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Trier: Eine unvergessene Basketball-Legende

Basketball : Eine unvergessene Basketball-Legende

Wie der russische Olympiasieger Alexander Belostenny einst nach Trier kam, und was seine Familie heute macht.

Die Olympischen Spiele in Japan stehen vor der Tür. Längst ist die Zeit vorbei, als der Medaillenspiegel auch Aufschluss darüber geben sollte, welches politische System das Bessere ist. Doch das war lange Zeit anders. Besonders die 60er, 70er und 80er Jahre waren vom sportlichen Kampf Ost gegen West geprägt. Auch Olympia 1988 in Seoul stand nach den Boykottspielen in Moskau 1980 und vier Jahre später in Los Angeles unter diesen Vorzeichen.

Ein Star des olympischen Turniers  in Südkorea sollte ein paar Jahre im Trierer Basketball für Furore sorgen. Die Weltspitze wurde Ende der achtziger Jahre vom Dreikampf zwischen den USA, Jugoslawien und der Sowjetunion dominiert. Wie fast immer ging die Mannschaft der USA auch 1988 als Goldmedaillenfavorit ins Rennen. Erstmals seit zwölf Jahren kam es im Halbfinale wieder zum Aufeinandertreffen der USA und der Sowjetunion. Es endete sensationell: Die Sowjetunion siegte gegen den scheinbar übermächtigen Gegner, in dessen Mannschaft NBA-Legende David Robinson stand. Zum Team der UdSSR gehörten unter anderen Ritas Kurtinaitis und auf der Centerposition Alexander Belostenny. Das Endspiel gewannen die Russen dann gegen Jugoslawien mit 76:63.

Jetzt zu Trier. „Wir konnten es einfach nicht glauben, als dieser 2,14 Meter große Goldmedaillengewinner und Weltmeister 1991 in unsere Trainingshalle kam“, erzählt Rainer Loch, damals Spieler des Trierer Basketball-Bundesligisten, über die erste Begegnung mit Alexander Belostenny. ‚Sascha’, wie ihn seine Mannschaftskollegen nannten, ging 1990 nach dem Zerfall der Sowjetunion nach Saragossa, ehe er nach Trier wechselte. Er hatte in Spanien einen Einjahresvertrag und sollte eigentlich nach Paris oder Athen weiterziehen. „Auf der Fahrt von Paris nach Athen kamen wir durch Deutschland“, erzählt Belostennys Sohn Michael. „Ich möchte am liebsten hier bleiben“, hatte Belostennys Ehefrau Larissa damals zu ihrem Mann gesagt. Die Transferperiode war aber gerade zu Ende – und wer sollte das Gehalt eines Goldmedaillengewinners zahlen können? Doch Ehefrau Larissa ließ nicht locker.

Belostennys Agent hatte von Aufsteiger Trier gehört, bei dem eine Ausländerposition frei war. So kam es zu einem Treffen Belostennys mit Wolfgang Kram, zu der Zeit für die finanziellen Belange des Trierer Bundesligisten zuständig. Trier konnte bei weitem die Gehaltsvorstellungen nicht erfüllen, unterbreitete indes ein Angebot für die Zeit nach der Spielerlaufbahn des damals 32-Jährigen machen: Er konnte Pächter und Wirt des Ratskellers am Trierer Hauptmarkt werden. Das überzeugte Belostenny.

Trier: Eine unvergessene Basketball-Legende
Foto: Belostenny

„Er war ein ganz toller Typ“, urteilt Patrick Börder, damaliger Aufbauspieler des Trierer Bundesligisten. „Ein Star ohne Allüren, der in allen Hallen der Bundesliga stürmisch begrüßt wurde.“ So blieb Sascha auch nach dem Ende seiner Karriere der Moselstadt treu. 2010 starb er an den Folgen einer Krebserkrankung - im Alter von nur 51 Jahren. „Ohne ihn wäre die Entwicklung, die unser Sport hier genommen hat, nicht möglich gewesen“, urteilte James Marsh seinerzeit. „Das ist sein Verdienst. Noch mehr werden wir ihn aber als Mensch vermissen.“

Belostennys Sohn Michael ist in Trier heimisch geworden und dem Basketball mit Unterbrechungen treu geblieben. Er konnte nicht ganz in die großen sportlichen Fußstapfen seines Vaters treten. Nachdem er in  verschiedenen Jugendmannschaften in Trier gespielt hatte, wechselte er in die USA. Den zwei Jahren an einer Highschool in Houston, Texas, folgten vier Jahre in einem College in Alabama. „Mir hat der unbedingte Ehrgeiz gefehlt, und die Körpergröße von 2,06 Metern alleine reicht nicht aus“, gibt Michael zu. „In meinem vierten College-Jahr habe ich meinen Schwerpunkt auf den Abschluss gelegt und damit meine Basketball-Karriere eigentlich beendet.“ Aber die Freude am Spiel hat der 40-jährige Vater von Zwillingen nun wieder gefunden. Er spielt in der Bezirksligamannschaft und in der U40 der MJC Trier. Auch Mutter Larissa ist Trier weiter fest verbunden und betreibt den Ratskeller. „Es war die Beharrlichkeit meiner Mutter, die uns nach Trier gebracht hat“, betont Michael. „Es war die richtige Entscheidung.“