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Trier: Geisterspiele machen Gladiators Sorgen

Basketball : „Das trifft uns hart“: Geisterspiele machen Gladiators Sorgen

2. Basketball-Bundesliga: Nach dem Auswärtsspiel in Leverkusen müssen die Trierer am 2. Weihnachtstag  vor leeren Rängen gegen den VfL Bochum antreten.

Die Weihnachtstage erlauben den Zweitliga-Basketballern keine Pause: So müssen die Römerstrom-Gladiators Trier am heutigen Donnerstag, 19.30 Uhr, in Leverkusen antreten. Am 2. Weihnachtstag, 17 Uhr, kommt es dann zum Heimspiel in der Arena gegen den VfL Bochum – allerdings gemäß der neuesten Corona-Vorgaben vor leeren Rängen.

Normalerweise übersteigt das Zuschauerinteresse am Weihnachtsspieltag den normalen Zuspruch. Der Vorverkauf lief denn auch so, dass sich Gladiators-Geschäftsführer Andre Ewertz sicher war, die erlaubten 1800 Zuschauer erreichen zu können. Nach der aktuellen Verordnung des Landes, die besagt, dass bei Großveranstaltungen keine Zuschauer erlaubt sind, kommt es nun aber zu einem Geisterspiel.  „Das trifft uns sehr hart und stellt uns wieder einmal vor riesige organisatorische Aufgaben“, betont Ewertz’ Geschäftsführerkollege Achim Schmitz unabhängig von finanziellen Einbußen. Auch Trainer Marco van den Berg zeigt sich enttäuscht, ist aber von der Notwendigkeit der nun vorläufig wieder anstehenden Geisterspiele überzeugt: „Wir können die Situation nicht ändern und müssen sportlich mit den Gegebenheiten klar kommen.“

Sportlich gilt indes zunächst das Augenmerk der Partie bei den Bayer Giants Leverkusen. Die Farbenstädter bewiesen ihre starke Form am vergangenen Wochenende mit einem Auswärtssieg im Spitzenspiel bei den Kirchheim Knights. Immer noch lässt der Name Bayer Leverkusen im Basketball besondere Erinnerungen aufkommen, denn in den neunziger Jahren zählte man zu den ganz großen Nummern und glänzte auch auf europäischer Bühne. Erst als die Bayer-Werke als Hauptsponsor ihr finanzielles Engagement erheblich kürzten, kam der Bundesligist durch den Abgang namhafter Akteure ins Straucheln. Wie steinig der Weg sein kann zeigten die folgenden Jahre: Abstieg in die Regionalliga, Neuanfang und 2009 die Meisterschaft in der Regionalliga und der Aufstieg in die drittklassige Pro B. Es folgte 2013 der Aufstieg in die Pro A. Dieses Intermezzo endete schnell 2015 mit dem Abstieg in die Pro B. Mit dem ehemaligen Nationalspieler Hansi Gnad an der Seitenlinie stieg die Mannschaft 2019 wieder auf. Hier überraschte Leverkusen im vergangenen Jahr als Vizemeister. In der Play-off-Runde besiegte Bayer unter anderem die Rostock Seawolves mit dem ehemaligen Leverkusener Erfolgstrainer Dirk Bauermann. Erst gegen Heidelberg hatte Bayer dann das Nachsehen. Eine solche Erfolgssaison lässt sich nur schwer planen und wiederholen. Mit einer jungen Mannschaft (Altersschnitt 22,8 Jahre/Trier: 24,4) und der Maßgabe, den deutschen Nachwuchs zu fördern, sind sie am Rhein in die Spielzeit 2021/22 gestartet. 

Die bisherige Bilanz ist mit acht Siegen bei fünf Niederlagen positiv. Eine Dreierquote von nahezu 40 Prozent zeigt eine der Stärken von Gnads Team. Die Guards Quentin Goodin (15 Punkte im Schnitt, Dreierquote: 43 Prozent), Spencer Reaves (11,4/43) und Forward J.J. Mann (12,8/35,3) gehören zu den Stützen der Mannschaft. Louis Figge zeigt seine Gefährlichkeit mit mehr als 13 Punkten pro Spiel. Dann wäre noch 2,16-Meter-Mann Dennis Heinzmann zu erwähnen, „der Turm unter den Körben“. „Wir müssen am oberen Limit spielen“, schätzt Gladiators-Coach Marco van den Berg das Duell in Leverkusen als Herausforderung ein. Bis auf Derrick Gordon und Dan Monteroso, dessen Heilungsprozess langsamer verläuft als gedacht, sind die Trierer komplett. „Ein Sieg gegen einen Play-off-Konkurrenten wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk“, so Geschäftsführer Ewertz. Noch sind drei Spiele der Hinrunde zu absolvieren, „und es wäre schön, wenn wir aus diesen drei Spielen mindestens zwei Siege einfahren.“

Drei Tage später gegen Bochum gibt es in der Arena ein Wiedersehen mit zwei ehemaligen Gladiatoren. Johannes Joos trägt jetzt ebenso wie Kilian Dietz das Trikot der Ruhrstädter. Joos war von 2016 bis 2019 ein Trierer. Der 26-jährige, 2,06 Meter große Akteur gehört mit einem Schnitt von mehr als zwölf Punkten zu den auffälligsten Akteuren der Gäste. Dietz – man kann ihn als Eigengewächs des Trierer Basketball bezeichnen – begann seine Karriere bei der SFG Bernkastel unter Josip Bosniak. Der heute 31-Jährige wechselte später zur MJC Trier. Dann wurde die Regionalliga-Lizenz der TBB übertragen, und Kilian blieb dem Team treu. Sein Coach blieb Bosniak. Nicht zuletzt wegen seines unbändigen Kampfgeistes wurde er in Trier zu einem Publikumsliebling. „Killi ist als Spieler und Mensch jemand, den jeder Trainer gerne in seiner Mannschaft hat“, sagt Bosniak über den 2,02 Meter großen Inside-Spieler, der sich 2019 entschied, „eine neue Herausforderung zu suchen“. Die eindeutige Stärke von Dietz liegt zweifellos im Rebounding (Schnitt von 5,1 in dieser Saison) und nicht im Erzielen von Körben. Dietz freut sich eigentlich auf die Rückkehr – wenn da nicht seine Verletzung wäre. Er hat sich den Bruch eines Fingers zugezogen, und die Heilung dauert länger als erwartet. „Ich hoffe, dass ich spielen kann“, sagt Dietz, der seinen Wechsel zum Aufsteiger ins Ruhrgebiet nicht bereut hat: „Ich starte sehr oft und komme auf Spielzeiten jenseits der 20 Minuten.“ Über die Stärke seiner ehemaligen Mannschaft hat Dietz eine klare Meinung: „Gegen Trier möchte eigentlich niemand in der Liga spielen. Die Mannschaft ist individuell ausgezeichnet besetzt, gerade, was die Positionen unter den Körben betrifft. Die Mannschaft wird bei der Titelvergabe eine Rolle spielen.“

Die Gladiatoren gehen als klarer Favorit in dieses Spiel. Hier die Hausherren mit 1,99 Metern im Durchschnitt und mehr als 40 Rebounds pro Spiel, was sie zum Spitzenreiter dieser Kategorie macht, dort Bochum mit 1,96 Metern und 36 Rebounds. Beide Mannschaften liegen in der Kategorie der Dreipunktewürfe am Ende der Tabelle (Trier 32, Bochum 31 Prozent). Die Top-Scorer sind auf Trierer Seite Brody Clark mit mehr als 18 Punkten und bei Bochum Dominic Jevon Green, ebenfalls mit mehr als 18 Punkten pro Spiel. Beide agieren aber auf völlig unterschiedlichen Positionen. „Das Inside-Spiel forcieren und mit Power zum Korb“, lautet eine Vorgabe der Trierer Taktik. Wie effektiv das sein kann, zeigten die Gladiators jüngst im Spitzenspiel in Rostock, welches sie erst in den letzten drei Minuten verloren, als sie diese Marschrichtung vernachlässigt hatten. Trainer van den Berg warnt indes deutlich vor Bochum:  „Es gibt in der Liga keinen Selbstläufer, und jedes Spiel ist eine Herausforderung.“

Fans, die bereits ein Ticket für das Bochum-Spiel erworben haben, werden von Mitarbeitern der Gladiators darüber informiert, wie die Rückabwicklung laufen wird. Sportdeutschland.TV überträgt die Trierer Spiele live und kostenlos im Internet.