Auf die Persönlichkeit kommt’s an

Fußball-Schiedsrichter : Auf die Persönlichkeit kommt’s an

Dieser Schiedsrichter ist im Fußballkreis Trier-Saarburg weitbekannt und genießt ein hohes Ansehen. Seinen Erfahrungsschatz gibt Jens Schneider nun auch als Funktionär weiter. Was er in seinem neuen Amt vorantreiben will.

Jener kleine Beitrag eines Liveticker-Schreibers von der A-Liga-Partie zwischen dem SV Sirzenich und der SG Kordel/Welschbillig am vergangenen Sonntag (1:2) sprach Bände – und drückte einiges über die Philosophie von Schiedsrichter Jens Schneider aus. „Nach Protesten der Zuschauer rief ihnen der Schiri zu: ‚Jetzt seid‘ mal ruhig. Ihr schwätzt nur dummes Zeug.‘ Guter Spruch, und er hatte recht“, stand da im Fußballportal fupa.net/volksfreund zu lesen. Schlagfertig, offen, ehrlich und immer für einen Scherz zu haben: So kennen Schneider viele im Fußballkreis Trier-Saarburg und sogar darüberhinaus – schließlich pfiff er auch schon mal drei Jahre lang in der Rheinlandliga.

Seit wenigen Wochen ist der in Mittelhessen geborene, in der Saarpfalz aufgewachsene und vor knapp 15 Jahren berufsbedingt nach Trier gezogene Schneider auch noch auf der Funktionärsebene aktiv: Der Nachfolger von Alexander Rausch gehört dem Kreis-Schiedsrichterausschuss nun als Lehrwart an, wurde vom Verbandsschiedsrichterausschuss vorgeschlagen und vom Präsidium des Fußballverbandes Rheinland berufen.

Seine Feuertaufe hat Schneider („Ich trete in große Fußstapfen. Alex hat über viele Jahre hinweg einen super Job gemacht.“) bereits bestanden. Bei der Belehrung, die aufgrund der Corona-Einschränkungen im Konzer Saar-Mosel-Stadion stattfand, referierte er vor den Trier-Saarburger Unparteiischen über die Regel­änderungen zur neuen Saison. Dabei stand auch das (leidige) Thema Handspiel im Fokus. „Hier geht es ab sofort wieder zurück zu den Wurzeln. Entscheidend ist die erkennbare Absicht und nicht das bloße Handspiel.“ Die Regeln zu erklären, auf Neuerungen einzugehen und auch Fitnesstests zu überprüfen: Das sind die Schwerpunkte von Schneiders Arbeit. Es geht ihm aber um noch viel mehr: „Wichtig ist, dass ein Schiedsrichter auch seine Persönlichkeit miteinbringt. Wir erkennen ja in den 90 Minuten schon sehr viel, alles richtig zu machen, ist aber fast unmöglich. Da kommt es dann auch drauf an, wie ich mich als 23. Mann auf dem Platz präsentiere und wie ich mit den Beteiligten umgehe.“

Schneider ist sich darüber bewusst, dass „jüngere Schiedsrichter noch nicht diese Ausstrahlung haben können, aber sie sollten sich bei ihren Entscheidungen sicher sein und sie bei Bedarf auch begründen können“. Der Oberstudienrat für Sozial- und Erdkunde am Eifel-Gymnasium in Neuerburg liebt den Fußball – und freut sich Woche für Woche auf die Begegnungen mit Spielern, Trainern und den Menschen aus dem Umfeld der Vereine. „Für mich kommt es eigentlich nicht so sehr auf die Klasse an, die ich gerade pfeife“, stellt der 42-Jährige, der für die SG Ruwertal pfeift, klar. Da kann auch mal ein C-Ligaspiel ein Höhepunkt sein. „Vor ein paar Jahren habe ich Mariahof gegen Alemannia Trier geleitet. Viele dachten, dass es da ganz schön zur Sache geht. Es blieb aber alles ruhig. Die SSG gewann das Spiel. Wir hatten nachher noch mit allen eine super dritte Halbzeit.“ Sein Ziel sei es, „nach dem Spiel mit allen noch ein oder zwei Bier trinken zu können“. Oft habe er dann schon erlebt, wie seine Entscheidungen auf einmal anders gesehen wurden und mehr Akzeptanz erfuhren.

Froh ist Kreisobmann Arndt Collmann, der sich mt seinem Team bei der Schiri-Versammlung am 10. September zur Wiederwahl stellt (siehe Extra), über Schneider als neuen Lehrwart: „Jens bringt viel Erfahrung als Schiedsrichter mit ein. Aber auch das Menschliche ist ein elementarer Faktor in der Lehrarbeit. Das Wissen richtig und gut dosiert weiterzugeben und den Spagat zwischen Jung und Alt zu meistern, muss man gerade auf Kreisebene gut miteinander kombinieren. Aber als Lehrer mit pädagogischen Fähigkeiten ist er der geeignete Nachfolger von Alex.“

Einiges hat der frühere Kreisliga-A-Torwart, der vor knapp 30 Jahren über seinen Stiefvater zum Pfeifen kam, vor. So plant er, Kooperationen mit Schulen einzugehen, um junge Unparteiische zu gewinnen. Auch das weibliche Geschlecht würde er gerne (mehr) zur Schiedsrichterei bringen. Die sonntäglichen Einsätze auf dem Platz sollen aber weiter nicht zu kurz kommen. Nicht nur die Liveticker-Leser auf Fupa.net wird’s freuen …