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Trier-Ehrang: Die Sportschau kennt er nur vom Hörensagen

Handball ist unser Leben : Die Sportschau kennt er nur vom Hörensagen

Werner Hub ist eines der Aushängeschilder der regionalen Schiedsrichtergilde und auch übers Pfeifen hinaus sehr engagiert.

Wer sich mit den Handballschiedsrichtern in der Region und darüberhinaus befasst, kommt an einem Namen nicht vorbei: Werner Hub ist Unparteiischer mit Leib und Seele – und das schon seit mehreren Jahrzehnten.

Mit sechs Jahren trat er als Turner in den TV Ehrang ein und spielte dann ab 1968 in der D-Jugendmannschaft des Vereins Handball. „Die Heimspiele wurden in dieser Anfangszeit noch auf dem Schulhof der Schule Ehrang-Ort ausgetragen. Dort war ein Kleinfeld auf einer asphaltierten Fläche abgegrenzt. Bei Nässe war das sehr abenteuerlich, und in der heutigen Zeit wären solche Bedingungen undenkbar“, erinnert sich Hub an spannende Anfangszeiten. Ab der C-Jugend bildete sich ein fester Stamm an Spielern. Daraus resultierten Freundschaften, die bis zum heutigen Tag bestehen. Mit Dietmar Volberg, Robert Kirchen, Andreas Gerards, Wolfgang Nerling und vor allem Michael Diedrich, mit dem er über Jahrzehnte hinweg ein Schiedsrichtergespann bildete, pflegt Hub heute noch sehr enge Kontakte. 

Nicht zuletzt deswegen ist er seit 2016 auch Vorsitzender des TV Eh­rang. „Sport – Handball im Besonderen – hat mir immer viel Spaß bereitet. Ich habe dazu tolle Menschen kennengelernt, verbunden mit vielen unvergesslichen Erlebnissen. Dann ist es auch mal an der Zeit etwas zurückzugeben“, schildert er seine Motivation, die Führungsfunktion in seinem Stammverein übernommen zu haben.

Doch zunächst zurück zu seiner Laufbahn als Aktiver: Hub durchlief alle Jugendklassen, bis ihn eine Kreuzbandverletzung 1978 zu einer Pause von einem Jahr zwang. Wiedergenesen, war Hub dann in der zweiten Herrenmannschaft des TV Eh­rang aktiv. Schon 1980 erwarb er die C-Trainer Lizenz, coachte ab ’81 die erste Frauenmannschaft in der damaligen Verbandsliga. Ab 1984 kümmerte sich Hub dann um die Landesliga-Herren („Eine wirklich sehr schöne Zeit, die immer wieder von tollen Derbys geprägt war.“). Nachdem es von der Mitgliederversammlung des TVE kein grünes Licht für eine Fusion mit der HSG Biewer-Pfalzel gegeben hatte, verließen einige Stammspieler den Verein, teilweise auch berufsbedingt. Da aus dem Jugendbereich nichts mehr nachkam, wurde die Mannschaft aus der Landesliga zurückgezogen und trat in der 1. Kreisklasse an.

1984 erwarb der Ehranger bereits seine Schiedsrichterlizenz. Von Beginn an pfiff Hub im Gespann mit seinem Partner Michael Diedrich, der 2013 seine Pfeife an den Nagel hängte. „Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, muss es auch auf der menschlichen Ebene stimmen. Es gab Zeiten, in denen wir mehr Zeit am Wochenende miteinander verbracht haben als mit unseren Partnerinnen. Da gingen schon mal bei langen Auswärtsfahrten zwei Tage drauf“, erinnert sich Hub. Gemeinsam mit seinem Gespannpartner schaffte er 1986 den Aufstieg in den Schiedsrichterkader des Handballverbandes Rheinland. Und es ging weiter hoch: 1993 waren sie schließlich auf nationaler Ebene angelangt.

Nachdem Wolfgang Wartner seine Tätigkeit beendet hatte, wurde Hub Schiedsrichter-Lehrwart im Bezirk Mosel und im Jahre 2000 zum Schiedsrichter-Lehrwart des Handballverbandes Rheinland berufen. Im gleichen Jahr war für ihn nach einer erneuten Knieoperation als Spieler Schluss

Als Höhepunkt seiner Schiedsrichterkarriere bezeichnet er ein Testspiel der deutschen Herren-Nationalmannschaft in Daun gegen Weißrussland. Die Partie fand im Dezember 1993 im Rahmen eines Trainingslagers der DHB-Auswahl statt und sollte als Vorbereitung auf das entscheidende Qualifikationsspiel gegen Frankereich für die EM 1994 in Portugal dienen.

Hub und Diedrich leiten auch wichtige Spiele in der 2. Bundesliga mit vielen international bekannten Handballern, darunter Vladimir Vukoje und Frank-Michael Wahl.

Begegnungen in Minden und Nettelstedt vor bis zu 4000 Zuschauern in toller Atmosphäre waren für das Duo von der Mosel schon etwas Besonderes und anfangs auch gewöhnungsbedürftig: „Die Dynamik, Schnelligkeit und das individuelle Können in diesen Spielklassen stellen schon eine besondere Anforderung an die Schiedsrichter dar.“

Auch an das seinerzeit „ewige Duell“ in Meisterschaft und Pokal zwischen Irmenach-Kleinich und Bad Marienberg vor bis zu 1000 Zuschauern in der Rheinlandliga denkt Hub gerne zurück:

Unverändert viel Zeit investiert er in seine Tätigkeit als Lehrwart, Schiedsrichterbeobachter, Unparteiischer sowie als Ausbilder für Schiedsrichter und Zeitnehmer und Sekretäre. Für die Spielbereiche Mosel und Nahe stehen jeweils sechs Fortbildungen pro Jahr im Terminkalender. Dazu kommen die jährliche Neuausbildung von Nachwuchsschiedsrichtern über vier Tage sowie zwei Lehrgänge für die Schiedsrichter der Rheinlandliga. Die dafür notwendigen Informationen (auch zu Regeländerungen) gibt es beim jährlichen DHB-Treffen der Lehrwarte. „Doch auch die Fortbildungen machen sich nicht von selbst. Da sitze ich schon einige Stunden vor dem Rechner, um die Maßnahmen vorzubereiten“, verrät er.  So ist Hub, wenn nicht gerade Corona alles durcheinanderwirbelt, weiterhin fast jedes Wochenende unterwegs, sei es als Fortbilder, Schiedsrichterbeobachter oder selbst als Referee. „Die Sportschau am Samstagabend kenne ich daher nur vom Hörensagen“, scherzt er.

Sorgen bereiten ihm die weiterhin sinkende Anzahl von Unparteiischen und das nicht immer sportliche Verhalten von einigen Zuschauern in den Hallen gegenüber den Schiedsrichtern: „Die geltenden Geldstrafen und Punktabzüge bei der Nichterfüllung des Schirisolls helfen uns nur bedingt weiter. Hierdurch haben wir keinen einzigen Schiedsrichter zusätzlich. Was aber in letzter Zeit so von den Rängen vor allem auf die Jungschiedsrichter herunterprasselt, hat wenig mit Sportgeist zu tun. Ich kann nur hoffen, dass sich dies ändert, sonst wird die Lage im Schiedsrichterbereich noch dramatischer.“

 Werner Hub
Werner Hub Foto: privat

Dem mittlerweile 61-Jährigen macht seine Arbeit indes weiterhin viel Spaß. Deshalb denkt er noch nicht ans Aufhören. Ein Glücksfall für die Handballer der Region.