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Trier: Die Devise lautet: Laufen für mehr Lebensqualität

Leichtathletik : Seine Devise: Laufen für mehr Lebensqualität

Er hatte einst maßgeblichen Anteil daran, dass der Laufsport in Deutschland aus der Nische herauskam. Auch als 80-Jähriger ist Manfred Steffny seiner großen Leidenschaft weiterhin fest verbunden – und gibt das älteste deutsche Laufmagazin Spiridon heraus.

Manfred Steffnys „Marathontraining“ hat auch den Verfasser dieser Zeilen zum Läufer gemacht. Der orangefarbene Buchrücken der Erstausgabe von 1977 im Buchregal des Vaters hatte Ende der 1980er Jahre eine fast schon magische Anziehungskraft und lockte einen weg vom Fußballplatz über immer länger werdende Laufstrecken – schnell auf die sagenumwobene 42,195-Kilometer-Distanz.

Wie wohl viele andere Läufer auch. Manfred Steffnys Lauflehrbuch, das in 15 Auflagen unter anderem auch auf Englisch, Niederländisch und Japanisch erschienen ist, war der erste deutschsprachige Leitfaden für Hobbysportler auf dem Weg zum Marathon. Mit praktischen Trainingsratschlägen. Vor allem aber implizit durch die Idee: Laufen als Lebenszeitsport für mehr Lebensqualität.

Etwas, was Steffny seit frühester Jugend selbst vorlebt. Geboren als ältester Sohn des Trierer Goldschmiede-Meisters Alfons Steffny und dessen Ehefrau Marianne, wuchs er unweit der Porta Nigra auf. Als 14-Jähriger trat Steffny als Kreismeister der Schüler erstmals als Läufer in Erscheinung und wurde 1959 Dritter der Deutschen Jugendmeisterschaften über 3000 Meter (in 8:51,2 Minuten). Ein Jahr später sah er den Äthiopier Abebe Bikila barfuß den olympischen Marathon in Rom gewinnen. „Ich sah die Bilder im Fernsehen und war fortan von der Idee besessen, auch einmal bei Olympia im Marathon an der Startlinie zu stehen“, zitiert ihn der langjährige Trierer Stadtlauf-Moderator Arthur
Schmitt in einem Beitrag fürs Portal leichtathletik.de.

Als es so weit sein sollte, 1968 bei den Olympischen Spielen in Tokio, wurde Steffny zuvor nur Vierter bei den (Bundes-)Deutschen Meisterschaften. Sein Trainer und Mentor Ernst van Aaken rang dem DLV das Versprechen ab, seinen Schützling zu nominieren, sollte er noch rechtzeitig mit einer außergewöhnlichen Leistung aufwarten. Steffny lieferte. Bei einem von van Aaken eigens organisierten Marathonlauf verbessere der Trierer, den es längst zum Wuppertaler SV (und später zum TSV Bayer 04 Leverkusen) gezogen hatte, den (bundes-)deutschen Rekord noch auf 2:17:13,8 Stunden. In „Marathontraining“ beschreibt Steffny, wie er sein Idol Bikila beim olympischen Marathon von Mexiko überholte und das Rennen als 17. (in 2:31:28,8 Stunden) und damit zweitbester Deutscher (hinter Jürgen Busch aus der DDR als 15 in 2:30:42,6) beendete. 1972, als er in Manchester seine persönliche Marathon-Bestzeit von 2:16.45 Stunden aufgestellt hatte, erfüllte sich Steffny in München ein zweites Mal seinen olympischen Traum (31. in 2:24:25,4).

 Manfred Steffny als Reporter im Einsatz
Manfred Steffny als Reporter im Einsatz Foto: Holger Teusch, Unterm Bergfried 20, 54538 Bausendorf, Telefon 06532/954022/Holger Teusch

Kurze Zeit später beendete Steffny seine Leistungssportkarriere. Läufer ist er bis heute geblieben. Als Senior gewann er Medaillen bei internationalen und nationalen Meisterschaften. Geprägt hat er die Laufszene aber vor allem durch seine Veröffentlichungen. Im Dezember 1974 gründete er zusammen mit van Aaken das erste monatlich erscheinende deutsche Laufmagazin Spiridon, das er bis heute mit mehr als 500 Ausgaben leitet. Namensgeber ist Spyridon Louis, der erste Marathon-Olympiasieger 1896 in Athen. Kurz zuvor hatte er mit „Lauf mit“ bereits ein erstes Laufbuch für den Hobbysportler veröffentlicht. Der in Erkrath unweit von Düsseldorf lebende Steffny war auch der (ab 1978) erste Deutsche, der Laufseminare anbot.

Als Trainer führte er Christa Vahlensieck zweimal zum Marathon-Weltrekord (1975 in 2:40:16 und 1977 in 2:34:48) und zahlreichen Siegen (unter anderem beim Berlin-Marathon 1977). Nachdem Herbert Steffny, der nach Erfolgen als Jugendlicher die Laufschuhe schon zwischenzeitlich an den Nagel gehangen hatte, in den 1980er Jahre wieder die Familientradition aufnahm, trainierte Manfred Steffny auch seinen jüngsten Bruder (von vier Geschwistern): Herbert Steffny gewann bei den Europameisterschaften in Stuttgart die Bronzemedaille. Zuvor (1984) war der jüngste Steffny-Spross Dritter beim New-York-Citymarathons geworden – eine Platzierung, die seitdem kein Deutscher mehr erreichen konnte.

Auch wenn andere, mehr auf Lifestyle getrimmte Laufmagazine und Online-Angebote den einstigen Vorreiter Spiridon längst in eine Nische gedrängt haben: Manfred Steffny arbeitet auch mit 80 Jahren (seinen Geburtstag feierte er vor einer Woche) unermüdlich an seinem Magazin weiter und ist seiner Geburtsstadt Trier weiter verbunden.

Beim Silvesterlauf-Jubiläum war er 2019 ebenso vor Ort, wie er am letzten Jahreswechsel (zusammen mit Sohn Dominik, der ebenfalls für Spiridon arbeitet) am virtuellen Silvesterlauf zugunsten der Opfer der Amokfahrt in Trier teilnahm. Laufen ist für Manfred Steffny ein Lebenszeitsport.