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Trier: Der Talentschmied ist zurück

Trier : Der Talentschmied ist zurück in Trier

Ein weit über die Grenzen der Region hinaus renommierter und erfolgreicher Nachwuchsförderer ist wieder im heimischen Basketball aktiv: Zur neuen Saison übernimmt Josip Bosnjak die Jüngsten bei der MJC Trier – und fängt damit noch mal ganz von vorne an.

Moritz Bitter, selbst erfahrener Regionalligaspieler und jetzt in der Abteilungsleitung der MJC Trier für den männlichen Bereich zuständig, kann seine Freude über den Coup, den begehrten Trainer verpflichtet zu haben, kaum verbergen: „Wir hatten sehr gute Gespräche mit Josip Bosnjak.“ Dieser habe viele lukrative Angebote ausgeschlagen.

Der Name Bosnjak ist in der Region Trier ganz eng mit der Entwicklung von Basketballtalenten verknüpft. Da ist etwa der spätere Nationalspieler Maik Zirbes zu nennen oder Kilian Dietz, der lange Spieler der Gladiators Trier in der 2. Bundesliga war. Bosnjak hatte maßgeblichen Anteil an ihrer Karriere.

Sein Leben ist seit Jahrzehnten  mit dem Basketball verbunden. Als Zwölfjähriger fing Bosnjak damit in seiner Heimat, die damals noch Jugoslawien hieß, an. Sehr schnell fing er für diese Sportart Feuer. Drazen Petrovic, der bis heute allgemein als der beste europäische Basketballer aller Zeiten gilt, „war das große Idol aller Basketballer in Jugoslawien“, erzählt Bosnjak. Von großem Ehrgeiz getrieben, schaffte es Bosnjak schnell in die zweithöchste Liga des Balkanstaates und war dort für Bosna Sarajevo aktiv.

Unter dem Eindruck des Bosnienkrieges ging es für ihn im November 1992 zu Tante und Onkel nach Hamburg: „Mein erster Weg dort war zum Sportverein und zum Basketball.“ Schnell kam 1993 der Ruf seines ehemaligen Trainers Miroslav Rag, der ihn schon in Jugoslawien gecoacht hatte.

So kam Bosnjak nach Wittlich, das bis heute seine zweite Heimat ist, und wo er sich sehr wohlfühlt. Beim Wittlicher TV und schließlich bei Regionalligist TuS Treis-Karden gehörte er zu den besten Aufbauspielern der Liga. Dank seiner außergewöhnlichen Spielübersicht soll er seinerzeit auch das Interesse des damaligen Basketball-Bundesligisten TVG Trier geweckt haben.

„Schon immer“, habe er Interesse an einer Trainertätigkeit gehabt. Und das hat er auch nach mehr als 20 Jahren als erfolgreicher Coach nicht verloren. Ganz besonders stolz ist er auf seine Erfolge im Jugendbereich. Besonderen Stellenwert haben hier die Siege bei den deutschen Pokalmeisterschaften mit der U18 des SFG Bernkastel und besagtem Maik Zirbes und der Pokalsieg mit der U16 der MJC, unter anderem mit Rupert Hennen und Luca Breu, die beide den Sprung in die Trierer Bundesligamannschaft schafften. „Ich habe bis heute noch Kontakt zu fast allen meinen Jugendspielern“, und das ist ihm fast ebenso wichtig wie der sportliche Erfolg.

Vor einigen Jahren, als das Angebot der Gladiators kam, sich im Leistungs-Nachwuchsbereich zu engagieren, wagte er den Schritt zum Profitrainer. Die Zusage seines Arbeitgebers, wann immer er es möchte, wieder vollumfänglich in seinen Job im Anlagenbau zurückkehren zu können, machte seine Entscheidung leichter. „Es war eine gute Erfahrung“, urteilt Bosnjak, der sich nach der Zeit bei den Gladiators entschied, wieder zu seiner regulären Arbeit zurückzukehren und die Trainertätigkeit wie früher nebenamtlich weiterzuführen.

In Koblenz sollte er versuchen, die Mannschaft aus der Regionalliga in die Bundesliga zu führen. Das misslang. Über die Umstände, die letztlich zur Trennung führten, will er nicht sprechen. Doch Fakt war, dass er „erst einmal keine Lust mehr auf Leistungsbasketball“ verspürte. „Es kribbelt aber immer noch“, muss er zugeben und will wieder etwas von „unten“, sprich im jüngeren Basketballalter, aufbauen. Aufgrund der guten Zusammenarbeit in früheren Jahren habe er der MJC gerne die Zusage gegeben: „Ich freue mich auf die nächsten Jahre.“

Was ein junger Spieler mitbringen muss, um erfolgreich auf Korbjagd gehen zu können? Da muss der erfahrene Coach länger überlegen: „Erforderlich ist ein ganzes Paket. In erster Linie ist es wohl die unbedingte Liebe zu diesem Sport.“ Basketball, besonders im ehemaligen Jugoslawien, war für ihn auch eine Lebensschule. „Die soziale Kompetenz, zu der eine Mannschaftssportart verhilft ist mir sehr wichtig.“

Deshalb gibt er Jugendspielern den Tipp, sich darüber bewusst zu sein, „dass man alles, auch die schulischen Belange, unter einen Hut bringen muss, wenn man gut werden will. Es geht in einer Sportkarriere nicht immer nur aufwärts. Rückschläge sind normal und machen einen nur stärker“.

Josip Bosnjak kann es nach Corona-Pause kaum erwarten, wieder mit den Kids in der Halle zu trainieren. Sein erstes Training für alle Kinder der U12 findet am Freitag, 25. Juni, 18 Uhr, in der MPG/AVG-Halle statt. Die Einheit ist offen für alle interessierten Korbjäger dieser Altersklasse.

 Links Jugendleiter Jochen Schuler, Rechts Josip Bosnjak MJC Trier
Links Jugendleiter Jochen Schuler, Rechts Josip Bosnjak MJC Trier Foto: Uli Kaurisch

Weitere Informationen zu den Trainingszeiten gibt es im Internet unter www.mjc-basketball.de