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Trier: Hilfe für die verzweifelte „Miss Ellie“

TV-Serie „Sooo ein Tag“ : Hilfe für die verzweifelte „Miss Ellie“

Rennamazone Ellen Lohr hat als einzige Frau jemals einen Lauf des Deutschen Tourenwagen Masters gewonnen. Im Rahmen der TV-Serie „Sooo ein Tag“ erinnert sie sich an einen besonderen Service-Aufenthalt während der Rallye-WM in Trier.

Zwischen Eifel, Mosel, Hunsrück und Saar hat sie auf mannigfaltige Art und Weise ihre Spuren hinterlassen. Und auch wenn sie am Niederrhein, in Mönchengladbach, geboren wurde und das Fürstentum Monaco ihr Heimat und Wohnsitz geworden ist, so wird Ellen Lohr, die einzige Frau, die jemals ein Rennen der Deutschen Tourenwagenmasters (DTM) gewann, diesen ganz bestimmten Tag bei der ADAC Rallye Deutschland im Servicepark der „Deutschland“ vor den Toren der alten Augusta Treverorum nie vergessen. Im TV-Gespräch erinnert sich Deutschlands berühmteste Renn­amazone, die eigentlich nur „Miss Ellie“ gerufen wird, daran.

Kart, Formel 3, Tourenwagen, Rallyeboliden, ja sogar die schweren Race-Trucks mit ihren schwankenden Führerhäusern beim Tempo 160 auf dem Nürburgring-GP-Kurs und die Dakar: Ellen Lohr war, pardon ist, nichts fremd, was von einem Verbrennungsmotor angetrieben wird und einen stabilen Käfigschutz für den extremen Tanz auf Asphalt, Curbs, Sand und Schotter bietet. Die heute 55-Jährige ist aber nicht nur eine der weltweit erfolgreichsten Motorsportlerinnen (zwölf Einsätze bei der Dakar als Fahrerin und Teamchefin), sie ist längst auch eine gefragte Rednerin und Kommunikatorin auf vielen Meetings und Kongressen internationaler Führungskräfte. Wo es um erfolgreiche Teamarbeit, das Überwinden eigener Grenzen, ob im Motorsport oder im Business, geht, gibt Lohr ihre Erfahrungen weiter. 

Aus ihren zahlreichen Auftritten in der Region, sei es am Nürburgring oder im Rallyegeschehen, ragt dieser eine Tag bei der Rallye im Jahre 2007 heraus. Mit ihrer französischen Co-Pilotin Antonia de Roissard war sie damals in der Deutschen Rallyemeisterschaft (DRM) im Wallenwein-Subaru unterwegs. Und da die DRM im Fahrerfeld des WM-Laufs in und um Trier zwei Wertungsläufe absolvierte, fanden sich die beiden Rennamazonen auch in Trier wieder.

Als wir Ellen im Service nach dem ersten Tag draußen trafen, war guter Rat teuer. Für  sie und ihr Team, das Schwerstarbeit zu leisten hatte. Denn die Jungs von Subaru, damals mit dem Impreza WRX Sti ein Schwergewicht in der internationalen Rallye-Szene, hatten nach einem ereignisreichen ersten Tag in den Weinbergen alle Hände voll zu tun, bevor es am nächsten Tag auf die Panzerplatte nach Baumholder ging.

 Ellen Lohr
Ellen Lohr Foto: Jürgen C. Braun

 „Leistungsverlust. Keine Ahnung warum. Und jetzt spinnt auch noch dieses Sch… ding hier.“ Ellen wirkte ziemlich verzweifelt, als wir sie im Servicepark ansprachen und sie mit ihrem Laptop hantieren sahen, der offenbar ein elektronisches Eigenleben führte, das mit den Absichten der Fahrerin nicht zu vereinbaren war. Der Motor behielt einen beträchtlichen Teil seiner Leistung für sich. Auslesen war jedenfalls nicht möglich.

Ellen und ich kannten uns damals berufsbedingt schon seit vielen Jahren. Dass sie nun ausgerechnet den PC- und Notebook-Abenteurer par excellence um Hilfe bat, zeigte unmissverständlich den Grad ihrer leisen Verzweiflung: „Kannst Du mir da nicht helfen?“ Ich? Helfen? Bei Computerproblemen? Ach Mädel, wenn Du wüsstest, was Du mir da gerade antust.

Nein, konnte ich – natürlich – nicht. Aber wie so oft im Leben kannte ich einen, der einen kannte, der von einem wusste, der…und so weiter. Jedenfalls klemmte ich mir Ellens Notebook unter den Arm, fand besagten Kumpel, der mit dieser Technik sein Geld verdiente, kam mit Notebook und Computer-Spezialist kurz darauf zurück, und irgendwann an diesem Abend hing das funktionsfähige Notebook wieder dort, wo es hängen sollte, nämlich am Innenleben des Subaru-Triebwerks. Den Namen der hilfreichen technischen Computer-Hand behalte ich immer noch für mich. Denn immerhin geschah das damals alles unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit in der normalen Dienstzeit eines Arbeitnehmers. Aber was tut man nicht alles als Motorsportfreund.

Ellen und Antonia fuhren am nächsten Tag die „Platte“ in Baumholder. Es war August, draußen waren 30 Grad, 60 im Auto. Dazu feuerfeste Unterwäsche, Fahrerinnen-Anzug, Helm. Die Brühe lief nur so. Aber Zehntausende von Fans im Westricher Rallye-Land und die beiden Damen lieferten eine „geile Show“ im WRX Sti. Welch ein Tag nach so einem Tag.

Zehn Rennfahrerinnen waren seit 1984 bei der DTM am Start. Ellen war die einzige, die jemals ein Rennen gewinnen konnte. 1992 in Hockenheim. Auf den Plätzen hinter ihr keine geringeren als Formel-1-Weltmeister Keke Rosberg und der spätere DTM-Rekordchampion Bernd Schneider. In der neuen DTM, die ab 2021 nach den Ausstiegen von Mercedes und Audi in den vergangenen Jahren erstmals mit GT3-Autos an den Start gehen wird, treten private Kundenteams an die Stelle der Autobauer. Aus Sicht der erfolgreichen Racerin auch eine Chance für talentierte junge Fahrerinnen, es ihr gleich zu tun.

Sie ist davon überzeugt: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder schnelle Frauen in der DTM haben.“ Als Beispiel nennt sie die erst 22-jährige Sophie Hofmann, die in der DTM-Trophy, dem Unterbau der Tourenwagenmasters mit großem Erfolg fährt. „Die körperlichen Voraussetzungen, die im Motorsport benötigt werden, sind auch bei Frauen gegeben“, sagt sie. Die DTM-Saison mit dem neuen GT3-Format beginnt am 18. Juni in Monza. Vom 20. bis 22. August wird auf dem Nürburgring gefahren.

Aufgezeichnet von TV-Mitarbeiter Jürgen C. Braun